Zuletzt bei Newcastle United: Jetro Willems (links). 	afp
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Zuletzt bei Newcastle United: Jetro Willems (links).

Barkok, Tuta, Willems und Co.

Eintracht Frankfurt: Sechs Leihspieler sind wieder da - wie stehen ihre Chancen?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Sechs Leihspieler kehren zu Eintracht Frankfurt zurück – nicht viele von ihnen dürfen sich Hoffnungen auf einen dauerhaften Verbleib machen.

Gleich sechs Leihspieler werden zu Eintracht Frankfurt zurückkehren, am 27. und 28. Juli die medizinischen Tests absolvieren und am 29. Juli auf dem Trainingsplatz stehen – sollten sie sich bis dahin nicht schon umorientiert und einen Vereinswechsel angestrebt haben. Aber nicht alle haben eine Zukunft in Frankfurt. Die FR beleuchtet die Situation der Rückkehrer.

Aymen Barkok , der Junge vom Bolzplatz aus der Nordweststadt, wird in seiner Heimatstadt einen neuen Anlauf nehmen. Hinter dem mittlerweile auch schon 22-Jährigen liegt eine schwierige Zeit, seine zweijährige Leihe zu Fortuna Düsseldorf stand unter keinem guten Stern, zwei schwere Verletzungen legten ihn fast ein Jahr auf Eis. Als er wieder fit war, kam Uwe Rösler. Der neue Düsseldorfer Trainer setzte ihn nicht einmal ein, schickte ihn zur U23, wo er sechs Spiele machte und vier Tore erzielte. Immerhin. Hat Talent, klar, kann am Ball fast alles, wurde von Ex-Trainer Niko Kovac als „Juwel“ geadelt. Funkelt aber nur selten, muss jetzt endlich zünden und beweisen, dass er das Zeug hat, Bundesliga zu spielen. Sein größtes Problem: Muss seine Unbekümmertheit und Frechheit aus den Anfangstagen wiederentdecken, ohne die Professionalität und die taktische Ordnung zu vernachlässigen. Das ist nicht leicht. Lässt sich schwer in Schablonen und ein Korsett pressen. Trainer Adi Hütter freut sich auf ihn, hofft auf einen Zugewinn an Kreativität aus den eigenen Reihen, möchte ihn fördern und entwickeln. Könnte helfen, die von der DFL vorgeschrieben Quoten (deutsche Staatsbürger, Local Player) zu erfüllen. Dennoch: Der bis 2022 gebundene Mittelfeldspieler wird sich mächtig steigern müssen, um eine reelle Chance auf Einsätze zu haben.

Tuta , der brasilianische Innenverteidiger, war nach dem ernüchterndem Testspiel vor einem Jahr gegen Young Boy Bern (1:5) endgültig in Ungnade gefallen, da sah der 21-Jährige kein Land, stolperte von einer Verlegenheit in die nächste. Kurz darauf wurde er nach Belgien verliehen, wo er beim KV Kortrijk nach anfänglichen Schwierigkeiten zum Stammspieler und Leistungsträger avancierte. Eine „überragende“ Saison attestierte ihm Sportvorstand Fredi Bobic sogar. Die Sportliche Leitung ist gespannt, wie sich der Verteidiger entwickelt und ob er Fortschritte gemacht hat. Abgeschrieben haben sie den technisch guten und passsicheren Abwehrmann, Vertrag bis 2023, nicht, im Gegenteil. Insgeheim hoffen die Verantwortlichen auf eine Leistungsexplosion wie bei Daichi Kamada. Tuta, im Winter 2019 für 1,8 Millionen Euro aus Sao Paulo gekommen, wird zugetraut, perspektivisch die Lücke des bald abwandernden Kapitäns David Abraham zu füllen. Körperlich wird er zulegen müssen.

Jetro Willems , der Pechvogel, war drauf und dran, sich in der Premier League langfristig durchzusetzen, machte für Newcastle United ein Traumtor gegen Meister Liverpool und traf auch gegen Megaklub Manchester City. Newcastle wollte den Linksverteidiger fest verpflichten, für satte elf Millionen Euro gar, so hoch war die Kaufoption. Wäre gut für die Eintracht gewesen und auch gut für den Niederländer. Wurde aber nix draus, weil im Januar das Kreuzband im ohnehin vorgeschädigten Knie riss. Monatelange Pause. Extrem ärgerlich. Kämpft nun für sein Comeback. Hat in Frankfurt einen Vertrag bis 2021, ob ihn ein anderer Verein aufnimmt mit dieser schweren Verletzung? Eher unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich ist auch, dass der 26-Jährige in Frankfurt noch mal durchstartet. Coach Hütter versuchte, ihn zum Mittelfeldspieler umzufunktionieren – ohne Erfolg. Dabei bringt er vieles mit: Übersicht, Ruhe am Ball, einen guten Schuss. Ist aber auch phlegmatisch, teilweise pomadig. Als Linksverteidiger nicht der Typ Spieler, der Hütter vorschwebt, macht zu viele Haken, bricht zu oft ab, zieht zu oft und ohne Not nach Innen.

Dejan Joveljic , der schmächtige Angreifer aus Belgrad, wird sich strecken müssen, um überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, sich zu präsentieren. Konnte Coach Hütter in seinem ersten halben Jahr nicht überzeugen, kam nur auf wenige Kurzeinsätze. Konnte in Belgien beim RSC Anderlecht am Ende überzeugen, machte ein Tor, ehe die Liga wegen Corona abgebrochen wurde. Hat sich in Frankfurt nie hängenlassen, schob Sonderschichten blieb gut gelaunt. Der vorschnell als Rohdiamant und Nachfolger von Luka Jovic gehandelte Angreifer wird es aber schwer haben, muss sich hinter André Silva, Bas Dost, Goncalo Paciencia und wohl auch hinter Neuzugang Ragnar Ache einordnen. Viel spricht für eine erneute Leihe des Mittelstürmers, der für fünf Millionen Euro von Roter Stern Belgrad geholt und bis 2024 an die Eintracht gebunden wurde.

Simon Falette , der steinharte Stopper, hat keine Zukunft in Frankfurt. Sein Vertrag läuft in einem Jahr aus, zurzeit spielt er für Fenerbahce Istanbul. Die Saison in der Türkei endet in zehn Tagen, Fenerbahce liegt auf einem enttäuschenden siebten Rang. Der Franzose hatte sich zuletzt einen Stammplatz erkämpft. Ob der türkische Traditionsklub, bei dem Max Kruse kürzlich seine Kündigung eingereicht hat und nun wieder in der Bundesliga unterschlüpfen will (aber nicht bei Eintracht Frankfurt), die vereinbarte Kaufoption ziehen wird, ist dennoch zweifelhaft. Sollte der 28-Jährige, ein guter Typ und eine Stimmungskanone, nach Deutschland zurückkehren, würde die Eintracht versuchen, ihn endgültig abzugeben. Sogar ohne eine Ablöse zu kassieren.

Rodrigo Zalazar , der Mittelfeldspieler aus Uruguay, wird es ebenfalls schwer haben, in Frankfurt Spuren zu hinterlassen. Der 20-Jährige war nach seiner Verpflichtung sofort an den polnischen Erstligisten Korona Kielce ausgeliehen worden, reiste aber mit Beginn der Corona-Unterbrechung eigenmächtig zu seiner Familie nach Spanien und wurde daraufhin von seinem Verein beurlaubt. Dumm gelaufen. Hielt sich seitdem im Stadtwald fit, der vormalige A-Jugendtrainer Marco Pezzaiuoli kümmerte sich um den bis 2023 gebundenen Techniker. Konnte sich vorher in Polen nicht behaupten, war zeitweise zur zweiten Mannschaft abgeschoben, schoss da in der dritten Liga immerhin drei Tore (vier Vorlagen). Kaum vorstellbar, dass der vor einem Jahr von der Reserve des FC Malaga verpflichtete Spieler eine große Perspektive bei der Eintracht haben wird.

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