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Eintracht-Kapitän Rode: Die kleine, aber wirkungsvolle ordnende Hand

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Von: Thomas Kilchenstein

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Ein Vorbild an Einsatz und Kampfbereitschaft: Eintracht-Kapitän Sebastian Rode.
Ein Vorbild an Einsatz und Kampfbereitschaft: Eintracht-Kapitän Sebastian Rode. © Eibner/Imago Images

Eintracht-Spielführer Sebastian Rode mausert sich in der defensiven Schaltzentrale der Frankfurter immer mehr zum Strategen.

Frankfurt – Am Freitagabend ab 20.30 Uhr wird Sebastian Rode sein 191. Bundesligaspiel bestreiten, er wird die Frankfurter Mannschaft als Kapitän aufs Feld gegen Arminia Bielefeld führen und rackern und ackern wie eh und je. Das ist sein Job, er füllt ihn mit Leben und Herzblut, kein Weg ist ihm zu weit, kein Zweikampf zu hart. Das tut er jetzt schon eine geraume Zeit, viel länger als viele angesichts seiner stetig länger werdenden Krankenakte vermutet hätten. Genauer: Sebastian Rode hat am Freitag exakt vor elf Jahren sein allererstes Bundesligaspiel für Eintracht Frankfurt bestritten, am 21. Januar 2011 feierte der seinerzeit von Kickers Offenbach gekommene Südhesse sein Ligadebüt gegen den Hamburger SV. Die Hinrunde hatte der damals 20-Jährige wegen eines Knorpelschadens verpasst, die Partie in Hamburg ging 0:1 verloren, Trainer Michael Skibbe hatte Rode als Innenverteidiger aufgeboten, an der Seite von Ricardo Clark, rechts verteidigte Sebastian Jung, links Nikola Petkovic. Was bald folgte, war die Rückrunde der Schande, gekrönt mit einem der überflüssigsten Abstiege aller Zeiten.

325 Pflichtspiele später, von Regionalliga bis Champions League, ist Sebastian Rode immer noch laufend und kämpfend unterwegs, längst im defensiven Mittelfeld, wo er hingehört. Der sehr geerdete Rode hat eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht: Vom reinen Wadenbeißer hat er sich zu einem spielstarken Sechser mit beachtlichen strategischen Fähigkeiten gemausert, die fünf Wanderjahre bei Bayern München und Borussia Dortmund haben seinem Spiel gut getan. Am vergangenen Sonntag, beim 1:1 in Augsburg, kam der mittlerweile 31-Jährige auf eine Passquote von 90 Prozent, das ist aller Ehren wert.

Eintrach Frankfurt: Kapitän Sebastian Rode legt x-tes starkes Comeback hin

Und Sebastian Rode hat mal wieder ein Comeback geschafft, das x-te in seiner Karriere mit Höhen und Tiefen. Zu Beginn der Saison musste er unters Messer, das vielfach lädierte Knie machte Probleme. Erst im Oktober, im Europa-League-Spiel gegen Olympique Piräus, war er zu ein paar Minuten gekommen. Und diese Einsatzzeit hat er seitdem regelmäßig steigern können, mittlerweile hält er locker 60, 70, 80 Minuten durch. 14 Einsätze und 453 Minuten hat er in dieser Saison auf dem Buckel. „Mein Knie“, sagt er zufrieden, „ist soweit stabil“. Trotzdem war er positiv überrascht, schon auf so viele Einsatzzeit in dieser Runde gekommen zu sein.

Ihm kam natürlich zupass, dass sich die Mannschaft ab Mitte der Hinrunde gefunden hatte, „ich hatte keinen Druck, sofort spielen zu müssen“, hat Rode unlängst erzählt, er konnte seine Knieblessur in Ruhe auskurieren, konnte behutsam ans alte Level herangeführt werden. Die Doppelsechs mit Djibril Sow und Kristjan Jakic harmonierte immer besser, und der Aufschwung der Frankfurter hat sicherlich viel damit zu tun, dass die beiden enorm viel abräumten, viele Bälle klauten und Aktionen des Gegners bereits im Aufbau unterbanden. Gerade der Schweizer Sow erlebte in dieser Zeit eine ungeahnte Leistungsexplosion, er wurde mutiger, selbstbewusster, spielte plötzlich, was ihm lange Zeit völlig abging, die Bälle sofort in die Spitze. Und entwickelte eine nie erwartete Torgefahr. Er schoss Tore, drei an der Zahl, lieferte vier Vorlagen. Es war Trainer Oliver Glasner, der dem bald 25-Jährigen jene neuen Wege aufzeigte, die zum Torerfolg führten. Djibril Sow freilich sollte gegen Bielefeld aufpassen, ihm droht eine Gelbsperre. Viermal ist er bereits verwarnt worden.

Eintracht Frankfurt: Defensives Mittelfeld ist mit Rohde, Jakic und Sow gut aufgestellt

Kristijan Jakic hingegen, der „Krieger“, wie ihn Glasner nannte, ist aktuell ein klein bisschen außer Tritt. Die Verletzung, die er sich im vorletzten Hinrundenspiel in Mönchengladbach zugezogen hatte, hat ihn zurückgeworfen. Dazu erkrankte er an Covid-19. Drei Wochen hat er nicht trainieren können, da sei ihm der Rhythmus abhandengekommen, sagte Coach Glasner. Mittlerweile „kommt er aber wieder besser in Schuss“. Seinen Stammplatz neben Sow hat der 24-Jährige aber erst einmal eingebüßt, auch weil Rode bärenstark auftrumpft. Dabei tut Jakics Aggressivität und Galligkeit dem Team richtig gut. Und auch seine spielerischen Defizite hat er deutlich verringert, und ein wunderschönes Tor (gegen Bayer Leverkusen) steht ja ebenfalls zu Buche.

Mit Sow, Jakic und Rode sind die Frankfurter im defensiven Mittelfeld gut aufgestellt, selbst Ajdin Hrustic ist nach seinem engagierten Vortrag gegen Dortmund in der Frankfurter Schaltzentrale eine Option. Das Duo Sow/Rode freilich ist das deutlich spielstärkere. Sebastian Rode ist es gelungen, mit vielen kleinen, aber enorm wirkungsvollen Ballkontakten und Pässen dem Frankfurter Gefüge ein anderes Element beizufügen, er ordnet das Spiel mit beachtlicher Ruhe. Jetzt müssen nur noch die Knie halten. Aber wenn einer ein Stehaufmännchen ist, dann ist das sicher der Seppl Rode. (Thomas Kilchenstein)

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