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Bruno Hübner mit Nachfolger Pirmin Schwegler?

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Eintracht: Pirmin Schwegler ein Kandidat für Hübner-Nachfolge?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Erst im nächsten Jahr soll mit Manager Bruno Hübner über seine Zukunft gesprochen werden. Ist Ex-Spieler Pirmin Schwegler ein Kandidat für seine Nachfolge ?

Frankfurt - Fast eine ganze Dekade werkelt Bruno Hübner als Sportdirektor schon für Eintracht Frankfurt, eine verdammt lange Zeit, in der es gewiss nicht langweilig war, beliebig plätschernd oder seicht schon mal gar nicht. Seit 2011 ging es gleich dreimal quer durch Europa, nach London, Rom oder Lissabon; 2018, nach dem epochalen Pokalsieg gegen die Bayern, auf den von Hunderttausenden gesäumten Römer, und ein anderes Mal, 2016, an den Rand des Abgrunds: Relegation gegen Nürnberg. Rettung mit zwei dunkelblauen Augen. Das prägt.

Eintracht Frankfurt: Hübner steht in der zweiten Reihe

Bruno Hübner, der hemdsärmlige Manager mit dem unverwechselbaren Idiom, stand selten alleine im Auge des Sturms, eher in der zweiten Reihe, agierte aus dem Hintergrund, zog Strippen. Fünf Jahre rieb er sich an dem Fossil Heribert Bruchhagen, arbeitete sich an ihm ab, seit viereinhalb Jahren wirkt er im Schatten des mächtigen Ex-Nationalspielers Fredi Bobic, der gleich zweimal zum Manager des Jahres gekürt wurde. Bruno Hübner ging da leer aus.

Der 59-Jährige, ein Teamplayer, hat die Eintracht dennoch zweifelsohne geprägt in dem vergangenen Jahrzehnt, gleich in seinem ersten Jahr holte er, aus Duisburg kommend, 15 neue Spieler, 18 mussten gehen. Die Brachialrotation führte zum souveränen Wiederaufstieg. Ein Jahr später dasselbe Bild: 15 Akteure schickte er weg, 19 andere verpflichtete er. Rekord. Reichte als Aufsteiger für Rang sechs und einen Platz in Europa. Respekt.

Hübner hat ein engmaschiges Netzwerk gesponnen, dachte nie klein, er verhandelte mit damals hochgehandelten Trainern wie Roberto di Matteo oder Roger Schmidt. Er hat Niko Kovac gegen alle Widerstände durchgeboxt, jenen Kovac, der sich als Retter, Erneuerer und Pokalsiegtrainer erweisen sollte.

Hübner hat auch Armin Veh engagiert, gleich zweimal. Veh war es, der den einst als Wunderkind gehypten Vaclav Kadlec unbedingt in Frankfurt stürmen sehen wollte. Eine Spezialaufgabe für Tausendsassa Bruno Hübner, den Agenten in geheimer Mission. „Der Armin“, erzählte er mal und meinte den Coach Veh, „hat mich 20-mal nach Prag geschickt, um den Kadlec zu holen.“ Der Armin hat den Vaclav dann gewogen, für zu leicht befunden und fallen gelassen.

Das ist eine Anekdote, die sehr viel über den Typen und Manager Bruno Hübner aussagt. Seine Beharrlichkeit und seine Überzeugungskraft sind enorm, er, Vater dreier hochklassig spielender Söhne, spreche die Sprache der Fußballer, befindet er. Potenzielle Neuzugänge nimmt er mit, malt Bilder, gibt ihnen das Gefühl, wichtig zu sein, das entscheidende Puzzlestück für das Gesamtgebilde Eintracht Frankfurt zu sein. „Der Bruno“, hat Kumpel Veh mal gesagt, „kann auch in der Antarktis einen Kühlschrank verkaufen.“ Er ist der Mann für die besonderen, die heiklen Fälle. Und auf so einen legt Eintracht Frankfurt womöglich bald keinen Wert mehr?

Eintracht Frankfurt: Vertrag von Hübner läuft 2021 aus

Der Vertrag des Taunussteiners läuft 2021 aus, dann könnte es sein, dass sich die Wege trennen. Klar ist, dass zehn Jahre im heutigen Profifußball fast schon eine Ewigkeit sind. Vieles nutzt sich ab, vieles schleift sich ein, den größten Einfluss hat er seit Bobics Inthronisierung nicht mehr. Und gerade Sportchef Bobic ist einer, der für Fluktuation steht, der im Stadtwald und am Riederwald gnadenlos umgewälzt hat, kaum ein Stein blieb seit 2016 auf dem anderen.

Nicht auszuschließen, dass Bobic auch auf der Position des Sportdirektors frischen Wind erzeugen, neue Ideen einbringen will. Bruno Hübner würde gerne weiter für die Eintracht arbeiten, in Coach Adi Hütter hat er einen Fürsprecher, der sich jetzt in moderatem Ton für den loyalen Mitarbeiter eingesetzt hat. „Wir haben menschlich und sportlich ein hervorragendes Verhältnis“, sagte Hütter. „Die Kollegen im Vorstand müssen sich da Gedanken machen. Sie werden mit ihm sprechen.“

Sportvorstand Bobic aber spielt auf Zeit, sein Plan sieht keine kurzfristige Runde mit dem Manager vor, er will die Gespräche mit Hübner erst Anfang des neuen Jahres führen. Wer Bobic kennt, weiß, dass er sich nicht treiben lässt und an seinem eigenen Vorhaben kaum rütteln wird, auch wenn intern nicht alle glücklich darüber sind, das Thema noch mehr als zweieinhalb Monate mit sich herumzuschleppen. Alle offenen Baustellen könnten irgendwann zu unnötigen offenen Flanken führen – gerade dann, wenn es sportlich mal nicht so laufen sollte. Es ist ein Fall, in dem Brisanz steckt.

Denn natürlich werden inmitten der unklaren Hübner-Zukunft schon Nachfolgediskussionen geführt. Erst wurde Sebastian Zelichowski ins Rennen geschickt. Der 38-Jährige gilt als Bobics Vertrauter, fungiert als dessen Referent. Dem früheren Analysten wird ein gestörtes Verhältnis zu Chefcoach Hütter nachgesagt, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Zelichowski ist ein talentierter Fachmann, der zurzeit einen Managerlehrgang von DFB und DFL absolviert und aufgebaut werden soll. Aber ob er direkt als Sportdirektor einsteigen wird? Zweifelhaft.

Nun wurde, vom „Wiesbadener Kurier“, Ex-Kapitän Pirmin Schwegler ins Spiel gebracht. Das Gerücht hält sich schon länger, und es gibt tatsächlich einige Fürsprecher im Verein, die sich für den 33-Jährigen stark machen. Viele Funktionäre haben Kontakt mit dem allseits geschätzten Schwegler gehalten, der nach einem letzten Abenteuer in Australien seine Karriere beendet hat und mittlerweile wieder in Frankfurt lebt. Schwegler wäre eine sinnvolle, charmante Lösung. Er denkt strategisch, ist ein extrem kluger Kopf, reflektierend, abwägend, eloquent. Ob aber die Kombination mit dem absoluten Alphatier Fredi Bobic funktionieren würde? Schwer vorherzusagen – und ohnehin Zukunftmusik. Auf FR-Anfrage bedeutete der frühere Nationalspieler Schwegler: „Dahingehend gab es bisher mit der Eintracht keinen Kontakt mit mir.“ Ehrlich ist er nämlich auch, der Pirmin Schwegler aus dem Schweizer Nachbarland.

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