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Eintracht Frankfurts Hellmann: „Die Schlappekicker-Aktion ist eine tolle Geschichte, bleiben Sie ihr treu!“

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Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann würdigt zum 70-jährigen Bestehen die FR-Aktion, die sich für in Not geratene Sportlerinnen und Sportler einsetzt – ein Auszug seiner Rede.

Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurter Fußball AG und seit neuestem auch einer der beiden Interims-Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, hielt bei der Schlappekicker-Preisverleihung am 28. November im Kaisersaal des Frankfurter Römers mit einjähriger Verspätung eine Rede zum 70-jährigen Bestehen der Schlappekicker-Aktion im Vorjahr. Hier Auszüge aus den Gedanken des 51-Jährigen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schlappekicker-Aktion der FR.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt zu den Schlappekicker-Anfängen und der Bedeutung der Aktion für die FR …

„Die Schlappekicker-Aktion erfährt zu Recht eine große Wertschätzung“, sagt Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann. Foto: Monika Müller
„Die Schlappekicker-Aktion erfährt zu Recht eine große Wertschätzung“, sagt Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann. © Monika Müller

Meine Zeit mit dem Schlappekicker beginnt Mitte der 80er Jahre. Mit meinen Eltern wohnte ich im Westend und mein Vater war FR-Abonnent. Wenn ich samstags in die Schule ging, war die FR um 7.15 Uhr im Briefkasten und ich konnte sie beim Frühstück lesen. Viel Spaß hatte ich an der Schlappekicker-Kolumne, die in Frankfurter Mundart geschrieben war und, wie ich gelernt habe, seit 1952 jeden Samstag im FR-Sport stand. Es war eine wunderbare Glosse, die nationale und regionale Themen ironisch und immer mit einem Augenzwinkern kommentierte. Natürlich wurden auch viele Ereignisse aufgegriffen, die die Geschichte der Eintracht prägten. Was ich damals nicht wusste: Bereits 1951 wurde von FR-Sportchef Erich Wick die Schlappekicker-Aktion gegründet, von seinem Nachfolger Bert Merz wurde sie bis in die 90er Jahre weitergeführt, ehe die junge Generation mit Harald Stenger an der Spitze die Verantwortung übernahm.

Zurück zu 1951 und den Erinnerungen, was damals in der Stadt los war: Das Land war noch vom Krieg gezeichnet und im Aufbau. Die Rundschau war eine publizistische Institution der jungen Demokratie und wurde später über viele Jahre zu einem Leitmedium – bundesweit mit einer großen Relevanz, aber zugleich immer auch der Region verpflichtet.

Die Schlappekicker-Aktion spielte in ihren Anfangsjahren für den FR-Anspruch, für eine sozial gerechte Gesellschaft einzutreten, eine wichtige Rolle, weil mit ihr dort vor Ort geholfen wurde, wo Nöte, Schwierigkeiten und Probleme existierten. Durch die Advents- und Weihnachtssammlung wurden aus unterschiedlichen Gründen kriegsgeschädigte Sportlerinnen und Sportler beispielsweise Heizkosten-Zuschüsse gezahlt oder Lebensmittel-Gutscheine geschenkt.

Natürlich hat sich dieses Konzept im Laufe der Jahre geändert, aber weiterhin in großer Nähe zur FR ist die Zielsetzung gleich geblieben. Gemäß der 2017 aktualisierten Satzung werden nicht nur wie eh und je unverschuldet in Not geratene Sportlerinnen und Sportler unterstützt, sondern seit Ende der 90er Jahre außerdem Vereine, die sich über den Tellerrand des sportlichen Alltags hinaus in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren. Und auch der Inklusionssport wird mittlerweile umfangreich gefördert. Grundsätzlich geht es immer um Einzelschicksale, die Probleme im Kleinen direkt anzupacken und die Unterstützung des Ehrenamts.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt zur Rolle der Schlappekicker-Aktion in der Sportwelt …

Die Schlappekicker-Aktion wirkt stärker denn je direkt in den Sport hinein, bei Menschen und Vereinen. Genau dies ist heute enorm wertvoll, weil der große Sport eine Entwicklung genommen hat, die viele zu Recht hinterfragen, so dass sie sich intensive Gedanken darüber machen, welche Werte damit verbunden sind. Das gilt auch für uns bei der Eintracht. Überall muss es unser Ziel sein, eine bestimmte Haltung zu bewahren, eine soziale und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Die Schlappekicker-Aktion leistet mit ihren Initiativen dazu einen praktischen Beitrag, dessen traditionelle Wurzeln nicht hoch genug einzustufen sind. Daher betone ich in Übereinstimmung mit meinen Eintracht-Kollegen: Die Schlappekicker-Aktion, deren Schirmherr einst Fritz Walter war und heute Karl-Heinz Körbel ist, ist eine richtig gute Sache seit vielen Jahrzehnten und sie erfährt zu Recht eine große Wertschätzung.

Das kam bis 2002 auch darin zum Ausdruck, dass die deutsche Sport-Prominenz bei den legendären Weihnachtsfeiern, erst auf dem Henninger Turm, dann im Bürgerhaus Nordwest, zu Gast war. Von Armin Hary über Rudi Altig und Michael Groß bis zu Josef Neckermann. Fast endlos ist die Liste der Fußball-Größen, für die ein Schlappekicker-Besuch kurz vor Weihnachten mehr als ein Pflichttermin war. Stellvertretend dafür seien hier genannt. Franz Beckenbauer, Sepp Herberger, Helmut Schön, Uwe Seeler, Lothar Emmerich, Rudi Völler, Alfred Pfaff, Richard, Kress, Hermann Nuber, Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel, Andreas Möller, Manfred Binz und Dragoslav Stepanovic. Dazu empfehle ich jedem, der sich für die Historie interessiert, auf schlappekicker.de die online-Fotostrecke „71 Jahre Schlappekicker in 71 Bildern“!

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt: zur Zukunft des Sports und der Schlappekicker-Aktion …

Ich bin der Meinung, dass der Politik, was die Förderung des Sports betrifft, keine einfachen Zeiten bevorstehen. Wir haben die Corona-Zeit erlebt und wissen alle, was das für Kinder und Jugendliche bedeutet. Uns beschäftigt inzwischen auch die Kostensteigerung im Energiebereich und damit der Unterhalt der Sportinfrastruktur. Wir haben demografische Veränderungen, weniger ehrenamtliche Mitarbeiter, wir finden weniger Trainer und Schiedsrichter, die Anzahl der in den Vereinen aktiven Kinder und Jugendlichen ist geschrumpft, unter anderem weil die Freizeit-Angebote und besonders die digitalen Reize immer größer werden.

Es wird daher in Vereinen immer schwieriger, den normalen Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Und auch die Ausbalancierung unserer Leistungs- und Breitensport-Landschaft macht mir große Sorgen. Ich denke da an den Widerspruch zwischen Amateuren, die mit bescheidenen Rahmenbedingungen zu Recht kommen müssen, und Profis, die mit etwas Glück mit einem Vertrag für ihr Leben ausgesorgt haben bei seriöser Lebensgestaltung. Wir bei der Eintracht bieten 52 Sportarten für unsere Mitglieder an und viele von ihnen betreiben Leistungssport, aber nicht in Sportarten, die es den Athletinnen und Athleten ermöglichen, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir reden in unserer Gesellschaft und in unserer Vereinen außerdem von Nachhaltigkeit und Integration, rechtsradikalen Tendenzen und Klimakrise.

Eintracht Frankfurt will helfen, die Zukunft des Sports zu sichern

In dieser Situation spielt die Schlappekicker-Aktion insofern eine wichtige Rolle, weil sie sich von jeher um die sorgt und kümmert, die nicht im Blickpunkt stehen, die für positive Gemeinschafts-Erlebnisse und gegen negative Trends des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft kämpfen. Angefangen hat alles mit dem Schlappekicker-Engagement für Kriegsgeschädigte, heute geht es auf vielfältige Weise um die ideelle Unterstützung für den Zusammenhalt von Menschen im und durch Sport. Grundsätzlich lauert jedoch aktuell die große Gefahr, dass viele sportliche Angebote an der Basis aus Finanz- und Infrastruktur-Gründen gefährdet sind oder im worst case sogar vollends verlorengehen.

Wir alle, ob die Schlappekicker-Aktion, Eintracht Frankfurt oder Menschen in anderen Vereinen, dürfen jedoch nicht resignieren oder gar aufgeben. Symbolhaft oder konkret muss sich jeder mit seinen Mitteln und Ideen dafür einsetzen, das Morgen im Sport zu sichern und dabei auch den sozialen Aspekten gerecht zu werden, dafür Ausschau nach Personen und Projekten halten, die neue, innovative Impulse vermitteln. Ich halte das für eine der wichtigsten Aufgaben aller Verantwortlichen in Sportverbänden, -vereinen und –initiativen – alle Interessierten sind hier zu konstruktiver Mitarbeit eingeladen. In diesem Sinne richte ich meine Bitte an alle Schlappekicker-Spenderinnen und –Spender: Die Aktion der FR ist wirklich eine tolle Geschichte, bleiben Sie ihr treu!

Derweil arbeitet Eintracht Frankfurt weiter an der Zukunft des Klubs und hat ein junges Torwarttalent aus Albanien verpflichtet.

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