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Eintracht Frankfurt verliert gegen 1. FC Union Berlin.

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Eintracht Frankfurt: Rückschlag zur Unzeit

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt findet am ungeliebten Montag keine rechte Bindung zum Spiel und unterliegt Union Berlin mit 1:2.

  • Eintracht Frankfurt verliert gegen Union Berlin
  • SGE-Fans protestieren gegen die ungeliebten Montagsspiele 
  • Trainer Adi Hütter wirbelt Team durcheinander

Frankfurt - Drei Tage vor dem Rückspiel in der Europa League gegen den FC Salzburg am Donnerstag hat Eintracht Frankfurt einen unerwarteten Rückschlag hinnehmen müssen. Mit 1:2 (0:0) unterlagen die Hessen am Montagabend dem Aufsteiger Union Berlin. Am Ende haderten die Hessen mit einer Szene unmittelbar vor dem Abpfiff: Da forderten die Frankfurter vehement Elfmeter, als André Silva im Fünfmeterraum nach einem Gerangel zu Boden gegangen war. Dessen ungeachtet hatten die Hausherren nicht viel auf die Beine gebracht, das meiste blieb Stückwerk, seltsam fad und uninspiriert.

Eintracht Frankfurt: Chandler enttäuscht über Leistung

Mit dieser Niederlage hat es Eintracht Frankfurt verpasst, ein bisschen Speck zwischen sich und den unteren Tabellenrängen zu packen. Vielleicht aber kommt diese Heimschlappe als Wachrüttler vor dem Europapokalspiel gerade recht. „In der ersten Halbzeit haben wir viel zu wenig gemacht. Wir haben es nicht geschafft, richtig draufzugehen und uns Chancen zu erspielen. Die Tore waren natürlich viel zu einfach. Beim ersten Tor muss einfach nur einer sagen: Ich hab den Ball. Da muss man miteinander sprechen“, sagte Timothy Chandler direkt nach der Anpfiff. „Bis zum zweiten Tor haben wir kein gutes Spiel gemacht“, fand Torhüter Kevin Trapp, der bei beiden Toren nicht die glücklichste Figur abgab.

Die Stimmung im Frankfurter Stadtwald war dann doch nicht so schlecht wie befürchtet, allerdings war es deutlich leiser als normalerweise. Der Unterrang in der Nordwestkurve war, wie vorher angekündigt, zwar aus Protest gegen die ungeliebten Montagsspiele komplett leer geblieben. Dort, wo sonst die beinharten Fans, ihr Team lautstark unterstützen, prangte lediglich ein riesiges schwarzes Banner mit dem Aufdruck „Montag“, das durchgestrichen war. Vor der Partie versuchte noch ein Vertreter der Fanszene diesen durchaus umstrittenen Protest - Montagsspiele wird es ohnehin ab der Saison 2021/22 nicht mehr geben - zu erklären, er erntete zahlreiche Pfiffe von den übrigen Zuschauern in der Arena. Auch die Stadionregie schloss sich in Teilen dem Protest an: Auf das Abspielen des Kultliedes „Im Herzen von Europa“ war verzichtet worden, auch das Rahmenprogramm vor der Partie fand nur eingeschränkt statt. Doch auch die übrigen Besucher auf den Rängen feuerten die Heimmannschaft an, wenn auch nicht so frenetisch wie sonst.

Eintracht Frankfurt: Zähes Ringen in Hälfte eins

„Wir spielen am Donnerstag in Salzburg und haben deswegen die Rotationsmaschine angeworfen. Wir versuchen heute auch ohne unsere Fans ein gutes Spiel zu machen“, hatte Trainer Hütter vorher gesagt. Tatsächlich hatte er sein Team gleich auf fünf Positionen verändert, Dominik Kohr (für Sebastian Rode), Erik Durm (für Almamy Touré), Timothy Chandler (für Djibril Sow) und Martin Hinteregger (für Stefan Ilsanker, der ohnehin Probleme mit der Hüfte hatte. Danny da Costa war wegen einer Zehenverletzung gar nicht erst im Kader. Für Eintracht Frankfurt ging es zwischen zwei Europapokalspielen darum, die richtige Einstellung zu finden, den Spannungsbogen irgendwie hoch zu halten. Das gelang zunächst nicht.

Die Partie war anfangs auch nicht dazu geeignet, die ohnehin gedämpfte Stimmung aufzuhellen. In den ersten 45 Minuten lieferten sich beide Teams ein sehr zähes Ringen, gefällige Szenen waren die absolute Ausnahme, beide Teams suchten nicht unbedingt das Risiko. Das Spiel plätscherte so dahin. Gefährlich wurde es im Grunde nur durch individuelle Fehler, etwa als Makoto Hasebe, erneut im defensiven Mittelfeld unterwegs, nach mehr als einer halben Stunde am Mittelkreis den Ball leichtfertig verlor, immerhin war David Abraham auf dem Posten und bügelte im Duell mit dem durchgebrochenen Marius Bülter den Bolzen wieder aus. Ohnehin war der Frankfurter Kapitän im ersten Abschnitt bester Mann, der allein die Berliner Angriffe stoppte.

Eintracht Frankfurt: Komplettes Missverständnis führt zum 0:1

Um ein Haar wären die Hessen vor der Pause noch in Führung gegangen, auch da hätte man von einer Fehlleistung des Gegners profitiert. Ein Flanke von Filip Kostic hätte der Berliner Florian Hübner fast ins eigene Tor abgefälscht. Da waren schon 45 Minuten absolviert. Dass Eintracht Frankfurt nicht richtig in die Spur gekommen war, habe nach Auffassung von Marco Russ auch an der fehlenden Unterstützung gelegen: „Das ist der Push, der uns fehlt. Das nimmt uns ein bisschen von unserer Energie.“

Nach der Pause freilich wurde es dann richtig ungemütlich für die Hessen. Bei einer komplett harmlosen Aktion waren sich Erik Durm, David Abraham und Kevin Trapp nicht einig, keiner ging zum Ball, dafür Christopher Lenz, der die Kugel zu dem blank vor dem verwaisten Frankfurter Tor stehenden Sebastian Andersson passte, der keine Mühe hatte,den Ball ins leere Tor zu schießen (49.). „Eigentlich habe ich gerufen, dass er kommt. Erik hat auch irgendwas gerufen. Es war ein komplettes Missverständnis“, sagte Kevin Trapp. Dieser Gegentreffer war symptomatisch für ein bis dahin komplett zerfahrenes, unrundes Spiel. Immerhin wurden die Aktionen der Eintracht nach dem Nackenschlag ein klein wenig zielstrebiger, allerdings lange noch nicht gut.

Eintracht Frankfurt: Eigentor sorgt für höheren Rückstand

Vor allem kam es noch dicker: Eine flache Hereingabe von Marcus Ingvartsen ließ Torwart Trapp nach vorne abklatschen, die Kugel prallte Evan Ndicka unglücklich ans Schienbein und von dort ins Tor - 0:2. „Kein Torwartfehler“, sagte Trapp dazu nur knapp angebunden. Unmittelbar nach dem 0:2 hatte sich urplötzlich Goncalo Paciencia die große Möglichkeit geboten, auf 1:2 zu verkürzen, doch der Portugiese, ohnehin sehr unglücklich in seinen Aktionen, schoss Berlins Schlussmann Rafal Gikiewicz direkt an.

Neue Hoffnung keimte auf, als der eingewechselte André Silva in der 79. Minute per Hackentrick noch den Anschlusstreffer schaffte. Die Eintracht hatte da längst schon auf eine Dreierkette umgestellt, berannte jetzt wütend das Berliner Tor. Fünf Minuten vor dem Ende hatte Abraham fast noch den Ausgleich erzielt, auch Paciencia und Silva hatten noch aussichtsreiche Möglichkeiten. Doch es reichte nicht mehr zu einem halbwegs versöhnlichen Ende. (dur/kil)

Bei Eintracht Frankfurt meldet sich unterdessen Mittelfeldmann Lucas Torró zurück im Mannschaftstraining

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