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Was man nicht alles für die Eintracht tut: Manch einer schießt sogar Glücksbringerfotos.

Stillleben

Eintracht Frankfurt und die Rituale für Europa

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Nur Aberglaube? Seit unser Kolumnist vor jedem Europa-League-Heimspiel der Eintracht zur Frankfurter Pferderennbahn geht und ein Foto schießt, hat Eintracht Frankfurt kein europäisches Heimspiel mehr verloren. 

Jetzt gilt es wieder, die Kräfte zu bündeln. Vorbei die Zeit des schlanken Fußes, mit dem man das Vorankommen der Frankfurter Balltreter gegen überforderte Konkurrenz betrachtete. Also nicht direkt mit dem Fuß betrachtet, sondern schon durchaus mit den Augen, aber – Sie verstehen schon. Entspannt halt. Mit der Gelassenheit des wahrscheinlichen Weiterreisens.

An diesem Donnerstag aber wird die Sache ernst, denn nun gastiert Racing Straßburg im Waldstadion, ein anderes Kaliber, und Fakt ist: Seit Jahren erreichte abends keine Eintracht-Formation mehr die nächste Runde im Europapokal, wenn am Tag des entscheidenden Spiels morgens kein Stillleben an dieser Stelle der Zeitung die atmosphärischen Voraussetzungen dafür schuf. Schlagen Sie nach. Isso.

Eintracht Frankfurt: Mit dem Bild ungeschlagen

Spötter mögen das als schieren Aberglauben abtun. Was hat ein Zeitungsartikel mit einem Fußballspiel zu tun? Genauso könnte man ja behaupten, sagen wir mal: Einer geht morgens vor jedem Europa-League-Heimspiel der Eintracht zur Frankfurter Pferderennbahn und macht ein Foto von der Skyline übers Areal hinweg, und das bringt dann Glück. Obwohl es die Pferderennbahn inzwischen gar nicht mehr gibt. Obwohl seit Beginn dieser Saison ein Zaun das Gelände umschließt, über den man umständlich drüberfotografieren muss und dabei vermutlich irgendwann in den Verdacht gerät, ein Spion zu sein, der die Machenschaften im benachbarten chinesischen Hotel auskundschaften will, das seit ungefähr dreihundert Jahren im Bau ist und vermutlich nie fertig wird. Oder noch schlimmer: Der DFB bezichtigt den Rennbahn-Skyline-Fotografen, die Machenschaften beim Bau des neuen Leistungszentrums auszuspionieren. Oh, oh!

Durchgeknallt. Allerdings hat Eintracht Frankfurt, seit diese Fotos geschossen werden, kein europäisches Heimspiel verloren. Sollte das noch eine Weile andauern, wird vielleicht irgendwann ein Fotoband erscheinen, der die Veränderungen auf dem Rennbahngelände im Wandel der Jahreszeiten dokumentiert, und unter jedem Bild steht: Olympique Marseille, 4:0. Oder: Lazio Rom, 4:1. Oder: Schachtar Donezk, 4:1. Oder: Benfica Lissabon, 2:0. Dazu blauer Himmel oder Wolken, je nachdem, wie das Wetter halt war, und die Bankentürme stehen stramm am Horizont.

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Ganz schön toll eigentlich, was diese Mannschaft hingelegt hat in der vorigen Saison, wenn man es so geballt liest. Manche behaupten, wer diese kontinentalen Kanten aus dem Stadtwald katapultiert hat, sollte nach allem, was wir wissen, auch mit den Elsässern keine großen Schwierigkeiten haben. Aber Hochnäsigkeit kommt bekanntlich vor dem Flammkuchen, oder wie ging das Sprichwort noch mal konkret?

Also alles zusammenpacken, was geht, die Rennbahn, das Stillleben, damit es wieder planbare europäische Ereignisse in der Gruppenphase gibt, traumhafte Reisen und magische Nächte. An uns soll’s jedenfalls nicht gelegen haben, Jeschäftsfreunde. Auf jetzt. Zwölf gegen elf.

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