Will weiter Hände schütteln: Adi Hütter.
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Will weiter Hände schütteln: Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurts Ritt auf der Rasierklinge

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt versucht, sich inmitten der Corona-Verunsicherung auf die Europapokalpartie gegen den FC Basel vorzubereiten. Steigt das Rückspiel in Frankfurt?

Inmitten der allgemeinen Corona-Verunsicherung kann es schon mal passieren, dass dem Frankfurter Trainer Adi Hütter die sogenannte Ghettofaust zur Begrüßung entgegengestreckt wird. Der 50-Jährige ist ein freundlicher Mann, weshalb er diese eher seltsame Geste erwidert, er zieht es aber auch in diesen aufgeregten Tagen vor, seine Gegenüber per Handschlag zu begrüßen. „Ich habe keine Angst“, sagt der Eintracht-Coach.

Eintracht Frankfurt: Keine außergewöhnlichen Maßnahmen

Über die Irrungen und Wirrungen rund um das Coronavirus ist die Frankfurter Entourage natürlich im Bilde. „Wir sind gut aufgeklärt, wurden von unseren Ärzten gut informiert“, sagt Adi Hütter. Groß angelegte Schutzmaßnahmen hat die Sportliche Leitung bisher nicht getroffen, außer die auf den Hand liegenden. Die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist im Kabinentrakt leicht angestiegen, aber die hygienischen Standards waren ohnehin schon hoch. Darauf wurde zuvor geachtet, um Krankheiten oder Ansteckungen zu unterbinden.

Die Mannschaft ist von der Öffentlichkeit ja ohnehin eher abgeschottet, die Trainingseinheiten sind nicht nur wegen des straffen Terminplans fast immer geheim, das wird auch so bleiben. Der Publikumsverkehr ist somit stark eingeschränkt, Berührungspunkte mit der „Außenwelt“ sind eher die Ausnahme.

In der Kabine ist Corona natürlich ein Thema, wie überall in der Gesellschaft, eine Auseinandersetzung mit der Krankheit ist zwingend logisch, da der Fußball und mittlerweile auch die Bundesliga unmittelbar betroffen sind und das Thema voll eingeschlagen ist. Die kommenden Partien in Frankfurt gegen Basel am Donnerstag und Mönchengladbach am Sonntag sollen – Stand jetzt – zwar wie gewohnt mit Zuschauern ausgetragen werden. Es könnte gleichwohl auch sein, dass das Frankfurter Gesundheitsamt dem stetig wachsenden Druck nicht standhält und die Begegnungen ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lässt - wie etwa das Gastspiel am 22, März in München.

Eintracht Frankfurt mit doppeltem Heimspiel?

Das Rückspiel in der Europa League in der Schweiz wird bekanntlich nicht in Basel angepfiffen werden. Der Austragungsort ist noch offen. „Derzeit befinden sich die Klubs und die Uefa in engem Austausch bezüglich der Austragung des Rückspiels. Nach der Spielabsage in Basel werden verschiedene Optionen, mit dem Ziel einer schnellen und für alle Parteien sinnvollen Entscheidung, geprüft“, sagt Eintracht-Medienchef Jan Martin Strasheim. „Auch Frankfurt kommt dabei als Austragungsort in Betracht.“ Dann hätte die Eintracht quasi ein doppeltes Heimspiel.

Es ist eine Variante, die gar nicht einmal unwahrscheinlich ist, denn kaum ein Ausweichspielort hat ein Interesse daran, dass sich bestimmt mehr als 1000, 1500 Eintracht-Fans in der Stadt aufhalten werden. Da winken viele potenzielle Gemeinden dankend ab. Oder aber der FC Basel tritt zum Rückspiel gar nicht an, dann wäre die Eintracht automatisch weiter.

Diese brisanten Verhandlungen auf Vorstandsebene sind Nebenschauplätze, die eine Mannschaft zwar nicht über die Maßen beschäftigen, aber zumindest peripher tangieren könnte. Das glitzernde Europapokalfeeling hat in Frankfurt in dieser Woche jedenfalls noch nicht Einzug gehalten, das Achtelfinalhinspiel der Europa League am Donnerstag (18.55 Uhr/live bei Dazn) im Stadtwald nahm durch die Beschlüsse rund um Corona noch keinen großen öffentlichen Raum ein.

Die SGE ist Spezialist in Entscheidungsspielen

Trainer Hütter kommt die Aufgabe zu, den Fokus mit seinem Team voll und ganz auf den Sport zu richten. Das wird dem erfahrenen Fußballlehrer gelingen, er weiß, wie er seine Mannschaft anzupacken hat, wie Spannungsbögen aufzubauen sind. Interessanter ist die Frage, welches Gesicht sein Ensemble zeigen wird. In der Bundesliga setzte es zuletzt drei Niederlagen am Stück, 0:4 in Dortmund, 1:2 gegen Union Berlin, 0:4 in Leverkusen – macht summa summarum null Punkte und 1:10 Tore. Bedenklich.

Bisher hat sich die Eintracht aber stets zusammenreißen und zu guten bis sehr guten Leistungen aufraffen können, wenn es hopp oder topp hieß, wenn man selbst oder der Kontrahent K.o. gehen wird. Zwei DFB-Pokalpartien hat die Eintracht in diesem Jahr für sich entschieden, beide zu Hause, 3:1 im Achtelfinale gegen den Spitzenklub RB Leipzig und 2:0 im Viertelfinale gegen Kellerkind Werder Bremen.

Auf internationalem Geläuf besiegten die Frankfurter den österreichischen Serienmeister FC Salzburg daheim sehr glanzvoll mit 4:1, in der Mozartstadt reichte ein letztlich souveränes 2:2 zum Einzug in die Runde der letzten 16. In diesen Wettbewerben ist die Eintracht voll im Soll oder hat es übertroffen, aus diesen Extraspielen saugt sie Honig. Auch Anerkennung und Wertschätzung.

Adi Hütter schickt die stärkste Elf ins Rennen

Coach Hütter warnt aber vor den geistigen und körperlichen Belastungen. „Es ist für einen Verein wie Eintracht Frankfurt nicht so leicht, auf drei Hochzeiten zu tanzen“, sagt er. Das kann schon mal zum Ritt auf der Rasierklinge werden. Zumal der Kader zwar ausreichend bestückt sei, „aber bei unserer Belastung sicherlich nicht zu groß ist. Wir brauchen jeden Spieler.“ Der Trainer will vermehrt rotieren, um den fast schon obligatorischen Einbruch zum Ende der Saison zu verhindern. Das hat aber auch zur Folge, dass die Akteure, die bisher weniger gespielt haben, auf den Punkt topfit und voll da sein müssen. Das gelingt nicht jedem, zumal die nicht zu unterschätzende Matchpraxis fehlt.

Am Donnerstag wird der Coach sicher die in seinen Augen stärkste Elf ins Rennen schicken, mit dem FC Basel wartet ein erfahrener Europapokalstarter, aber es ist eine Aufgabe, die gewiss lösbar ist, „ein gutes Los“, wie Mittelfeldspieler Sebastian Rode sagt. Die Schweizer spielen aufgrund des grassierenden Coronavirus‘ seit Wochen nicht mehr, die Liga ist ausgesetzt, die Mannschaft kann – Freundschaftsspiele hin, hartes Training her – gar nicht im Rhythmus sein. Das ist ein Nachteil für das Team von Trainer Marcel Koller. Auch die Unsicherheit rund ums Rückspiel trägt nicht zu Ruhe und Konzentration bei. In der Liga sind die Baseler ohnehin enttäuschend unterwegs, liegen nur auf Rang drei hinter Young Boys Bern und dem FC St. Gallen mit Ex-Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis als Co-Trainer.

Dennoch warnen die Frankfurter Verantwortlichen. „Basel ist ein starker Gegner und hat jahrelang in der Champions League gespielt, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Das ist ein Klub, der sich in Europa auskennt. Es wird kein einfaches Ding. Wir wollen am Donnerstag vorlegen und weiterkommen.“ Auch Trainer Hütter, drei Jahre in der Schweiz in Bern tätig, mahnt: „Das ist ein toller Verein, wir brauchen zwei sehr gute Tage, um weiterzukommen.“ Vielleicht fällt aber die Entscheidung auch am grünen Tisch.

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