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Einst Kapitän der Eintracht Marko Rehmer.

Eintracht Frankfurt - Hertha BSC

Promitipp von Marko Rehmer

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Der Ur-Berliner Marko Rehmer berät Talente.

Neulich war Marko Rehmer mal wieder in Frankfurt. Der Mann reist öfters von seinem Wohnort Berlin hierher, er hat sozusagen noch einen Koffer in Frankfurt. Von 2005 bis 2007 spielte er für die Eintracht, rechter Verteidiger, schnell, zäh, kopfballstark, er machte 37 Spiele, stand 2006 auch im Finale gegen die Bayern (0:1), die Bande ist nie gänzlich abgerissen. Und in dieser Saison war der bald 47-Jährige ab und an im Stadion, zuletzt gegen den VfB Stuttgart, „immer wenn ich da war, hat die Eintracht gewonnen“, sagt er. Womöglich schaut er heute Nachmittag vorbei, es geht ja gegen seinen Stammverein, die Hertha. Und die Partie gegen den FC Chelsea würde er sich nur ungern vor Ort entgehen lassen.

Neulich war Marko Rehmer im HR-Studio beim „Heimspiel“, er war als Experte geladen, und hat sich sehr lobend über seinen Ex-Klub geäußert. Das hat er jetzt im Gespräch mit der FR bekräftigt: „Sensationell“ sei das, was die Hessen in dieser Runde bislang abgeliefert hätten, das alles sei „keine Eintagsfliege“ und das Erreichen der Champions League „mit Sicherheit weiter ein Thema“. Nach dem Pokalsieg im vergangenen Mai, findet Marko Rehmer, habe doch alle Welt gedacht, „das Optimum sei erreicht“. Doch die Mannschaft habe noch eine Schippe draufgelegt, eigentlich sogar mehrere. „Hut ab“, lobt Rehmer, der diese positive Entwicklung ein bisschen bei seiner Hertha vermisst.

Erneut, wie so oft in den letzten Jahren, sind die Berliner Fußballer in der Rückrunde eingebrochen. Dabei hält der gebürtige Ostberliner die Philosophie der Hertha für richtig und alternativlos, nämlich junge Spieler aus dem eigenen Stall ans Profiteam heranzuführen. Denen fehle dann zuweilen die Kontinuität. „Bei Hertha passiert in dieser Runde nicht mehr viel“, deshalb tippt er auch auf einen ungefährdeten Frankfurter Erfolg. 

Rehmer hat auch deswegen weiter Kontakt zur Eintracht, weil Fredi Bobic an der Spitze steht, sein ehemaliger Vereinskollege. Zwei Jahre, von 2003 bis 2005, spielten beide bei der Hertha, übrigens auch Niko Kovac, und Rehmer und Bobic sind sogar Nachbarn in Berlin. In der Hauptstadt lebt die Familie von Bobic, manchmal gehen beide auch gemeinsam joggen, „wenn Fredi da ist“. 

Virtuelle 3D-Figuren 

Rehmer, zweifacher Familienvater, gelernter Elektriker und begeisterter Dartsspieler, ist nach dem Ende seiner Karriere der Branche treu geblieben. Der Nationalspieler, 36 Länderspiele unter Berti Vogts und Rudi Völler, hat eine Beratungsagentur – inteamsports – gegründet, er berät vornehmlich junge, aufstrebende Kicker, weil „ich weiß, welche Fehler am Anfang einer Karriere gemacht werden“. Darüber hinaus hat er als Investor - neben Bobic, Stefan Beinlich, Niko Kovac oder Manuel Neuer - ein Berliner Start-Up-Unternehmen namens Staramba aufgebaut, das anfangs originalgetreue 3D-Figuren von Fußballstars produziert hat. In der Gründerzeit seien die jeweiligen Kicker mit bis zu 72 Kameras fotografiert worden und im 3D-Drucker in Polymergips hergestellt worden. Mittlerweile hat sich das Ganze mehr in Richtung virtueller Welt verlagert, sagt Rehmer, der bei diesem Projekt vor allem für die erforderlichen Kontakte in die Branche sorgte.

Rehmer, der am Tag des Mauerfalls lieber zum Training ging als zur Grenze, spielte 17 Jahre bei Union Berlin, den Durchbruch schaffte er bei Hansa Rostock, dort avancierte er zum Bundesligaspieler. Danach kehrte er nach Berlin zurück, zur Hertha, 225 Ligaspiele bestritt der hochgewachsene Verteidiger, er kam auch in der Champions League zum Einsatz. Seine ganz große Stärke war seine erstaunliche Schnelligkeit, die 30 Meter lief er in 3,72 Sekunden, was eingangs der Nullerjahre rekordverdächtig war, zumal seinerzeit auf Tempo noch nicht so großer Wert gelegt wurde wie heute. Rehmer wäre mit dieser Qualität auch heute ein gefragter Verteidiger. Schon in der Jugend, noch bei Empor Berlin, wollte ihn die Leichtathletikabteilung abwerben. Rehmer lehnte ab: „Nee, ick spiel Fußball.“ Und doch, so geht ein Bonmot, hatte es der eindringlichen Ermahnung von Mutter Annetta bedurft, die Rehmer’sche Karriere überhaupt ins Rollen zu bringen. Bei einem Berliner Sichtungsturnier musste ihn die Frau Mama besonders anstacheln: „Lauf mal mehr.“ Klein-Marko tat, wie ihm geheißen. Es sollte nicht zu seinem Schaden gewesen sein.

Sein Tipp: 3:1

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