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Gelson Fernandes: „Geisterspiele? Das ist kein Fußball“

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Eintracht Frankfurt: Profis verzichten auf Gehalt - Fernandes kein Freund von Geisterspielen

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Viele bei Eintracht Frankfurt verzichten auf Teile Gehalts und wollen so rund Millionen Euro einsparen helfen. Geisterspiele werden skeptisch gesehen.

  • Profis von Eintracht Frankfurt verzichten auf 20 % ihres Gehalts
  • Einsparungen in Höhe von 16 Mio. Euro bei Eintracht Frankfurt
  • Hohe finanzielle Einbußen beim Verein

Update vom 12.04.2020, 13.20 Uhr: Gelson Fernandes, Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, sieht in Geisterspielen einen riesigen Verlust für den Profi-Fußball und die Bundesliga.

„Hinter verschlossenen Türen zu spielen, ist nicht schön, aber wir müssen das tun. Das ist kein Fußball, aber die Interessen sind zu groß für uns, um nicht zu spielen“, sagte der 33 Jahre alte Schweizer der BBC. Wegen der Coronavirus-Pandemie kann die Bundesliga-Saison, die derzeit bis zum 30. April ausgesetzt ist, zunächst nur mit Geisterspielen fortgesetzt werden. 

Bei zahlreichen Profi-Clubs, darunter auch die Eintracht, haben Spieler und Verantwortliche bereits einen Gehaltsverzicht in Kauf genommen. „Wir müssen sichergehen, dass der Verein überlebt und dass die Menschen in unserem Verein ihre Jobs nicht verlieren“, erklärte der Routinier.

Erstmeldung

Frankfurt - Eine wirkliche Überraschung war es nicht, dass es Makoto Hasebe war, der kluge Japaner bei Eintracht Frankfurt, der schon zu Beginn der Krise deutlich signalisiert hatte, dass er angesichts schwerwiegender ökonomischer Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie bereit wäre, auch finanziell einen persönlichen Beitrag zu leisten. Es war deshalb keine Überraschung, weil der mittlerweile 36-Jährige schon vor Jahren seine kompletten Einnahmen, die er durch den Verkauf seines in Millionenauflage erschienen Buchs „Die Ordnung der Seele – 56 Gewohnheiten, den Sieg zu erringen“ eingenommen hatte, den Opfern der Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2013 spendete. 

Aber auch seine Kollegen beim hessischen Bundesligisten haben sehr bald die Notwendigkeit erkannt, in Sorge um die Arbeitsplätze der knapp 200 Mitarbeiter Verzicht üben zu wollen und zu müssen. Jetzt hat Eintracht Frankfurt einen Solidarpakt geschlossen, der vom gesamten Klub getragen wird, also sowohl von der AG als auch vom e.V.: Profis, Vorstand, Trainerstab, Bereichsleiter und die sportliche Leitung sowie die Chefetage des Nachwuchsleistungszentrums am Riederwald - sie alle haben sich dazu entschlossen, ab sofort für die Monate April, Mai und Juni auf 20 Prozent ihres Gehaltes zu verzichten.

Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt.

Darüber hinaus wird etwa ein Drittel der Beschäftigten von AG und Verein in Kurzarbeit gehen, der Klub schießt 20 bis 30 Prozent zum Kurzarbeitergeld hinzu, auch mit einem freiwilligen Gehaltsverzicht von Mitarbeitern unterhalb der Führungsebene könne der Klub rechnen, um die Krise in den nächsten Monaten abzufedern. Mit diesen und weiteren flankierenden Maßnahmen, sagte Finanzvorstand Oliver Frankenbach am Gründonnerstag, „gelingt es uns, die kurzfristige Lücke von mindestens 15 Millionen Euro annähernd zu schließen.“

Intern kalkuliert Eintracht Frankfurt aber damit, dass die Einbußen wegen des Virus noch deutlich höher liegen könnten, ein Minus von 25 Millionen Euro sei nicht unwahrscheinlich – und auch das nur, sofern im Mai überhaupt wieder mit dem Fußballspielen selbst ohne Zuschauer begonnen wird. Die Differenz zwischen den Einsparungen und dem tatsächlichen Verlust würde die Eintracht aus dem Eigenkapital stemmen, das derzeit bei etwa 36 Millionen Euro liegt. Im Kern sollen die Reduzierungen zwei Drittel der Kosten decken, ein Drittel würde aus dem Eigenkapital bestritten. Der Lizenzspieleretat beträgt aktuell etwa 85 Millionen Euro, Spieler und Trainer verzichten somit für drei Monate auf insgesamt etwa 4,5 bis fünf Millionen Euro.

Sollte die Saison allerdings abgebrochen werden müssen und die letzte Rate aus dem TV-Vertrag (etwa 350 Millionen Euro für alle Bundesligisten, die im Mai fällig würde) nicht überwiesen werden, wären die finanziellen Einbußen um ein Vielfaches höher, von Verlusten in Höhe von 50 bis 70 Millionen Euro ist die Rede. Einbußen, die auch ein wirtschaftlich sehr solide aufgestellter Klub wie Eintracht Frankfurt schwer treffen würde. Und die Hessen zählen in der Liga zu den potenteren Klubs.

Eintracht Frankfurt: Gespräche mit Spielern waren sehr positiv

„Wir gehen geschlossen durch diese schwierige Zeit“, ließ sich Sportvorstand Fredi Bobic in einer Pressemitteilung zitieren. Und: „Wir wissen, dass viele Mitarbeiter im Klub auf unterschiedlichste Art und Weise ihren Beitrag dazu leisten. Auch wir im Sport sehen uns hier in der Verantwortung. Die Gespräche mit den Spielern waren sehr positiv. Alle haben ein großes Verständnis und Gefühl für ihre Rolle und ihre Verantwortung“, erläuterte der Eintracht-Boss: „Die Jungs hatten bereits zu Beginn der Krise ihre Bereitschaft signalisiert. Ihnen ging es dabei vor allem darum, wie sie die Mitarbeiter der Eintracht schützen können. Aufgrund der häuslichen Quarantäne infolge der Covid-19-Fälle innerhalb der Mannschaft konnten die Gespräche erst jetzt nach der Ermittlung des wirtschaftlichen Defizits verbindlich geführt werden.“

Die Eintracht ist der letzte Verein in der Bundesliga, der Maßnahmen wie Gehaltsverzicht und Kurzarbeit getroffen hat. Dem Klub war sehr daran gelegen, nicht mit einem Schnellschuss auf die Krise zu reagieren, sondern die Problematik in Ruhe mit allen Beteiligten zu erörtern. Jeder einzelne Spieler war abtelefoniert worden, der Mannschaftsrat war in die Entscheidung über die Höhe des Verzichts eingebunden.

Eintracht Frankfurt: Auswirkungen der Corona-Krise geprüft

In den vergangenen drei Wochen habe Eintracht Frankfurt die Auswirkungen der Corona-Krise auf allen Ebenen intensiv geprüft, um ein detailgenaues Bild hinsichtlich der kurzfristig zu erwartenden wirtschaftlichen Folgen zu bekommen, gerade vor dem Hintergrund sogenannter Geisterspiele, teilte der Klub mit. Im Zuge dieser Überlegungen habe der Vorstand in seiner telefonischen Sitzung mit dem Hauptausschuss des Aufsichtsrats am Mittwoch ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Kosteneinsparung bis zum Ende der Saison verabschiedet.

Von Thomas Kilchenstein

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