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Interview

Eintracht-Profi Sebastian Rode: Bobic-Abgang „war ein Thema in der Kabine“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt über den nahenden Abschied von Fredi Bobic, den Verlust seines Stammplatzes und den Wunsch, die eigene Karriere bei der SGE zu beenden.

  • Sebastian Rode, Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt, im Interview.
  • Der SGE-Profi spricht über den Abschied von Fredi Bobic und seine geringe Spielzeit.
  • Sebastian Rode würde gerne seine Karriere bei Eintracht Frankfurt beenden.

Herr Rode, Fußball-Frankfurt bebte in den vergangenen Tagen, weil Fredi Bobic seinen Abschied von der Eintracht im Sommer angekündigt hat. Wie sehr tangiert oder belastet so etwas die Mannschaft?

Natürlich haben wir das mitbekommen, es war auch für den einen oder anderen ein Thema in der Kabine. Ist doch klar. Wenn sich erst Bruno Hübner verabschiedet und dann mit Fredi Bobic derjenige uns verlassen will, der die sportliche Richtung in den vergangenen Jahren vorgegeben hat, dann bekommt man das mit und dann wird auch bei uns darüber gesprochen. Aber es hat auf die Arbeit auf dem Trainingsplatz oder auf das Bundesligaspiel am Wochenende keinen Einfluss, Fredi Bobic steht schließlich nicht mit uns auf dem Feld.

Eintracht Frankfurt: Rode glaubt an adäquaten Ersatz für Bobic

Aber es ist jetzt nicht so, dass die Mannschaft explizit darüber informiert wird? Die Spieler erfahren so was dann auch eher aus dem Internet, dem Fernsehen oder der Zeitung.

So ist es. Der eine oder andere hat Fredi danach zufälligerweise getroffen und mit ihm gesprochen, aber ich habe nicht dazugehört. Ich denke, dass für Fredi, wenn er wirklich geht, auch ein adäquater Nachfolger gefunden wird. So ist das eben im Fußballgeschäft.

In Gladbach geht Trainer Marco Rose, und es läuft nicht mehr rund: vier Spiele, vier Niederlagen. In Frankfurt gab es ähnliche Situationen, als Armin Veh und später Niko Kovac ihre Abschiede während der Saison ankündigten. Ist das mit der aktuellen Situation vergleichbar?

Nicht so ganz. Der Trainer hat einen ganz anderen Einfluss auf die Mannschaft, ist viel näher dran. Das ist ein Unterschied.

Glauben Sie, dass diese Unruhe das großes Ziel Champions League gefährden kann?

Das ist für mich zu hypothetisch. Noch mal: Das, was auf Platz, geschieht, wird von Fredi Bobic nicht beeinflusst, dafür sind wir verantwortlich. Da gibt es auch noch einen Gegner, das ist ein ganz entscheidender Faktor. Wenn der Gegner nämlich am Wochenende besser ist als wir, dann hat das nichts mit Fredi Bobic zu tun.

Eintracht Frankfurt: Keine Ausreden für Leistung auf dem Platz

Aber wir wissen doch, wie es läuft: Drei Niederlage in Serie und dann heißt es: ‚War ja klar, bei der Unruhe.‘

Nein, das darf keine Ausrede sein, das muss man losgelöst voneinander betrachten.

Zumal es ja die gute Nachricht gibt, dass Adi Hütter auf jeden Fall Trainer bleibt. Wie hat die Mannschaft dieses Bekenntnis aufgenommen?

Das war sehr, sehr wichtig. Gerade wenn uns zwei Führungspersönlichkeiten verlassen sollten, ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Trainer als Anker erhalten bleibt. Das war eine freudige Nachricht.

Kommen wir dann doch mal zum Sportlichen. In Bremen gab es vor acht Tagen die erste Niederlage in diesem Jahr – wie lange hatte das Team daran zu knabbern?

Es war ein Dämpfer, keine Frage. Bremen hat es defensiv gut gemacht, uns keine Räume gelassen. Deshalb war das Spiel anders als die Partien zuvor. Wir haben das aufgearbeitet, und wir gehen nicht davon aus, dass die nächsten Spiele genauso werden, also dass sich der Gegner so konsequent hinten reinstellt. Solch ein Spiel wie gegen Bremen wird in dieser Form nicht mehr vorkommen. Wir haben gegen andere Teams, die etwas offener spielen wie die Bayern, sehr gute Leistungen gezeigt. Wir können andere Mannschaften spielerisch aushebeln. Deshalb glauben wir, dass unsere Stärken jetzt wieder stärker zur Geltung kommen. Gegen Stuttgart wollen wir eine neue Serie starten, auch wenn es schwierig wird. Der VfB hat eine richtig gute Mannschaft mit vielen schnellen Spielern.

Sie sprechen das Stuttgart-Spiel an. Das ist ja keine unwichtige Begegnung.

Das stimmt. Das ist ein sehr wichtiges Spiel, absolut richtungsweisend. Wenn wir gewinnen und zurück in die Erfolgsspur kommen, können wir das Bremen-Spiel tatsächlich als Ausrutscher abhaken. Und es wäre wichtig, damit wir uns einen Puffer erarbeiten oder den Vorsprung zumindest halten können, die anderen würden dann nicht zu nah an uns herankommen.

„Das, was auf Platz, geschieht, wird von Fredi Bobic nicht beeinflusst, dafür sind wir verantwortlich“, sagt Sebastian Rode. hübner

Eintracht Frankfurt: Rode will auch gegen Spitzenteams punkten

Danach geht es gegen fünf Kontrahenten aus dem ersten Tableau. Spielt da jetzt die Furcht mit, am Ende alles verspielen zu können? Oder wächst man mit den Aufgaben?

Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass wir gegen die Spitzenteams keine Punkte holen. In der Hinrunde haben wir gezeigt, dass wir da bestehen können, wir waren in diesen Spieler ebenbürtig oder teilweise sogar besser.

Und die vier schweren Auswärtsspiele in Leipzig, Dortmund, Gladbach und Leverkusen? Macht Ihnen das Sorgen, zumindest in Dortmund und Leverkusen gab es in den vergangenen Jahren immer Saures. Oder verändern die Geisterspiele alles?

Das denke ich schon. Ich habe in Dortmund noch nie ohne Fans gespielt, da waren sonst immer 81 000. Jetzt werden es null sein. Das wird etwas ganz anderes sein. Da fehlt den Dortmundern schon etwas, das, was dieses Stadion ausmacht. Es hilft außerdem sowieso nichts: Wir müssen es annehmen und versuchen, es besser zu machen als die vergangenen Jahre. Es ist jedes Mal eine neue Chance. Und ich bin guter Dinge, dass es uns dieses Jahr gelingt, die eine oder andere Negativserie zu durchbrechen.

Eintracht Frankfurt: Rode vergleicht Teams nicht

Sie haben ja schon in München und Dortmund gespielt, bei Topklubs. Wie gut ist die aktuelle Eintracht-Mannschaft im Vergleich?

Ich bin kein Fan davon, Teams zu vergleichen. Ich kann aber für uns sagen, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben, gerade vom Spielstil her. Die Mischung stimmt, sie ist super. Wir haben schnelle Spieler, zweikampfstarke Spieler, eine gute Balance von Offensive zu Defensive. Wir können den Takt vorgeben, aber auch dagegenhalten, wenn der Gegner mal eine Zeit lang mehr in Ballbesitz ist. Wir sind einfach unberechenbar.

Und habt Selbstvertrauen.

Das ist doch ganz klar. Wer nach so einer Siegesserie kein Selbstvertrauen hat, dem ist nicht mehr zu helfen.

Sie haben Ihren Stammplatz verloren, wie sind Sie denn selbst mit Ihren Leistungen zufrieden?

Ich hatte keinen so glücklichen Start ins neue Jahr, das stimmt. Gelbsperre, Knieprobleme, und die Jungs haben es in dieser Zeit gut gemacht. Aber ich will mich auf jeden Fall reinarbeiten.

Eintracht Frankfurt: Qualität im Kader ist gestiegen

Es sagt einiges über die gestiegene Qualität des Kaders aus, wenn Profis wie Luka Jovic oder Sie draußen sitzen. Immer wenn Sie fit waren, zählten Sie schließlich zum Stammpersonal.

Absolut. Nicht nur die ersten 14 Spieler, auch an Stelle 17, 18, 19 haben wir ungemeine Qualität. Zum Beispiel ist es wichtig, dass auch Ragnar Ache wieder fit ist. Er bringt eine andere Dynamik in unser Offensivspiel. Von daher ist es keine Schande, mal draußen zu sitzen. Wichtig ist, weiter zu arbeiten, dann kommt die Chance automatisch.

Ihnen als Teamplayer scheint es nicht so schwer zu fallen, Ruhe zu bewahren. Luka Jovic sah dagegen auch mal nicht so glücklich aus. Muss man da an sich selbst arbeiten oder ist das schlicht eine Typ-Frage?

Ich finde das gar nicht so verkehrt, dass Luka vielleicht mal kurz sauer war. Er hat sich wahrscheinlich auch vorgestellt, schneller in der ersten Elf zu stehen. Ich finde aber, dass er zum Beispiel gegen die Bayern ein gutes Spiel gemacht hat. Zwar ohne Tor, woran Stürmer ja immer gemessen werden, aber er war wichtig für die Mannschaft. Er hat viele Bälle verteilt. Es gilt auch für ihn, Geduld zu bewahren. In unserem System gibt es momentan nur einen Stürmer, und André Silva hat halt 19 Tore geschossen.

Das klingt alles sehr reif, Sie sind mittlerweile auch 30, wird man im Alter also ruhiger? Oder hätten Sie solche Sätze auch vor – sagen wir – fünf, sechs, sieben Jahren gesagt?

Vielleicht nicht genauso, aber ich kann mich absolut in den Trainer hineinversetzen. Ich bin auch ein Fan der Never-change-a-winning-team-Idee.

Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Ziel ist das internationale Geschäft

Ihr Team ist trotz der Niederlage in Bremen weiterhin Vierter, also auf einem Champions-League-Rang. Konkret gefragt: Wäre es eine Enttäuschung, wenn es am Ende nur für die Europa-League-Qualifikation reichen würde?

Auf gar keinen Fall! Klar, man strebt immer nach dem maximalen Erfolg, nach Dingen, die man noch nicht erreicht hat. Und da wäre die Champions League mit der Eintracht etwas Phänomenales, etwas, das noch nie da war. Aber es ist noch ein ganz, ganz weiter Weg.

Nach dem Abgang von David Abraham ist die Kapitänsfrage für kommende Saison noch ungeklärt, Sie sind ein Kandidat. Wenn aber Martin Hinteregger oder Makoto Hasebe die Binde bekommen würden, wäre das auch okay für Sie, oder schätzen wir das falsch ein?

Nein, nein, das wäre okay. Natürlich wäre es auch für mich eine Ehre, die Kapitänsbinde zu tragen, aber wir verteilen die Verantwortung sowieso auf mehreren Schultern.

Sie sind in der Hierarchie mittlerweile weit oben angekommen.

Ich bin einer der ältesten Spieler und habe durch meinen Werdegang einiges erlebt. Da wollen viele junge Spieler vielleicht noch hin. Natürlich ist mein Standing größer als früher.

Eintracht Frankfurt: Karriereende von Rode steht noch nicht fest

Sebastian Rode einer der ältesten Spieler im Kader, die Zeit rennt. Wie lange wollen Sie denn noch spielen, soweit die Füße tragen?

(lacht) Ich habe einen Vertrag bis 2024, darüber hinaus habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Es wird aber sicher nicht so weit gehen, wie mich meine Füße tragen würden, dafür hat mein Körper schon zu viel gemacht. Ich will eine gesunde Zeit nach der Karriere haben.

Ein zweiter Makoto Hasebe werden Sie also nicht?

So lange werde ich es nicht schaffen, dafür braucht man die richtigen Gene (lacht). Hase macht ja bald diesem 54-jährigen Japaner Konkurrenz (Anm. d. Red.: Kazuyoshi Miura, der immer noch professionell spielt).

Jetzt spielt Makoto Hasebe mit seinen 37 Jahren wieder im Mittelfeld...

... dafür bläst er in der Kabine aber auch ab und an mal kräftig durch (lacht).

Eintracht Frankfurt: Rode will seine Karriere bei der SGE beenden

Ihr Karriereende können Sie sich demnach in Frankfurt vorstellen?

Ja, auf jeden Fall. Das wäre ein schöner Abschluss meiner Karriere.

Und was kommt dann? Sie bauen in Bensheim ein Haus. Ist es bald fertig?

Ich hoffe, dass wir demnächst umziehen können. Der Bau hat sich auch wegen Corona länger hingezogen als gedacht, aber wir sind bald soweit. Dort werden wir noch mal eine andere Lebensqualität haben als jetzt in Frankfurt, mit einem Garten und so weiter.

Aber Frankfurt wird Ihnen doch sicher fehlen, unser Kollege Thomas Kilchenstein berichtet regelmäßig von zufälligen Treffen mit Ihnen auf den Straßen in Sachsenhausen.

Klar wird uns Frankfurt fehlen. Momentan ist coronabedingt aber viel verloren gegangen vom Charme des Stadtlebens. Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern. Aber die Stadt ist ja auch künftig nicht aus der Welt, eine halbe Stunde von Bensheim aus. Und natürlich auch einen lieben Gruß an den Herrn Kilchenstein (lacht).

Interview: Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt

Rubriklistenbild: © Jan Huebner via www.imago-images.de

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