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An den richtigen Ball darf er kaum noch: Danny da Costa. Foto: Imago images
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An den richtigen Ball darf er kaum noch: Danny da Costa.

Große Problemzone

Eintracht Frankfurt und die Probleme auf der Außenbahn: Rechts vom Weg abgekommen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht und ihre große Problemzone: Gleich fünf Spieler fallen am rechten Flügel durch.

Frankfurt am Main – Als der einstmalige Dauerbrenner Danny da Costa im Sommer vom Mainzer Bruchweg in den Frankfurter Stadtwald zurückkehrte, wurde er mit offenen Armen empfangen und herzlichst in den Schoß der Familie von Eintracht Frankfurt aufgenommen. Der neue Sportvorstand Markus Krösche kennt den rechten Läufer noch aus seiner Leverkusener Zeit, wo er früher mal als Assistent von Cheftrainer Roger Schmidt arbeitete, er schätzt da Costa als untadeligen, intelligenten Sportsmann mit hoher Sozialkompetenz außerhalb des Feldes und einer Menge Mega-Drive auf dem Platz. Da Costa, stellte Krösche also nach dessen halbjähriger Stippvisite zum Nachbarn Mainz 05 klar, werde auf alle Fälle zurückkehren – im Gegensatz zum ebenfalls entliehenen Dominik Kohr. „Danny kann uns helfen, unsere Ziele zu erreichen.“ Und der 28-Jährige, zermürbt vom gestörten, ja zerrütteten Verhältnis zu Ex-Trainer Adi Hütter, jubilierte: „Es ist, als sei ich nie weggewesen.“ Ließ sich ganz gut an, die aufflammende Liaison, die Rückkehr zur alten Liebe.

Da Costa, junger Familienvater und verheiratet mit der Tochter von Eintracht-Legende Uwe Bein, trat hoch motiviert und engagiert bis in die Haarspitzen auf, da wollte es jemand wissen und seine Chance am Schopfe packen, und es war keine Überraschung, dass Oliver Glasner ihn zu Beginn der Saison für die Startelf nominierte. Im Pokal in Mannheim und im ersten Bundesligaspiel in Dortmund nahm da Costa seine angestammte Position auf der rechten Seite ein, doch überzeugen konnte er nicht, beide Male spielte er denkbar schlecht – wie die gesamte Mannschaft allerdings.

Eintracht Frankfurt: Danny da Costa legte die Latte hoch

Und doch saß da Costa, ein sensibler Mann, danach erst einmal draußen. Sein Selbstvertrauen, das er sich in Mainz zurückgeholt hatte und ihn wieder aufblühen ließ, ist auf der kurzen Strecke auf der Strecke geblieben, obwohl der von ihm ungeliebte Trainer Hütter schon lange nicht mehr da ist.

Für da Costa reichte es in der Folge immerhin noch zu drei längeren Einsätzen, zwei in der Bundesliga, einen in der Europa League gegen Fenerbahce, auch beim Überraschungssieg in München Anfang Oktober durfte er eine halbe Stunde mithelfen, den Sensationscoup einzutüten, doch seitdem ist er komplett außen vor. In den letzten vier Bundesligaspielen war kein Platz mehr für ihn im 20 Mann starken Aufgebot – Tribünengast Danny da Costa, abgestürzt und tief gefallen. Und die rechte Seite der Eintracht ist damit ursächlich zur großen Problemzone neben der im Sturm und dem defensiven Mittelfeld geworden.

Dabei war es gerade der Rheinländer, der die Latte selbst so hoch gelegt hatte: In der phänomenalen Saison 2018/19 powerte er sich in den Dunstkreis der Nationalmannschaft, in allen 50 Pflichtspielen stand er in der Startelf, fast immer spielte er durch. „Wir müssen ihn in Watte packen“, scherzte Coach Hütter. Das Binnenverhältnis war freilich schon da belastet. Mit dem Vertrauens- und daraus resultierenden Formverlust des Danny da Costa begann für Eintracht Frankfurt die rechte Seite zu einem kniffligen Fall zu werden – bis heute ungelöst.

Eintracht Frankfurt: Trainer Oliver Glasner testet munter durch

Trainer Glasner hat mittlerweile insgesamt fünf Akteure auf der Position getestet - ohne einen Schritt weiter zu sein. Nun ist es müßig darüber zu spekulieren, ob der Fußballlehrer den Kandidaten generell zu wenig Vertrauen schenkt oder es eben zu schnell entzieht. Fakt ist, dass die Ideallösung in diesem ganz speziellen Wechselspiel bisher ganz sicher nicht gefunden ist. Das liegt nicht am Trainer, sondern ist eine Frage der Qualität.

Zuletzt versuchte es der Coach mal wieder mit Erik Durm, der in Fürth aber auch nach der ersten Hälfte ausgetauscht wurde – geschwächt von einem Magen-Darm-Infekt, der ihn auch das Europapokalspiel in Piräus gekostet hatte. Durm, 29 und Mitglied der deutschen Weltmeistertruppe von 2014 in Brasilien, ist der vielleicht solideste aller Spieler für diese Position, ein amtlicher Arbeiter mit einer ordentlichen Grundschnelligkeit – defensiv ist er verlässlich, in der Offensive geht dafür so gut wie gar nichts.

Almamy Touré, in Fürth für Durm eingewechselt, ist da eine ganze Spur stürmischer, der Franzose bringt die höchste Veranlagung mit. Doch der 25-Jährige leidet unter erheblichen Konzentrationsmängeln, kann seine Leistungen nicht konstant abrufen, sondern ist sehr schwankend in seinen Bemühungen. Touré, Bruder Leichtfuß, wurde im Frankenland die Höchststrafe zuteil: Glasner wechselte ihn ein und kurz vor Schluss wieder aus. Die Defensivarbeit hat dem Österreicher nicht geschmeckt – und zack, raus.

Eintracht Frankfurt: Steht da Costa vor der Rückkehr nach Mainz?

Stattdessen brachte er den von ihm völlig zu Recht als „alten Haudegen“ bezeichneten Timothy Chandler, der zwischenzeitlich dreimal hintereinander in der Startelf stand, nur um nach einer schwachen ersten Halbzeit gegen Hertha BSC im darauffolgenden Spiel prompt auf die Tribüne verbannt zu werden. Da kennt Trainer Glasner keine Gnade, da fackelt er nicht lange. Vertrauensbildend und pädagogisch besonders wertvoll ist das eher nicht, doch der 47-Jährige ist keiner, der die Spieler komplett fallen lässt, gibt ihnen meistens eine zweite oder dritte Chance. Nur Danny da Costa wartet darauf schon eine ganze Weile. Zarte Kontakte nach Mainz sollen bereits wieder geknüpft worden sein, der kluge Kopf ist tief frustriert.

Ähnlich lange musste sich auch Aymen Barkok gedulden, ehe er mal wieder mitspielen durfte. Der Techniker ist ja eigentlich eher ein Kreativkopf, doch in seiner ganzen Verzweiflung probierte Glasner den marokkanischen Nationalspieler unlängst als rechtes Glied der Fünferkette – gegen RB Leipzig als Einwechselspieler. Der 23-Jährige, zwischenzeitlich mit einer Knieverletzung außen vor, hauchte einer leblosen Mannschaft in seinem halbstündigen Auftritt neues Leben ein, traute sich was, marschierte die Flanke mutig auf und ab. Zur Belohnung durfte Barkok auch im folgenden Europa-League-Spiel in Piräus von Beginn an ran – und bot eine miserable Leistung. Glasner, siehe oben, reagierte resolut und verbannte den Frankfurter Bub daraufhin kurzerhand auf die Tribüne. „Aymen hat gegen Leipzig gezeigt, dass er es gut machen kann“, urteilte Glasner. „Gegen Olympiakos hat er die Konstanz nicht gehabt.“ Und tschüss. Barkok, den auch Vorgänger Adi Hütter schon auf den Flügel stellte, wird einen neuen Anlauf nehmen und sich erst einmal hinten anstellen müssen.

Dieser Tage ist der alte Haudegen Timmy Chandler daher mal gefragt worden, was so schwierig sei, da hinten rechts aufzulaufen. „Im Grunde ist diese Position nicht kompliziert zu spielen“, sagte der 31-Jährige. „Aber es gibt momentan keine Konstante. Doch die, die dort vom Trainer nominiert werden, versuchen ihr Bestes.“ Manchmal ist das Beste aber nicht gut genug. (Ingo Durstewitz)

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