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Wieder voll belastbar: Martin Hinteregger (l.) mit Luka Jovic.

Gegen Hertha

Eintracht Frankfurt legt den Fokus voll auf das Spiel gegen Hertha BSC

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Eintracht Frankfurt sollte Hertha BSC dringend besiegen, will sie nächste Saison in der Champions League spielen.

Vier Spieltage noch, jeweils viermal 90 Minuten für die 18 Bundesligisten, in denen Triumphe perfekt gemacht oder solche noch verspielt werden können. Da gebietet es sich, auch auf kleinste Kleinigkeiten den größten Wert zu legen. Jegliche vorhandenen Mittel auszuschöpfen, um am Abend des 18. Mai, nach dem nationalen Saisonabschluss, das bestmögliche Ergebnis in der Liga erzielt zu haben. Unter anderem bedeutet das, während einer Trainingswoche konzentriert aufs Wochenende hinzuarbeiten, und das gehört mittlerweile offenbar auch dazu, sich abzuschotten.

Eintracht Frankfurt hatte diese Woche bis auf das wenig aufschlussreiche Auslaufen nach dem 1:1 am Montag in Wolfsburg mal wieder dicht gemacht, durchweg auf dem von schwarzen Planen umzäunten und von Securitykräften umsäumten Rasenplatz vor der Arena trainiert. Hertha BSC, der Berliner Kontrahent an diesem Samstag (15.30 Uhr) im ausverkauften Stadion im Stadtwald, sollte keinesfalls zu leicht an Informationen über die Frankfurter Fußballer gelangen.

Gestern erhielten die Gäste aus der Hauptstadt dann aber doch noch ein paar, ganz freiwillig, auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, vom Chef höchstpersönlich, von Adi Hütter. Erstens: Innenverteidiger Martin Hinteregger ist wieder fit. Zweitens: Stürmer Sebastien Haller ist es weiterhin nicht. Drittens wird der zuletzt gesperrte Mittelfeldrenner Gelson Fernandes wohl ebenso in die Startformation zurückkehren wie der gegen Wolfsburg anfangs geschonte Angreifer Ante Rebic. Und viertens, darauf legte Hütter besonders viel wert, „liegt unser Fokus voll auf dem Spiel gegen die Hertha. Mit Chelsea beschäftigen wir uns erst danach“. Erst die Pflicht, dann die Kür.

Natürlich ist Adi Hütter erfahren genug in seinem Job, um einordnen zu können, dass diese Fokussierung nicht immer ganz leicht ist. Der Fußballlehrer des Tabellenvierten wird sehr wohl wissen, dass das Europapokal-Halbfinale am Donnerstag seinen großen Schatten gewiss ein paar Tage vorauswirft. Er selbst aber lebt den Profis vor, dass es keinen Sinn macht, den zweiten vor dem ersten Schritt zu gehen. „Wir haben große Ziele vor Augen, wir können Geschichte schreiben“, sagte Hütter, „ich weiß, dass wir Druck von hinten bekommen. Wenn wir also unter die ersten Vier wollen, müssen wir am Samstag gewinnen.“ Punkt. Aus. Ende.

Eintracht Frankfurt mit veränderter Startaufstellung

Dafür wird Hütter wie bereits erwähnt seine Startaufstellung verändern. In der Dreierabwehrkette wird höchstwahrscheinlich Martin Hinteregger wieder den linken Part anstelle von Simon Falette einnehmen. Der österreichische Winterzugang, der trotz seiner kurzen Zeit in Frankfurt sofort zu einem Leistungsträger aufgestiegen ist und auch bei privaten Ausflügen in der Stadt stets von wohlwollenden Gesangseinlagen der Anhängerschaft über sich selbst („Hinti-Army-Song“) begleitet wird, absolvierte nach den überstandenen Oberschenkelbeschwerden alle Trainingseinheiten im Kreise der Kollegen. Er ist im Vergleich zu Falette, der zuletzt zweimal solide verteidigte, der deutlich bessere Mann mit dem Ball am Fuß und deshalb gesetzt. Zudem dürfte Bälleklauer Nummer eins, Gelson Fernandes, den Vorzug vor Lucas Torro erhalten.

Fehlen wird wenig überraschend dagegen Sebastien Haller. Der Stürmer, der seit Wochen über Schmerzen an den Bauchmuskeln klagt, die bis in den Leistenbereich ausstrahlen, konnte immer noch nicht auf dem Platz mit der Mannschaft trainieren. Gestern begab sich der Franzose deshalb in die Hände eines österreichischen Spezialisten, eines Mannes, den Hütter zwar nicht namentlich nennen wollte, den „ich aber gut kenne“. Durch den Besuch in der Alpenrepublik erhoffen sich die Frankfurter eine drohende Operation bei Haller noch abwenden zu können. „Wir suchen einen alternativen Weg“, sagte Hütter. Ein Einsatz des französischen Angreifers noch in dieser Saison wird aber von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. „Lange dauert die Saison ja nicht mehr“, sagte Hütter.

Bleibt die Frage, wie der Coach gegen die Hertha, die das Hinspiel mit 1:0 gewonnen hatte, seine Offensive aufstellen wird. Rebic, zuletzt in Wolfsburg anfangs geschont und am kommenden Donnerstag gegen Chelsea gesperrt, darf sich gewiss von Anfang an auf dem Platz austoben. „Er spielt“, sagte sein Trainer. Auch die Nominierung von Mijat Gacinovic als fleißigem Dauerflitzer hinter einer Doppelspitze ist wahrscheinlich. Bleibt eine offene Position, um die sich Luka Jovic und Goncola Paciencia balgen.

Hütter sieht seine Mannschaft gegen die Berliner, die sich als Elfter im Niemandsland der Tabelle befinden, als Favoriten. Daran führt kein Weg vorbei. „Aber gerade diese Ausgangslage macht die Hertha gefährlich“, so der Trainer. Ein Heimsieg sei nur dann möglich, wenn „wir eine hohe Aggressivität und Spielfreude zeigen“.

Etwas war übrigens doch durch die schwarzen Planen im Stadtwald hinausgedrungen: Laute Lacher und noch lautere Jubelschreie der Frankfurter Kicker. Die Vorfreude auf die letzten vier Spieltage, auf die womöglich zu erringenden Triumphe, ist bei Eintracht Frankfurt offenbar groß. Für diese Feststellung reichte es schon, nur gut hinzuhören.

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