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Protest gegen Peter Beuth im Stadion.

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Eintracht Frankfurt-Fans im Clinch mit Peter Beuth

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Der Polizeieinsatz vor dem Eintracht-Spiel gegen Donezk wird bald juristisch aufgearbeitet.

Seit einigen Monaten kleben in Frankfurt an mehreren Ecken Aufkleber, die auf den ersten Blick kryptisch erscheinen. „FCK PTR BTH“, heißt es darauf. Tatsächlich soll mit der Buchstabenfolge der hessische Innenminister beleidigt werden. Denkt man sich die entsprechenden Vokale hinzu, steht auf den Aufklebern: „Fuck Peter Beuth“. Aufgetaucht sind die Sticker nach einem Polizeieinsatz, der Anfang des Jahres für große Aufregung sorgte und dessen juristische Aufarbeitung in den kommenden Tagen beginnt.

Rückblende: Waldstadion Frankfurt, 21. Februar. Im Sechzehntelfinale der Europa League trifft Eintracht Frankfurt auf Schachtjor Donezk aus der Ukraine. Das Hinspiel ist 2:2 ausgegangen, Eintracht-Präsident Peter Fischer ist angespannt. In einem Fernseh-Interview fordert er vollen Einsatz der Fans. Das Stadion „müsse brennen“, sagt Fischer in die Kameras. Eine auch aus Sicht der Eintracht-Verantwortlichen sehr unglückliche Formulierung. Schließlich läuft gerade – ebenfalls von Beuth initiiert – eine Debatte über Pyrotechnik in den Stadien; und die Eintracht-Fans zündeln gern und oft.

Massiver Polizeieinsatz vor dem Europa-League-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Schachtjor Donezk

Die Polizei wird später sagen, sie habe aufgrund von Fischers Formulierung davon ausgehen müssen, dass die Eintracht-Fans massiv Pyro zünden wollen. Die Anhänger der Eintracht sehen diese Aussage der Einsatzleitung als Vorwand. In jedem Fall aber gibt es einige Stunden vor dem Spiel einen massiven Polizeieinsatz. Die Beamten durchsuchen die Fankurve und einen Raum, in dem die Anhänger ihre Utensilien lagern. Sie finden nichts.

Insbesondere die Ultras der Eintracht sind empört und wollen ein Transparent aufhängen: „Beuth, der Ficker fickt zurück“. Die Polizei sieht das Spruchband, wertet es als Beleidigung des Innenministers und stellt es sicher. Dabei gehen die Beamten kompromisslos vor. Sie stoßen einen Fan über die Werbebande, der mit einem gebrochenen Lendenwirbel ins Krankenhaus kommt.

Ein Video von dem Einsatz wird in den sozialen Medien tausendfach geteilt. Die Empörung ist groß. Viele Fans gehen davon aus, Beuth persönlich habe die Durchsuchung und auch die Sicherstellung des Banners angeordnet. Doch der Innenminister sagt, er habe von dem Einsatz gar nichts gewusst, und der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill verteidigt das ruppige Vorgehen seiner Beamten.

Eintracht-Fans protestieren mit Transparenten in der Bundesliga gegen Peter Beuth

Voraussichtlich am Montag wird sich erstmals die Justiz mit den Einsätzen beschäftigen. Der verletzte Fan fordert vom Land Schadenersatz. Offen ist noch, ob es auch zu Strafprozessen kommt. Gegen beteiligte Beamte liegen Anzeigen vor, die Polizei wiederum hat den Fan wegen Widerstands angezeigt.

Die Eintracht hat das Spiel gegen Donezk schließlich 4:1 gewonnen und ist in der Europa League bis ins Halbfinale gekommen. Die Fans nutzten derweil das Bundesliga-Heimspiel gegen Hoffenheim zum Protest gegen Beuth*. Dutzende Transparente richteten sich gegen den Innenminister. Auf einem stand: „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe“.

Von Georg Leppert

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