+
Enges Verteidigen: Evan Ndicka (links) liefert im Hinspiel gegen Yussuf Poulsen Anschauungsmaterial, wie es gemacht werden sollte.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt muss gegen Leipzig perfekt sein

  • schließen

Eintracht Frankfurt will den Spitzenreiter RB Leipzig ärgern und die Mannschaft der Stunde in die Knie zwingen.

Eigentlich, sagt der Frankfurter Fußballtrainer Adi Hütter, möge er die platteste aller Floskeln, wonach man immer nur von Spiel zu Spiel zu schaue, ja nicht. Aber wenn man den Allgemeinplatz aus dem Plattitüdenzusammenhang herausfiltern würde, ja, dann ist da schon was dran an dieser Marschroute, findet der 49 Jahre alte Österreicher. „Ich schaue auch nicht fünf Spiele in die Zukunft.“

Für ihn und Eintracht Frankfurt geht es nach dem erfolgreichen Wiederbeginn vor einer Woche beim 2:1 in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim einfach nur darum, in bester Eichhörnchenmanier einen Punkt nach dem anderen zu sammeln. „Und dann schauen wir mal, in welche Richtung es gehen wird.“ Doch eines steht für Hütter unwiederbringlich fest: Nach einem einzigen Dreier werde man sicher nicht mit Pauken und Trompeten die Aufholjagd ausrufen oder den Blick weit nach oben richten. „Wir sollten nicht glauben, dass alles perfekt ist, nur weil wir einmal gewonnen haben.“ Recht so.

Eintracht Frankfurt: Gut gegen große Gegner

Zuvor, und das liegt noch nicht lange zurück, hatten die Frankfurter nämlich schon lange keine Partie mehr siegreich gestalten können, seit dem 2. November und dem 5:1 gegen die Bayern setzte es in sieben Bundesligaspielen sechs Niederlagen, auch im Europapokal setzte es eine hochnotpeinliche 2:3-Heimschlappe gegen Gruppenschlusslicht Guimaraes. Tristesse hatte sich wie ein Schleier über den im Jahr 2019 omnipräsenten Klub und seine müden Angestellten gelegt. Schnee von gestern.

Trainer Hütter musste am Freitag gar die Frage beantworten, weshalb seine Mannschaft gegen große Gegner in der Lage sei, über sich hinauszuwachsen. Immerhin gelangen zu Hause gegen die Spitzenteams Leverkusen (3:0) und Bayern überzeugende Siege, auch das 2:2 gegen Borussia Dortmund war aller Ehren wert. Der Vorarlberger wusste darauf keine rechte Antwort, „vielleicht ist man noch ein bisschen konzentrierter“, unkte er, eben weil jeder Spieler wisse, dass man sich kaum Fehler erlauben könne.

Eintracht darf sich keine Fehler leisten

Das mit der Fehlervermeidung gilt in besonderem Maße für das Duell im Stadtwald gegen Klassenprimus RB Leipzig (15.30 Uhr), denn die Sachsen sind, wie Hütter zu Recht anmerkte, „die Mannschaft der Stunde und ein absoluter Meisterschaftsanwärter.“ Um gegen das Team von Trainer Julian Nagelsmann bestehen zu können, müsse sein Ensemble „ein mehr als perfektes Spiel machen“, was in der Praxis nicht nur schwer, sondern so ziemlich unmöglich ist. Aber auch „nur“ perfekt sollte schon gut genug sein.

Gegen die Bullen hat sich die Eintracht meistens ganz achtbar aus der Affäre gezogen, zu Hause sowieso, da gab es noch keine Niederlage, einem Sieg stehen zwei Remis gegenüber. Hütter gibt daher recht selbstbewusst die Devise aus: „Wir wollen nicht nur verteidigen, sondern mutig sein und ihnen unser Spiel aufzwängen.“ Und weiter: „Sie wissen, dass es bei uns nicht so leicht für sie wird, wir werden unsere Möglichkeiten bekommen.“

Eintracht Frankfurt trifft auf starke Leipziger

Die Statistik dient aber nicht als großer Mutmacher, in den letzten 17 Duellen gegen aktuelle Spitzenreiter konnte die Eintracht keinen einzigen Sieg landen. Vielleicht ist die Zeit aber auch einfach mal wieder reif.

Schwierig genug wird das, die Leipziger haben in den zurückliegenden Wochen fast alles und alle in Grund und Boden gespielt, in jedem der letzten neun Spiele (acht Siege, ein Remis) mindestens drei Tore geschossen, was in der Bundesliga eine neue Bestmarke ist. Und sie haben in den letzten 18 Auswärtspartien immer getroffen. Auf eine weißte Weste sollte Kevin Trapp im Eintracht-Kasten also nicht allzu hoch wetten.

Für Coach Hütter stellt RB eine „komplette Mannschaft“, da sei es nicht nur fast, sondern völlig egal, ob im Angriff neben dem neuerdings zur Tormaschine mutierten Nationalspieler Timo Werner Yussuf Poulsen oder Patrik Schick auflaufe. „Sie sind irrsinnig schnell auf dem Weg zum Tor.“ Die Sachsen werden bei der Titelvergabe ein ernstes Wörtchen mitreden, dessen ist sich Hütter sicher. Für den Kollegen Nagelsmann hat er da noch einen richtig guten Tipp parat. „Es wäre doch schön, wenn sie aus dem Pokal ausscheiden würden, dann könnten sie sich auf die Liga konzentrieren“, empfahl der Eintracht-Trainer augenzwinkernd und natürlich völlig uneigennützig – in zehn Tagen sind die Emporkömmlingen ja schon wieder zu Gast in Frankfurt, dann geht es im DFB-Pokal um den Einzug ins Viertelfinale.

Makoto Hasebe wohl nur auf der Bank

Hütter sieht seine Mannschaft heute Nachmittag zwar in der Außenseiterrolle, aber der Sieg in Hoffenheim sei für die Gefühlswelt fast schon unbezahlbar gewesen. „Wir haben wieder Selbstvertrauen getankt.“ Das ist ungeheuer wichtig. Denn die mentale Beschaffenheit spielt im Fußball gewiss keine kleine Rolle.

Hütter wird sein Team aller Voraussicht nach nicht verändern, was bedeutet, dass der intelligenteste Spieler, Makoto Hasebe, erneut nur zuschauen wird. Der Fußballlehrer, der auch auf den zuletzt angeschlagenen Daichi Kamada zurückgreifen kann und ihm bereits einen Kaderplatz in Aussicht gestellt hat, hat mit dem japanischen Routinier bereits ein Vieraugengespräch geführt und ihm die veränderte Situation dargelegt. Sportsmann Hasebe versteht das sowieso, und eines stellte Hütter heraus: „Er ist weiterhin ein sehr wichtiger Spieler.“

Von Ingo Durstewitz

Nach dem Sieg gegen RB Leipzig muss Eintracht Frankfurt gegen Fortuna Düsseldorf antreten. Wir sind live für Sie dabei!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare