1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht in der Champions League: Verlieren streng verboten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Eintracht Frankfurt geht mit großem Selbstvertrauen in das Champions League-Spiel gegen Olympique Marseille, steht aber schon unter enormen Zugzwang.

Frankfurt – Die gut dreistündige Rückfahrt nach der Gala von Mönchengladbach haben die Frankfurter Profifußballer klugerweise zur Weiterbildung genutzt. In der „Crunchtime“ (Trainer Oliver Glasner) gibt es ja kaum Verschnaufpausen, jede Minute will genutzt sein, also flimmerte zur Vorbereitung auf den nächsten Gegner die Partie von Olympique Marseille gegen RC Lens über die Bildschirme im Bus.

Und was die Frankfurter Entourage da zu sehen bekam, war laut dem österreichischen Fußballlehrer durchweg beeindruckend: Zwar hatte Olympique, heute Abend (21 Uhr/Dazn) Widerpart im vorentscheidenden fünften Gruppenspiel der Champions League, die Partie gegen Lens 0:1 verloren, doch genauso gut hätte Marseille gewinnen können. Glasner hatte bärenstarke Südfranzosen gesehen, physisch enorm präsent, ein Team, das eine Manndeckung über den ganzen Platz bevorzugt und eine hohe Intensität pflegt. „Das wird“, fasste Oliver Glasner seine Beobachtungen knapp zusammen, „eine enge Kiste.“

Eintracht Frankfurt: „Am besten gewinnen wir dieses Heimspiel.“

Natürlich sind die Frankfurter, aktuell mit vier Zählern Letzter der Gruppe D, in Zugzwang, wollen sie ihr großes, ambitioniertes Ziel erreichen: das Überwintern auf internationaler Bühne. Ein Sieg gegen Olympique (sechs Zähler) im heimischen Waldstadion ist praktisch Pflicht oder andersrum: verlieren verboten. Denn sollten die Hessen diese Begegnung tatsächlich in den Sand setzen und Sporting Lissabon (6 Punkte) gleichzeitig bei Tottenham Hotspur (7 Punkte) siegen, wäre der schöne Traum, auf ausgeleuchteter internationaler Bühne auch weiterhin eine Rolle zu spielen, früh geplatzt. Da Glasner „Mathe eigentlich ganz gut kann“, weiß er genau, was zu tun ist: „Am besten gewinnen wir dieses Heimspiel.“

Freilich malt bei Eintracht Frankfurt niemand den Teufel an die Wand, im Gegenteil: Die Mannschaft strotzt vor Selbstbewusstsein, die Brust ist geschwellt, kann sie auch sein, nach den jüngsten prima Vorstellungen, vor allem gegen Bayer Leverkusen (5:1) und Borussia Mönchengladbach (3:1). Das Team weiß, was es kann, zu was es in der Lage ist, wenn jedes Rädchen ineinandergreift, und Djibril Sow legt die Latte entsprechend hoch: „Wir haben sehr guten, schönen, effektiven Fußball gespielt“, den wolle man auch weiterhin in diesen Highlightspielen bieten.

Lieber Spielen als Trainieren: „Unsere Trainings sind fast intensiver als die Spiele.“

Ohnehin, findet der Schweizer Nationalspieler, sei es viel angenehmer und, erstaunlicherweise, auch weniger anstrengend, alle drei Tage ein Spiel zu haben als zu trainieren. „Unsere Trainings sind fast intensiver als die Spiele.“ Vielleicht hat er das auch nur gesagt, weil sein Trainer neben ihm auf dem Podium saß. Aber der entgegnete nur lapidar, ohne das heutige Spiel in der Königsklasse hätte er am Dienstag eine doppelte Trainingseinheit durchgezogen.

Aber spielen wird der Dauerläufer sowieso, und zwar im Mittelfeld. Weiterhin denkt Oliver Glasner nicht daran, Sow eine Position weiter nach hinten zu rücken, ihn quasi als Libero zu nominieren, weil er gezwungen ist, die Abwehr umzubauen. Tuta fällt ja bekanntlich wegen seiner Gelb-Roten Karte als Innenverteidiger aus, Kristijan Jakic hat sich im Zentrum der Abwehr – trotz der beiden Böcke von Gladbach und mangels geeigneter Alternativen - festgespielt.

Eintracht Frankfurt: Verschnaufpause für Götze?

Für den Brasilianer wird Hrvoje Smolcic ins Team rücken, das ist im Grunde auch kein Problem, in Tottenham hat der Kroate ja bereits Champions-League-Luft geschnuppert und im Pokal gegen Kickers Stuttgart sogar einen Treffer erzielt. Das Problem ist nur: Er und Evan Ndicka sind beide Linksfüßer, einer von ihnen muss also auf der „verkehrten“ Seite spielen. Wer das sein wird, hat Glasner nicht verraten, er weiß es aber schon. „Wir hatten lange genug Zeit, uns darauf vorzubereiten.“

Manches spricht zudem dafür, dass es in der Offensivabteilung eine Änderung geben wird. Mario Götze könnte - zugunsten von Sebastian Rode - eine Verschnaufpause bekommen, zumal ja am nächsten Samstag das fällige Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund ansteht - just jener Klub also, in dem Götze groß und zum Weltstar geworden ist. Offenbar gehört der 30-Jährige auch zum Kreis jener Spieler, die Bundestrainer Hansi Flick auf die 55 Namen umfassende WM-Liste gesetzt hat. Götze sei, ist Flick zitiert worden, einfach ein Spieler, „der gerade im letzten Drittel seine enormen Stärken hat“. Daran hapert es bei der DFB-Auswahl.

Ausschreitungen bei Spiel von Eintracht Frankfurt: „Das hatte nichts mit Fußball zu tun“

Die sportliche Brisanz verspricht also Spannung, rund um das Spiel drohen dagegen angesichts der Erfahrungen des Hinspiels unschöne Bilder. Die Szenen aus Marseille, als Pyrotechnik in Fanblöcke flog, Böller explodierten und ein Eintracht-Anhänger schwer verletzt wurde, sind noch immer präsent. Djibril Sow sprach da von „einem Schock“ für alle Spieler. „Das hatte nichts mit Fußball zu tun. Ich glaube, da waren einfach Kriminelle auf beiden Seiten.“

Zusätzlich gewinnt diese zum Endspiel stilisierte Partie noch an Bedeutung, weil eben auch Olympique Marseille mit einem Sieg in Frankfurt sicher weiter im europäischen Konzert mitspielen würde. „Beide Teams brauchen eigentlich den Sieg, ein Remis würde keinem wirklich weiterhelfen“, sagte Ex-Bayern-Stürmer und OM-Legende Jean-Pierre Papin in einem Interview mit wettbasis.com. „Sollten die Marseillais in Führung gehen, wird es schwer für die Eintracht zurückzukommen, weil OM sehr gut verteidigt und schwer zu besiegen ist.“ Top-Torhüter Kevin Trapp weiß, was zu tun ist. (Thomas Kilchenstein)

Auch interessant

Kommentare