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Kämpfte unverdrossen und belohnte sich spät: Goncalo Paciencia.

Bas Dost soll helfen

Offensives Vakuum bei Eintracht Frankfurt

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SGE-Trainer Adi Hütter bemängelt nach der Niederlage in Leipzig fehlende Konsequenz vor dem gegnerischen Kasten.

Die offizielle Spielzeit war schon fast rum, da machte Goncalo Paciencia das, was ein Stürmer nun mal machen sollte. Er sprintete in den gegnerischen Strafraum, schüttelte seinen Gegenspieler ab und hielt den linken Fuß in die Flanke von Kollege Timothy Chandler rein – Tor, 1:2 aus Sicht von Eintracht Frankfurt, kurz vor der siebenminütigen Nachspielzeit keimte im Bundesligaspiel bei RB Leipzig noch einmal Hoffnung bei den Gästen auf. Vergeblich. Die Partie fand ohne weiteren Treffer ihr Ende.

Zwar zeigten die Hessen in Sachsen eine insgesamt ordentliche Leistung, eher sogar eine gute, für Zählbares reichte das aber nicht. Den entscheidenden Unterschied zwischen beiden Mannschaften hatten nahezu alle Beteiligten, die man nach dem Abpfiff so fragte, rasch erkannt: die Effektivität. „Die hatten zwei Torchancen und machen zwei Tore“, sagte der Frankfurter Abwehrmann Evan Ndicka. „Beide Leipziger Schüsse waren drin. Das ist das, was uns gefehlt hat“, ergänzte Vorlagengeber Chandler. Und auch Trainer Adi Hütter bemängelte bei seinem Team fehlende Konsequenz vor dem gegnerischen Kasten.

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Als die Frankfurter das letzte Mal in Leipzig angetreten waren, das war im Februar diesen Jahres, da konnte der 49-jährige Fußballlehrer im Angriff noch auf sein explosives Trio vertrauen. Er bot Luka Jovic ganz vorne an der Seite von Sebastien Haller auf, etwas dahinter Ante Rebic. Gestern stand von den drei begnadenen Stürmern keiner mehr im Kader. Während Haller für West Ham United gegen Watford am Samstag seine ersten beide Tore in der Premier League erzielte und Jovic bei Real Madrid in der Schlussphase gegen Valladolid zum Einsatz kam, fehlte Rebic den Frankfurtern in Leipzig verletzt. Wadenproblem, so hieß es.

Anfragen für Ante Rebic

Der Kroate, der ja zuletzt nach seinem desolaten Auftritt in der Europa League in Straßburg einen kräftigen verbalen Einlauf seines Trainers erhalten hatte, könnte womöglich gar nicht mehr für die Eintracht auflaufen. Zwar hofft Trainer Hütter, „dass Ante bis Donnerstag zum Rückspiel gegen Straßburg wieder fit ist“, Fredi Bobic aber bestätigte, dass es mittlerweile „Anfragen“ für den Stürmer gebe. „Am Ende des Tages werden wir sehen, was die Woche bringt“, sagte der Frankfurter Sportvorstand. Für einen Transfer müssten aber „alle Parameter“ stimmen. Rebic sei „ein Spieler von Eintracht Frankfurt und wir sind glücklich mit ihm“, sagte Bobic.

Klar ist dagegen, dass Bas Dost am heutigen Montag seinen Medizincheck in Frankfurt hinter sich bringen wird – endlich, möchte man da fast anfügen. Schon vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim zum Bundesligaauftakt hatten die Hessen ihr Interesse am 30 Jahre alten Niederländer von Sporting Lissabon öffentlich bekundet, auch acht Tage später war der Transfer aber noch immer nicht eingetütet. Querelen zwischen Dosts Berater und dem portugiesischen Traditionsverein, es soll dabei wie so oft ums liebe Geld gegangenen sein, hatten den Wechsel zuletzt doch arg ins Stocken gebracht.

Adi Hütter lobt Bas Dost

Heute also soll der Torjäger seinen Vierjahresvertrag in Frankfurt tatsächlich unterschreiben, er wird die Hessen rund neun Millionen Euro Ablöse kosten und erstmals am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zur Mannschaft zählen. Für das Europa-League-Duell gegen Straßburg ist er nicht einsatzberechtigt. „Wir bekommen mit Bas Dost einen Spieler, der mit seiner Größe und seiner Wucht weiß, wo das Tor steht“, sagte Hütter und schob noch hinterher: „Er ist sicher noch nicht ganz bei 100 Prozent, aber er ist ein guter Typ, der viel Erfahrung mitbringt. Und er hat eine unglaubliche Trefferquote.“

Etwas, das dem gestrigen Frankfurter Offensivtrio bestehend aus Paciencia, Dejan Joveljic und Daichi Kamada dahinter weitestgehend abgeht. Zwar schossen die Gäste zehnmal auf des Gegners Kasten, die Leipziger ihrerseits zwölfmal, echte Hochkaräter erspielten sich die Hessen aber kaum. Die beste Chance bis zum späten Anschlusstor hatte noch Flügelspieler Filip Kostic nach sechs Minuten vergeben.

Der Japaner Kamada dagegen tänzelte zwar ein ums andere Mal geschickt durchs Mittelfeld der Leipziger, war auch ein Aktivposten seiner Mannschaft, zeigte erneut eine gute Leistung und bekam dafür hinterher gar Lob vom gegnerischen Trainer Julian Nagelsmann („Kamada hat sich gut zwischen den Linien bewegt“), allerdings zog es den Eintracht-Spielmacher zu selten in den Leipziger Strafraum hinein. Auch der Serbe Joveljic rannte und rannte und rannte, fiel dann aber eher durch plumpe Fouls denn durch geschicktes Durchsetzungsvermögen auf. Nur einmal wurde er im Ansatz gefährlich (72.).

„Bas Dost wird Mannschaft helfen“

Ähnliches galt bis zur 89. Minute auch für den Portugiesen Paciencia, der vor seinem späten Treffer auch nur einen vergleichsweise harmlosen Fernschuss in Richtung des Leipziger Schlussmannes Peter Gulacsi abließ (27.). Ansonsten war der Eintracht-Angriff bei der Leipziger Abwehr über weite Strecken der Begegnung gut aufgehoben. So fiel das abschließende Fazit von Eintracht-Torhüter Kevin Trapp über die ausbaufähige Offensivpower seiner Mannschaft ziemlich treffend aus. Er sagte: „Bas Dost wird der Mannschaft helfen.“ Das sollte der frühere Mittelstürmer des VfL Wolfsburg aber auch.

Von Daniel Schmitt und Thomas Kilchenstein

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