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Eingenetzt: Dejan Joveljic trifft in Talinn per Kopf zum 2:1-Sieg.

Vorbereitung

Eintracht Frankfurt: Ein bisschen was fehlt noch

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Eintracht-Trainer Hütter sieht seine Jungs längst noch nicht in Topform, dorthin zu gelangen wird ein diffiziler Spagat.

Eintracht Frankfurt trägt seine Farben bekanntlich seit rund einem Jahr voller Stolz quer über den Alten Kontinent. Endlich mal wieder Teil des internationalen Fußballgeschäfts zu sein, das plustert die Brust der Kicker vom Main mächtig auf. Mal geht es nach Frankreich, mal nach Italien, Portugal, England, und so weiter und so fort. Schwarz-Weiß-Rot sind die dominierenden Farben der Frankfurter Tour de Europe. Ganz klar, die Auftritte fern des Bundesligaalltags sind fußballerische Festtage. Nun ist die vergangene Saison natürlich noch ganz fest in den Köpfen der Profis verankert. Doch längst warten neue Aufgaben, in ihrer Komplexität nicht zu unterschätzende.

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Denn obwohl die Saison ja eigentlich noch nicht mal richtig losgegangen ist, zumindest für die restlichen 17 Klubs der Bundesliga, befinden sich die Frankfurter schon wieder mittendrin im Wettkampfmodus – und im Reisestress. Nachdem das Team Anfang Juli eine erste Woche zum Formaufbau in der Schweiz verbrachte und nun am Donnerstag das Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Flora Tallinn (2:1) erfolgreich bestritt, geht es Schlag auf Schlag weiter. Gestern jetteten die Schützlinge von Trainer Adi Hütter direkt von der estnischen Hauptstadt an der Ostsee ins an der Donau gelegene Linz. Von dort ging es mit dem Bus weiter ins nächste Trainingscamp im österreichischen Windischgarsten.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager

Noch am Nachmittag stand eine erste Einheit auf dem Trainingsplatz an, auf einem bestens gestutzten Rasen, den bis tags zuvor noch Ligakonkurrent TSG Hoffenheim beackert hatte. Bis Mittwoch werden die Hessen inmitten einer herrlichen Bergkulisse und wohl bei reichlich Regen – so lautet zumindest die Wetterprognose für das kleine Dorf in Oberösterreich – dort verharren, ehe sie wieder über Linz nach Frankfurt abheben. Das Rückspiel gegen Tallinn am kommenden Donnerstag, die zweitägige Rückkehr ins Trainingslager nach Österreich, Anfang August im besten Fall das nächste Europacup-Qualifikationsduell – entweder gegen die Ungarn von Fehevar oder die Liechtensteiner vom FC Vaduz (Fehevar gewann das Hinspiel 1:0) – da kommen einige Reisekilometer zusammen.

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Nebenbei muss Hütter dafür Sorge tragen, seine Jungs in perfektem Zustand für die bald anstehenden Aufgaben in Liga und DFB-Pokal vorzubereiten. Er ist zuversichtlich, diesen Spagat meistern zu können. „Wir haben noch Luft nach oben“, sagte er nach dem knappen, aber verdienten Erfolg in Tallinn, „wir sind vielleicht bei 75 oder 80 Prozent unseres Leistungsvermögens.“ Aber: „Nächste Woche in Frankfurt wird das schon besser aussehen.“ Jeder Tag baut auf den zurückliegenden auf, in kleinen Schritten soll es vorangehen. Ein ständiger Wechsel zwischen Belastung und Erholung lautet das Allheilmittel.

Erstes Pflichtspiel nur teilweise gut

Neben der körperlichen Verfassung muss Hütter aber vor allem auch die spielerische verbessern.Beim ersten echten Härtetest in Tallinn sah das nur zeitweise ordentlich aus, häufiger als gewohnt stockte das Frankfurter Aufbauspiel aufgrund unnötiger Leichtsinnsfehler. Selbst die Verlässlichkeit in Person, Abwehrchef Makoto Hasebe, konnte sich davon nicht freimachen. Zudem hakte es noch gewaltig im Torabschluss. „Die Chancenverwertung stört mich nicht mal unbedingt“, sagte Hütter hinterher gelassen, „mir hat eher noch die Konzentration beim letzten Pass gefehlt.“

Als Adressat dieser Kritik darf sich zuvorderst Mijat Gacinovic verstehen. Der Serbe, ohnehin ja ein Wackelkandidat, befindet sich in einer absoluten Nicht-Form, er fabriziert leichte Fehler und macht nicht den Eindruck, diese mit hoher Laufbereitschaft wieder ausbügeln zu wollen. Seltsam, ist Gacinovic doch eigentlich ein angenehmer Zeitgenosse, ein kluger, junger Mann, der in der Vergangenheit selten durch solch fehlenden Einsatzwillen aufgefallen war. Eher umgekehrt. Wenn Daichi Kamada, Dominik Kohr oder Dejan Joveljic so etwas wie Gewinner des ersten Pflichtspiels sind, dann ist Gacinovic gewiss der Verlierer.

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Allzu viel Kredit hat der 24-Jährige nicht mehr bei Coach Hütter, spätestens wenn die nötigen Verstärkungen für die Offensive tatsächlich da sind, dürfte er es schwer haben, auf regelmäßige Startelfeinsätze zu kommen. Zumal sich eine baldige Einigung mit Borussia Dortmund in der Causa Sebastian Rode anbahnt. „Wir sind in sehr guten Gesprächen mit dem BVB“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic: „Wir hoffen, dass wir das zeitnah zubekommen.“ Der in der vergangenen Rückrunde ausgeliehen Rode, der mit seiner Bissigkeit, aber auch Spielintelligenz vollends überzeugte, soll die Eintracht dem Vernehmen nach zwischen drei und vier Millionen Euro Ablöse kosten. Akzeptabel.

Adi Hütter will das System anpassen

Ein ähnliches Schicksal wie das von Gacinovic, also das eines Ergänzungsmannes, könnte Goncalo Paciencia blühen. Der Portugiese kann kicken, köpfen sowieso, er wird nach den Abgängen von Luka Jovic und Sebastien Haller auch auf Einsatzzeiten kommen. Für regelmäßige Startelfnominierungen müsste er aber doch zulegen – am Tempo auf den Beinen und vor allem an seiner Handlungsschnelligkeit im Kopf.

Neben der Entwicklung einzelner Profis steht Trainer Hütter vor allem die diffizile Aufgabe bevor, sein komplettes System im laufenden Betrieb zu verfeinern. Der Fußballlehrer möchte gerne auch mal mit einer Viererkette spielen lassen, aktuell aber fehlt dafür jedoch Zeit und Personal. So werden die Frankfurter vorerst weiter auf ihre Dreierkette samt zwei Außenbahnrennern (Danny da Costa, Filip Kostic) setzen, wenngleich der eine oder andere Bundesligakonkurrent dies in der vergangenen Saison teils entschlüsselt hatte. Nicht ideal.

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Gerade die wenigen Tage in Österreich werden für den 49-Jährigen wichtig, dort kann er mal Neues probieren und Altes verbessern. Hütter vereint seinen kompletten Kader in Windischgarsten, auch die nicht mit nach Estland gereisten Profis stießen gestern wieder zur Mannschaft. Neben quasi aussortierten Profis wie Jetro Willems, Marc Stendera oder Nicolai Müller ist auch Simon Falette nach seinem Sonderurlaub wegen des Afrika-Cups wieder dabei. Am Sonntag (18 Uhr) testen die Frankfurter gegen den österreichischen Drittligaverein FC Wels.

Selbst der an der Schulter verletzte Frederik Rönnow reiste mit nach Österreich. Er wird seine Reha im Kreis des Teams absolvieren – wenngleich er diese lediglich als seine ganz persönliche Tour de Europe wahrnehmen dürfte. Auf dem Ergometer mitten in den Bergen.

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