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Begossene Pudel: Die EIntracht-Profis um Torwart Kevin Trapp (Mitte). Foto: afp
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Begossene Pudel: Die Eintracht-Profis um Torwart Kevin Trapp (Mitte).

SGE

Eintracht-Pleite gegen Gladbach: Plötzlich läuten die Alarmglocken

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Will sich Eintracht Frankfurt nach der 0:4-Ohrfeige in Mönchengladbach nervige lame-duck-Debatten ersparen, soll am Dienstag gegen den FC Augsburg ein Sieg her.

Die Antwort kam blitzschnell, zu schnell, sie kam noch ehe der Field-Reporter die Frage zu Ende stellen konnte. Aber Kevin Trapp wusste eh, um was es ging, deswegen antwortete er so schnell, so schnell hätte er mal lieber bei dem harmlosen Schüsslein von Jonas Hofmann reagieren sollen, der ihm zum entscheidenden 0:2 ins Netz flutschte, so schnell hätten vielleicht seine Teamkameraden in den vorangegangen 95 Minuten agieren können. Taten sie aber alle nicht, weder Trapp bei dem Schuss, noch die Mannschaft insgesamt.

Der Frankfurter Torwart sagte also wie aus der Pistole geschossen nur ein Wort: „Keinen.“ Die Frage war, ob der Anfang dieser Woche bekannt gegebene Wechsel des Erfolgstrainers Adi Hütter zu Borussia Mönchengladbach in irgendeinem Zusammenhang zu dieser in der Klarheit unerwarteten 0:4-Klatsche just bei diesen Gladbachern stehe. Der Torwart, dessen Wort Gewicht hat in der Kabine, verneinte erwartungsgemäß resolut, begründete dies damit, dass das Team zuvor ja prima und konstant gespielt habe, und selbst nach Rückschlägen stets zurückgekommen sei, auch ohne Wechsel auf Spitzenpositionen innerhalb des Klubs.

Eintracht Frankfurt mit Unruhe im Umfeld

An gleicher Stätte sagte Sportvorstand Fredi Bobic bald Ähnliches, ebenfalls einer, der dem Klub bald lieber den Rücken kehrt: Wer jetzt diese Abschiede als Begründung für die Niederlage nehme, argumentiere an der Oberfläche, mache es sich viel zu einfach, und habe, aber das sagte er nicht wörtlich, halt keine Ahnung. „Man kann sich jetzt zwei, drei Tage den Mund zerreißen.“ Sebastian Rode, der Mittelfeldläufer, fand, dass die Schlappe „Wasser auf die Mühlen jener Kritiker“ sei, die dies vorher alles genau so erwartet hatten.

Aber liegt diese Vermutung nicht auf der Hand? Kann ein derart gravierender personeller Einschnitt spurlos an einer Mannschaft vorbeigehen? Kann ein Team diese ganze Aufregung im Umfeld, diese Unruhe im Klub, so locker wegstecken? Natürlich sind die Spieler, wie Trainer Hütter nicht müde wird zu betonen, allesamt Profis, die mit einer solchen Situation umzugehen gelernt haben sollten. Aber es sind immer auch Menschen. Und warum sollte sich ein Stefan Ilsanker zum Beispiel, einer, der von Landsmann Hütter stets gestützt und verteidigt wurde, nicht so seine Gedanken machen, jetzt, da sein Mentor Fersengeld gibt. Ist es nur Zufall, dass just dieser Ilsanker, seit Wochen in Bestform, am Samstag in Gladbach einer der schwächsten Spieler war? Es reichen ja fünf, zehn Prozent, die an Konzentration fehlen, fünf, zehn Prozent, die nicht für die erforderliche Fokussierung aufgewendet werden.

Eintracht Frankfurt und die Lame-Duck-Debatte

Und Borussia Mönchengladbach ist ja keine Laufkundschaft. Hütter hatte schon Recht, als er vor der Partie sagte, die Begegnung im Borussia-Park sei auch ohne die ganzen Nebengeräusche kompliziert genug. Fest zu halten bleibt zudem: Der VfL Wolfsburg eine Woche zuvor war ein stärkerer Gegner als Hütters neue Mannschaft, aber die hatten die mental intakten Frankfurter in einem spektakulären Spiel - übrigens mit der identischen Mannschaft – 4:3 niedergespielt.

Und wie es einem Team ergehen kann, das von einer Lame Duck trainiert wird, hat Mönchengladbach gerade am eigenem Leib erfahren müssen: Nachdem klar war, dass Trainer Marco Rose künftig Borussia Dortmund anleiten wird, setzten die Westdeutschen sieben Pflichtspiele in den Sand, sie müssen trotz des Sieges gegen die Eintracht ernsthaft ums internationale Geschäft bangen. Droht dieses Schicksal auch den Frankfurtern, die sich den Luxus von gleich zwei Lame Ducks leisten?

Eintracht Frankfurt: Gladbach spielt sehr effektiv

Tatsächlich ist eine Schlappe am Niederrhein für Eintracht Frankfurt nichts Ungewöhnliches. „Wenn man nicht einmal in Gladbach verlieren kann, verstehe ich die Welt nicht mehr“, empörte sich Trainer Hütter. Er wollte diese Niederlage, erst die vierte in dieser Saison, als Einzelfall abtun, „wir haben einfach nicht gut Fußball gespielt und alle Tugenden vermissen lassen, die uns zuletzt ausgezeichnet haben.“

Viel zu langsam, ohne Tempo und Feuer habe man agiert, habe es an der nötigen Zweikämpfhärte vermissen lassen, habe sich womöglich, wie Djibril Sow glaubte, „einschläfern lassen“. Man kann auch, wie Fredi Bobic, von „einem gebrauchten Tag“ sprechen, an dem nichts zusammenlief und bei Gladbach alles, die tatsächlich genau viermal das Frankfurter Tor trafen, was für die vier Treffer von Matthias Ginter (10.), Jonas Hofmann (51.), Ramy Bensebaini (67.) und Hannes Wolf (90. + 5) reichte.

Eintracht Frankfurt: Am Dienstag gegen den FC Augsburg

Und doch sollte Eintracht Frankfurt in die Analyse gehen: Warum schießt die hochgelobte Offensive erstmals seit der 0:5-Vorführung bei Bayern München im Oktober letzten Jahres kein Tor, wieso liefert der Klub just nach dieser Woche mit viel Theaterdonner die – nach Bremen – vielleicht schlechteste Leistung in diesem Jahr ab?

Dieses 0:4 kann ein Ausrutscher gewesen sein, dem man einem Team, das über die Maßen performt hat, durchaus zugestehen muss. Es wird sich bald weisen. Schon am Dienstag steht zu Hause gegen den FC Augsburg die Probe aufs Exempel an, das ist der Lackmustest. Kehrt die Eintracht mit einem Sieg in die Erfolgsspur zurück, war vieles ein Sturm im Wasserglas. Auf den Dienstag kommt es an. Die Mannschaft, auch Hütter sollten liefern, um unangenehme Diskussionen im Keim zu ersticken. Die Warnlampen blinken unübersehbar. „Mund abputzen und weiter“, sagt Adi Hütter. Wenn das Wechseltheater „das einzige Problem war, dann ist am Dienstag alles wieder gut“, lehnt sich Bobic aus dem Fenster.

Der Druck ist deutlich größer geworden, Eintracht Frankfurt hat einiges zu verlieren. (Thomas Kilchenstein und Daniel Schmitt)

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