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Rein mit dem Ding: Auch Frankfurts Bürgermeister Feldmann (2. v. rechts) packt bei der Grundsteinlegung für den neuen Eintracht-Campus mit an.

Profizentrum

Neuer Eintracht-Campus: Beginn einer neuen Zeitrechnung

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Die Frankfurter Eintracht legt den Grundstein für ihren Proficampus und will ihre eigene Entwicklung mit dem 35-Millionen-Euro-Neubau beschleunigen.

Aus gegebenem Anlass erinnerte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann am Dienstag bei brütender Hitze noch mal an die unhaltbaren und unwürdigen Zustände, die im vergangenen halben Jahr im Kabinentrakt der Profimannschaft herrschten. Akuter Schimmelbefall aufgrund eines vorherigen Wasserrohrbruchs hatte die Fußballer aus ihrem Heiligtum vertrieben, sie zogen tief unten in den Bauch der Arena, ohne Tageslicht, dafür mit meterdicken Betonwänden und flackernden Neonröhren. Schon damals sprach Sportdirektor Bruno Hübner von einer „Katastrophe“, und auch Marketingchef Hellmann hob jetzt noch einmal hervor, welch herausragende Leistung es unter diesen „improvisierten Umständen“ gewesen sei, dass sich die Mannschaft zu diesem Husarenritt durch Europa aufraffen konnte und nun immer noch die Gelegenheit hat, sich für weitere internationale Spiele zu qualifizieren. „Unter solchen Bedingungen ist das absolut bemerkenswert.“

Nun, im Spätsommer 2019, hat für Eintracht Frankfurt eine neue Zeitrechnung begonnen, schmuddelige und gesundheitsschädliche Begebenheiten wie jene aus dem Frühjahr werden dann endgültig der Vergangenheit angehören, schließlich wurde gestern sehr feierlich und mit einigem Brimborium der Grundstein für den Bau der neuen Geschäftsstelle und des Proficampus unweit der Arena im Stadtwald gelegt – mit allerlei Prominenz. DFB-Direktor Oliver Bierhoff war aus der nahen Verbandszentrale in der Otto-Fleck-Schneise hinüber geeilt, im Schlepptau hatte er Generalsekretär Friedrich Curtius, natürlich waren Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Sportdezernat Markus Frank (CDU) zugegen, genauso wie die Eintracht-Legenden Karl-Heinz Körbel und Uwe Bein oder Alexander Schur. Auch eine Abordnung des Profiteams war am Start, Cheftrainer Adi Hütter, Kapitän David Abraham und Aushängeschild Kevin Trapp schauten kurz vor Beginn des Vormittagstrainings vorbei, um dem Prestigeobjekt die nötige Strahlkraft und Bedeutung zukommen zu lassen.

Eintracht Frankfurt schlägt ein neues Kapitel auf

Dass die Eintracht mit dem zu günstigen Darlehenskonditionen finanzierten 35-Millionen-Euro-Bau, der Ende 2020 abgeschlossen sein soll, ein neues Kapitel ihrer 120 Jahre währenden Geschichte aufschlägt, ist unbenommen. „Das ist ein Quantensprung, den Eintracht Frankfurt so noch nie hatte“, strich Hellmann heraus. „Dieser Campus wird unsere Lokomotive.“ Ähnlich wie es der Neubau des Riederwalds vor zehn Jahren für den eingetragenen Verein gewesen sei. Der Plan sieht übrigens nach Bauabschluss vor, die U19 und U17 der Eintracht räumlich unter das Dach der Profis am Stadion zu holen. Allerdings ist zurzeit noch unklar, wie viele zusätzliche Trainingsplätze dann zur Verfügung stehen, auch auf diesem Sektor wird sich gewiss noch etwas tun und die Infrastruktur entschieden verbessert werden.

Bisher waren die 170 festangestellten AG-Mitarbeiter, zu denen noch mal 60 aus dem sportlichen Bereich kommen, an fünf verschiedenen Standorten untergebracht, die bisherigen Büros in den Tribünen des Stadions reichten schon lange nicht mehr aus, „wir platzen aus allen Nähten“, wie Hellmann befand. In Zukunft werden alle zusammen in einer Geschäftsstelle arbeiten – Tür an Tür mit dem Profiteam, das „bei uns zu Hause sein wird“ (Hellmann). Den Herren Fußballern soll es an nichts fehlen, die Bedingungen sollen erstklassig, alle für den Profisport relevanten Faktoren bedacht sein. „Das hier wird State of the art“, bekundete Hellmann.

Eintracht Frankfurt will auf Wachstumskurs bleiben

Die Eintracht biegt damit mit einiger Verspätung auf die Überholspur ab, in den vergangenen Jahren hatte die Sportliche Leitung stets über die untragbaren Verhältnisse im Stadion geklagt und die Befürchtung geäußert, der Klub werde abgehängt, wenn sich nichts ändere. Ex-Trainer Niko Kovac verschaffte sich einmal mit einer denkwürdigen Generalabrechnung Luft. „Man erwartet von uns guten Erstligafußball mit Zweitligamitteln“, polterte er. „Es gibt zu wenige Räume, zu wenig Platz, alles ist vollgestellt, die Belüftung ist schlecht.“ Der Coach stellte sogar einen Zusammenhang zwischen den häufigen Krankheiten seiner Spieler und den Bedingungen vor Ort her. Die Räumlichkeiten hätten sogar potenzielle Neuzugänge abgeschreckt.

Der Kommentar zum neuen Zentrum: Beton und Betonköpfe

Für Axel Hellmann ist der Bau eine Art Leuchtturmprojekt und ein Beschleuniger auf allen Ebenen. „Wir werden auf Wachstumskurs bleiben.“ Vor sechs, sieben Jahren sei ein solches Projekt nicht mal im Entferntesten absehbar oder denkbar gewesen. „Das ist nun der Startschuss für die weitere Entwicklung.“

Auch die Spieler registrieren, was rund herum alles passiert. „Das ist ein Riesenfortschritt für uns“, sagte Torwart Kevin Trapp, ein kluger Mann, der auch abseits der Seitenauslinie einen klaren Blick aufs Leben wirft. „Das, was hier passiert, steht sinnbildlich für die Richtung, in die der Verein geht“, sagt der 29-Jährige. „Wir sind am Wachsen.“

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Dieser Meinung schließt sich auch Peter Feldmann an, der vor drei Jahren noch mit dem Klub in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg litt. „Das ist der nächste Schritt“, sagte er und stellte die herausragende Bedeutung der Eintracht für Frankfurt hinaus. „Sie ist ein Aushängeschild der Stadt. Das ist das Fundament für das, was die Eintracht für den Erfolg der Stadt liefert.“ Der Oberbürgermeister lobte die Entwicklung des Traditionsvereins, der sich in den vergangenen Jahren selbst überholt und übertroffen habe. „Diese Flamme lodert nicht erst seit gestern“, sagte der SPD-Politiker und adelte das Eintracht-Team: „Es ist trotzig, frech und komplett angstfrei. Es vereint eine Wucht, für die wir europäisch bewundert werden.“

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