Immer volle Pulle: Bas Dost (rechts) holt sich ein Sonderlob vom Trainer ab.
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Immer volle Pulle: Bas Dost (rechts) holt sich ein Sonderlob vom Trainer ab.

Spiel in Stuttgart

Eintracht Frankfurt an der nächsten Wegkreuzung

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt sucht beim VfB Stuttgart nach Hinweisen, wohin die Reise geht.

Als Eintracht Frankfurt das letzte Mal in Stuttgart beim dortigen Verein für Bewegungsspiele antrat, vor fast genau zwei Jahren war das, ließ der Coach der Hessen erstmals alle drei Angreifer auf die Wiese: Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller stürmten gemeinsam und von Anfang an, und alle, die befürchtet hatten, das würde nicht funktionieren, sahen sich sehr bald eines besseren belehrt; eines sehr viel besseren. Dieser 2. November 2018 war die Geburtsstunde der später sogenannten Büffelherde, schnell hatten Haller und Rebic die Frankfurter seinerzeit mit 2:0 in Front gebracht, Jovic hatte vorbereitet, am Ende hatte die Eintracht einen ungefährdeten 3:0-Sieg errungen.

Am Samstag, beim Gastspiel der Eintracht im Ländle, ist mit derlei gravierenden Überraschungen nicht unbedingt zu rechnen. Adi Hütter, der Trainer, wird keine drei Angreifer aufbieten, selbst wenn er wollte: Ihm stehen aktuell nur zwei zur Verfügung, Bas Dost, mit dessen Vorstellung er weiterhin „sehr zufrieden“ ist, und André Silva, bislang mit vier Treffern bester Frankfurter Schütze. Mehr Auswahl hat der 50 Jahre alte Fußballlehrer nicht, Ragnar Ache, der junge Perspektivstürmer, fällt jetzt sogar mindestens das komplette Jahr 2020 aus. Ohnehin war der 22-Jährige zuletzt wegen einer Sehnenblessur außen vor, nun hat er, wie Hütter am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spieltag eher en passant erzählte, beim Aufbautraining „einen Rückschlag“ erlitten. Der Angreifer, der über vereinzelte Minuteneinsätze bislang nicht hinauskam, musste sich gar einer Operation unterziehen. Da sollten sich Dost und Silva mal tunlichst nicht verletzen.

Womöglich muss Adi Hütter eine personelle Veränderung vornehmen: Daichi Kamada, der kreative Kopf im Team, „zwickt es im Oberschenkel“, zwei Tage habe er nicht trainieren können. Ob er spielen könne, werde man abwarten müssen. Sollte der Japaner ausfallen, würde den Frankfurtern der Mann für die Ideen fehlen. Wer ihn ersetzen könnte? Hütter ließ sich da wenig locken, Aymen Barkok, der zuletzt ordentliche Leistungen als Einwechselspieler zeigte, wäre eine Möglichkeit, auch Amin Younes hat seine konditionellen Defizite so weit aufgeholt, dass er „von Beginn an spielen“ könnte, wie Hütter sagte. Allerdings sei er eher einer für den Flügel, den linken wie den rechten.

Die Entwicklung von Barkok, dem Jungen aus der Frankfurter Nordweststadt, verfolgt Hütter mit Wohlwollen, „er präsentiert sich gut, ist ein positiver Typ“. Jedoch streue er in sein Spiel immer noch zu viele „kleine Leichtsinnigkeiten“ ein, spiele mitunter zu schlampig. „Er hat noch diese Verspieltheit, wenn er konkreter wird, kriegen wir einen tollen Spieler hinzu“, gibt ihm der Fußballlehrer mit auf dem Weg.

Schließlich ist auch denkbar, dass Hütter sich dazu entschließt, Filip Kostic bereits für die Startelf zu berücksichtigen. Der dynamische Serbe steht zwar erst seit dieser Woche nach fünfwöchiger Pause wegen eines Innenbandanrisses im Training, aber einen wie ihn, der Tempo und Wucht mitbringt, könnte die Eintracht gerade in Stuttgart dringend gebrauchen. Zum Kader zählt der Linksaußen auf alle Fälle. „Er hat alles dafür getan, schnell wieder dabei zu sein.“

Die Partie in Stuttgart ist die nächste, die Adi Hütter zuletzt als richtungsweisend bezeichnet hat. So genau weiß man in Frankfurt noch nicht, wohin die Reise geht, „unglaublich schwer zu sagen“ sei das, sagt der Trainer. Man sei nie „extrem unterlegen“ gewesen, ja die Spiele gegen Köln und Bremen hätte man gewinnen müssen, „dann hätten wir vier Punkte mehr und würden ganz anders reden.“ Vom Bayern-Spiel abgesehen, „hatten wir in jeder Partie die Chance zu gewinnen“. Die Eintracht sei „nach wie vor schwer zu schlagen“, findet Hütter, allerdings geschieht das nicht ohne besondere Anstrengung. Steven Zuber, der 2019 ein halbes Jahr an den VfB Stuttgart ausgeliehen war, forderte gar: „Ich erwarte, dass wir nicht nur an, sondern über unsere Grenzen gehen.“ Dann, glaubt er, „holen „wir in Stuttgart drei Punkte.“

Hinti reißt die Latte

Dem Aufsteiger zollt Hütter für seine bisherigen Leistung großen Respekt, der VfB hat ebenfalls neun Punkte auf dem Konto. „Es ist ein gutes Team, das stark in die Saison gestartet ist. Die Stuttgarter haben bisher erfrischend, schnell, zielstrebig und gradlinig gespielt“, sagte Hütter.

Nach dieser Partie macht die Bundesliga wieder eine Pause. Allerdings ist ungewiss, ob die Klubs auch alle angeforderten Profis für ihre Nationalteams abstellen werden. Es mache „keinen Sinn“, sie reisen zu lassen, wenn sie danach aufgrund von Bestimmungen der Gesundheitsämter fünf Tage in Quarantäne stecken, sagte der Frankfurter Trainer. Klar sei, dass man „das nicht befürworten würde“.

Stefan Ilsanker und Martin Hinteregger sind vom österreichischen Teamchef Franco Foda bereits für die Spiele gegen Nord-Irland, Norwegen und Luxemburg nominiert worden. Hinteregger selbst ist aktuell mit seinen Leistungen nicht so zufrieden, Hütter bestätigt das: „Er ist nicht auf dem Level, auf dem er schon mal war. “ Sorge bereitet das dem Coach nicht: „Er hat die Latte aber auch sehr, sehr hochgelegt.“

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