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Herr der Bälle: Eintracht-Trainer Adi Hütter. 

SGE

Eintracht Frankfurt: Nachbarschaftstreffen in der Alten Försterei

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Die Eintracht erwartet beim Aufsteiger Union Berlin einen heißen Tanz - doch überraschen wird Trainer Hütter sich vom Aufsteiger bestimmt nicht lassen. Aus einem persönlichen Grund.

Berlin/Frankfurt - Den sportlichen Werdegang des 1. Fußballclubs Union Berlin hat Adi Hütter sehr genau verfolgt, vielleicht noch ein bisschen genauer als es von Berufs wegen erforderlich wäre, denn der Frankfurter Trainer hat auch ein privates Interesse am Bundesliga-Novizen. Schon als Union noch in der zweiten Liga kickte, hatte Hütter den Verein im Blick, und das lag daran, dass er Trainer und Co-Trainer der Köpenicker bestens kennt: Coach Urs Fischer, ein Schweizer, zuletzt beim FC Basel tätig, hat Hütter noch bestens aus seiner Berner Vergangenheit in Erinnerung. Fischer hatte Union überraschend in zum Aufstieg verholfen, dafür verlängerte sich sein Vertrag automatisch bis 2021. Und Berlins Co-Trainer Markus Hoffmann wohnt in Salzburg nur „einen Kilometer von mir entfernt“, erzählte Hütter am Mittwoch. Am Freitagabend (20.30 Uhr, live bei DAZN), treffen sich die Nachbarn also im Stadion an der Alten Försterei zum ersten Bundesligaduell. Überrascht von Taktik und Spielweise der Berliner dürfte der Frankfurter Coach angesichts seiner Insiderinformation also nicht werden. „Ich freue mich auf das Treffen und die Atmosphäre in der Försterei“, sagt Hütter. Sie wird beeindruckend sein.

Eintracht: Silva, Paciencia & Dost - für einen bleibt nur die Bank

Die Videoanalyse am gestrigen Mittwoch hat Adi Hütter auch dazu genutzt, seinen Mannen eindringlich klar zu machen, fokussiert und konzentriert, und zwar „von der ersten Sekunde an“, in dieses sicherlich heiß umkämpfte Spiel zu gehen. Zuletzt hat das nicht immer funktioniert, Eintracht Frankfurt brauchte häufig in dieser Runde erstaunlich lang, um in eine Partie zu finden; manchmal kam Hütter nicht umhin, seiner Mannschaft eine gewisse Schlafmützigkeit zu bescheinigen. Die Folge: Die Hessen gerieten in Rückstand, oft früh, und sie mussten gewaltige Kräfte mobilisieren, um die Spiele noch zu drehen – und immer gelang es ja auch nicht. Von den letzten zehn Pflichtspielen in DFB-Pokal, Europa League und Bundesliga liefen die Frankfurter gleich siebenmal einem Rückstand hinterher. „Da“, forderte Hütter, „müssen wir uns absolut verbessern.“ Vor allem werde man gegen die heimstarken Berliner den Kampf annehmen müssen. „Union kann jedem Gegner das Leben schwer machen“, das habe Dortmund am eigenen Leibe erfahren müssen. „Es gibt keinen Grund, Union zu unterschätzen.“

Eintracht Frankfurt: Gefühlter Sieg gegen Dortmund

Von Vorteil wäre, womöglich selbst mal das erste Tor zu schießen. „Früher hat uns ausgezeichnet, früh in Führung zu gehen“, gerne auch aus dem Nichts heraus. Aber da standen noch die glorreichen Drei Jovic, Haller und Rebic zur Verfügung. In dieser Runde, so Hütter, „müssen wir für ein 1:0 viel mehr arbeiten.“

Der „gefühlte Sieg“ beim 2:2 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Sonntag hat die Stimmung im Frankfurter Lager spürbar angehoben. Trotz lediglich eines Punktes aus der Englischen Woche, habe die Mannschaft Selbstvertrauen getankt. Das spüre man im Training, erklärte Hütter, „aggressiv und bissig“ sei das Team zu Werke gegangen. Nahezu alle Mann hat der 49 Jahre alte Österreicher momentan an Bord, Mijat Gacinovic und Jonathan de Guzman sind wieder dabei, auch Sebastian Rode konnte gestern, zumindest in Teilen, mit der Mannschaft üben. „Das hat gut ausgesehen.“ Rode hatte zuletzt wegen einer Prellung am jüngst operierten Knie aussetzen müssen. Er war in die Schweiz gefahren zu seinem Operateur und hat sich dort durchchecken lassen. Vermutlich wird der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler am Freitag in Berlin noch nicht in den Kader zurückkehren. „Der Plan ist, ihn am Donnerstag in Portugal spielen zu lassen“, sagte Hütter. Da spielen die Hessen in der Europa League im zweiten Gruppenspiel bei Vitoria Guimaraes; es ist ein Spiel von großer Bedeutung nach der 0:3-Niederlage zum Auftakt gegen den FC Arsenal. Die Eintracht muss beinahe schon in Portugal gewinnen, um die angestrebte Qualifikation fürs Sechzehntelfinale im Februar nächsten Jahres nicht zu verfehlen.

Eintracht Frankfurt: Hütter begrüßt den Konkurrenzkampf

Adi Hütter kann also personell aus dem Vollen schöpfen, 25 Mann hatten sich gestern auf dem Trainingsplatz getummelt. Das ist eine ganze Menge, grundsätzlich hält Hütter den nun stärker denn je ausgebrochenen Konkurrenzkampf für vorteilhaft. „Ich bin froh, dass Druck aufgebaut wird. Da geht man auch schon im Training ganz anders zur Sache.“ Packende Duelle um einen Platz in der Startformation sind just auf einer Position entbrannt, die im vergangenen Jahr noch Danny da Costa quasi allein gehörte – der rechte Außenbahnspieler absolvierte alle 50 Pflichtspiele. In dieser Runde ist ihm ordentlich Konkurrenz erwachsen, sowohl Erik Durm als auch Timothy Chandler scharren sehr vernehmlich mit ihren Stollenschuhen. Beide Herausforderer hatten am Sonntag Werbung in eigener Sache betrieben. Auch David Abraham hat neuerdings einen echten Widersacher im Genick, Almamy Touré hatte überzeugt, während der Argentinier zuletzt sichtbar schwächelte. Für Hütter freilich kein Grund, an Abraham zu zweifeln. „Er ist unser Kapitän, und er wird sich wieder zurück kämpfen.“ Im Übrigen sei er, Hütter, „der Letzte, der jemanden fallen lässt“. Und wenn Touré am Freitag nicht spielen sollte trotz seines guten Spiels gegen den BVB, „dann zeigt es doch, welch hohes Niveau wir haben“, sagte Hütter.

Dennoch wird der Coach nicht umhin könne, harte Entscheidungen zu treffen, 20 Mann schaffen es nur in den Berliner Kader, fünf werden zu Hause bleiben müssen. „Das ist das Los eines Profis.“ Manchmal müsse eben „einer auch mal ins Gras beißen“.

In Frankfurt wird am Donnerstag zudem unweit des Frankfurter Stadions der Grundstein für die DFB-Akademie gelegt

von Thomas Kilchenstein

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