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Eintracht Frankfurt ist plötzlich mitten im Abstiegskampf.

SGE-Köln

Eintracht Frankfurt (SGE): Nach Debakel gegen 1. FC Köln im Abstiegskampf

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    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verliert desaströs mit 2:4 gegen den 1. FC Köln. Nun befindet die SGE sich mitten im  Abstiegskampf und geht schweren Zeiten entgegen.

Als der gute Schiedsrichter Deniz Aytekin die auf den Kopf gestellte Begegnung im Frankfurter Stadtwald beendete, ging Eintracht-Profi Martin Hinteregger zu Boden. Einfach so. Ausgepumpt, ausgeknockt, leer. Ausgerechnet er, der tapfere Recke, als Sinnbild für den Niedergang. Die Zuschauer pfiffen lauthals, erstmals seit langer, langer Zeit, auch als sich die Mannschaft vor die Kurve begab, wurde sie niedergepfiffen. Trainer Adi Hütter eilte schnellen Schrittes in den Bauch der Arena. Nur weg vom Ort der Demütigung. 2:4 (2:1) hat der Frankfurter Bundesligist auch sein letztes Heimspiel in diesem Jahr in den Sand gesetzt, dieses Mal gegen das Kellerkind 1. FC Köln. Willkommen im Abstiegskampf. 

Eintracht Frankfurt geht schweren Zeiten entgegen

Eine bittere Pleite, die nach einer halben Stunde und einer 2:0-Führung kaum jemand erwartet hatte. Doch die Eintracht hat sich diese siebte Niederlage im neunten Pflichtspiel selbst zuzuschreiben, und zwar mit einem ängstlichen, leblosen und letztlich indiskutablen Auftritt im zweiten Durchgang. Eintracht Frankfurt geht schweren Zeiten entgegen, die letztjährigen Überflieger sind längst auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet und müssen nun aufpassen, nicht ganz abzustürzen. Es droht der sportliche Kollaps, der totale Zusammenbruch. 

„Es ist am Ende auch eine mentale Frage“. sagte Torwart Felix Wiedwald, „wir müssen in der Winterpause unseren Tank auffüllen.“ Mittelfeldspieler Dominik Kohr ergänzte: „Es war ein verdienter Sieg für die Kölner, wenn man die zweite Halbzeit sieht. Köln hat sich nie aufgegeben, da kann man nur gratulieren.“ 

Trainer Adi Hütter hatte seine Mannschaft erneut durchgemischt, nachdem er auf Schalke noch ein halbes Dutzend Änderungen vorgenommen hatte, rotierten am Mittwoch fünf neue Spieler in die Anfangself. Wiedwald ersetzte logischerweise den verletzten Frederik Rönnow in der Kiste, Makoto Hasebe, Daichi Kamada, Dominik Kohr und Goncalo Paciencia ergatterten ebenfalls einen Platz, insgesamt war die Gesamtausrichtung sehr viel offensiver als noch in Gelsenkirchen. Das ergibt ja auch irgendwie Sinn, wenn man mal wieder einen Spiel gewinnen will. 

Eintracht Frankfurt mit starkem Beginn

Das Personal wählte sogleich eine forsche Herangehensweise, nach nur sechs Minuten war es der stürmende Verteidiger Martin Hinteregger, der die Führung für die Platzherren erzielte. Nach einer Ecke des starken Filip Kostic hatte der Österreicher sogar die Zeit, den Ball mit dem Oberschenkel zu stoppen und ihn dann mit links in den Maschen zu versenken (6.). Es war bereits Hintereggers sechster Saisontreffer. Damit schloss er in der internen Reihenfolge zu Stürmer Goncalo Paciencia auf, zumindest vorläufig. 

Die Eintracht blieb die klar tonangebende Mannschaft, gerade die Hereinnahme des Abräumers Kohr hatte sich anfangs als cleverer Schachzug erwiesen, der 25-Jährige gab der Mannschaft mit seiner Präsenz am Anfang Halt. Zudem präsentierte sich Filip Kostic in guter Verfassung, der Serbe spielte im ersten Abschnitt mit dem armen Benno Schmitz Jo-Jo. Der Kölner Rechtsverteidiger konnte den dynamischen Frankfurter Flügelmann nicht stoppen. Um sein neuntes Pflichtspieltor vorzubereiten, musste der 27-Jährige gar kein Solo hinlegen, sondern nur eine Ecke schießen. Das kann er auch ganz gut. Seine Hereingabe verwertete Angreifer Paciencia per Kopf zum 2:0 (30.) und zog damit in der Schützenliste wieder an Abwehrkante Hinteregger vorbei. Der Portugiese sprintete nach formvollendetem Jubel sodann zur Ersatzbank, ließ sich das Trikot von Lucas Torro reichen und hielt es weithin sichtbar in die Luft. Eine feine Geste. Mitspieler Torro fällt mit einem Innenbandriss im Knie drei, vier Monate lang aus. Da sah alles noch so aus, als ginge alles seinen Gang und die Eintracht könnte sich aus der misslichen Gesamtlage befreien. 

Von dem Vorletzten aus der Domstadt war nicht viel zu sehen, außer Almamy Touré kam ins Spiel. Der Franzose, der schon am Sonntag auf Schalke das 0:1 mit einem sinnfreien Dribbling verschuldet hatte, wirkte merklich verunsichert. Der 23-Jährige war es auch, der die Kölner zurück ins Spiel brachte, auch wenn das doch recht unglücklich war. Touré hielt seinen Kopf in einen Distanzschuss des FC-Kapitäns Jonas Hector und fälschte die Kugel so unglücklich ab, dass Eintracht-Torwart Wiedwald sie unverrichteter Dinge hinein ins Tor rauschen lassen musste. Ein Genickschlag eine Minute vor der Halbzeit, an dem die ohnehin labile Mannschaft natürlich schwer zu knabbern hatte. Zu allem Überfluss war auch Sebastian Rode schon nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselt worden, für ihn kam der abermals schwach agierende Djibril Sow.

Eintracht Frankfurt in Halbzeit zwei: Als hätte jemand den Stecker gezogen

Im zweiten Abschnitt präsentierten sich die Frankfurter dann, als hätte jemand den Stecker gezogen – so ähnlich wie es schon im Europapokal gegen Guimaraes war, kurioserweise bei identischem Spielstand. Der FC kam stärker auf, witterte seine Chance, und die Hessen verfielen in ihren alten Modus, wichen zurück statt zu attackieren, versteckten sich statt aufzudrehen. Coach Hütter hatte auch nicht das beste Händchen, als er, offenbar um das knappe Ergebnis über die Zeit zu retten, Verteidiger Evan Ndicka für Goncalo Paciencia brachte. Das falsche Signal. Fortan geriet noch mehr aus den Fugen. 

Die Eintracht näherte sich dem kollektiven Zusammenbruch. Und die Kölner spielten immer mutiger nach vorne, und so passierte, was passieren musste. Sebastian Bornauw egalisierte die Eintracht Führung (72.) und Dominick Drexler machte den Frankfurtern mit dem 2:3 den Garaus (81.), Ismail Jakobs mit dem 2:4 den Deckel drauf (90.). Die verdiente Quittung für einen passiven und hasenfüßigen Auftritt auf allen Ebenen. Die Eintracht geht verdammt schweren Zeiten entgegen.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Nach der Heimpleite gegen Köln schlittert die SGE in den Abstiegskampf. Trainer Adi Hütter steht in der Kritik, er allein ist aber nicht das Problem von Eintracht Frankfurt, kommentiert Ingo Durstewitz für fr.de.*

Die DFL hat übrigens die Bundesliga-Spieltage 22 bis 28 terminiert. Eintracht Frankfurt spielt im Zeitraum von Anfang Februar bis April nur ein Mal samstags.

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