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Ein Bild aus glücklichen Tagen; Filip Kostic hat gerade das 1:0 beim späteren 5:1-Triumph gegen die Bayern erzielt.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt mit dem Rücken zur Wand

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Im November noch besiegte Eintracht Frankfurt den FC Bayern München mit 5:1, doch danach ging es stetig bergab. Das Rückspiel wird zur Belastungsprobe, doch Trainer Adi Hütter will von einer Krise nichts wissen.

Es ist tatsächlich erst ein halbes Jahr her, dass Eintracht Frankfurt den großen FC Bayern, „das Nonplusultra des deutschen Fußballs“ (Trainer Adi Hütter), so mir nichts, dir nichts aus dem Stadtwald geschossen hat. Das triumphale 5:1 von jenem 2. November des vergangenen Jahres ist allen, die es mit den Hessen halten, noch in Erinnerung. Und bei Niko Kovac natürlich auch, es war sein letztes Spiel als Trainer beim Abonnementmeister, danach musste er gehen, und Hansi Flick, der Assistent, wurde zum Chef.

Eintracht Frankfurts Triumph gegen die Bayern ist Vergangenheit

Dieses spektakuläre Spiel liegt sechs Monate zurück, erst sechs Monate, doch es wirkt mittlerweile, als stamme die Partie aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Epoche. Ein Wendepunkt. Es hat sich viel getan seitdem, in der Welt, im Fußball, bei Eintracht Frankfurt, bei Bayern München: Die gedemütigten Bajuwaren, seinerzeit mit 18 Punkten auf Rang vier abgerutscht, starteten danach formidabel durch; die Hessen, die an jenem zehnten Spieltag lediglich mit einem Zähler Rückstand auf die Bayern auf Rang sieben lagen, ihrer nach wie vor besten Platzierung der laufenden Saison, stürzten dagegen gnadenlos ab. Mittlerweile beträgt der Rückstand auf den Münchner Tabellenführer erstaunliche 30 Punkte, die Frankfurter taumeln mit 28 Zählern in Richtung dunkle Gefilde. Trainer Adi Hütter wollte gestern die Wahrheit nicht aussprechen, er mied das Wörtchen Krise, er sagte stattdessen: „Wir sind nicht zufrieden.“

Eintracht Frankfurt: Nach dem Sieg gegen die Bayern ging's bergab

Der wunderschön herausgespielte Sieg aus dem November, man muss es so sagen, hat Eintracht Frankfurt nicht eben beflügelt. Nach der Gala im Wald haben die Frankfurter bis zur Winterpause kein einziges Spiel mehr gewonnen, aus sieben Spielen lediglich einen Punkt ergattert, beim 2:2 gegen Hertha Berlin, sechs Partien gingen verloren. Dem guten Start nach der Winterpause, in der Hütter die Mannschaft taktisch – kurzfristig erfolgreich – von Dreier- auf Viererkette umgerüstet hatte, mit zehn Punkten aus vier Spielen, folgte ein erneuter Einbruch in der Liga mit weiteren vier Spielen ohne einen einzigen Sieg. Seit jenem Spiel gegen die Bayern haben die Frankfurter aus den folgenden 15 Bundesligaspielen, in denen es 45 Punkte zu gewinnen gab, ganze elf Zähler geholt. Das ist – mit Verlaub – die Bilanz eines akut abstiegsgefährdeten Klubs. Diese miese Statistik wurde ein wenig vernebelt durch Erfolge in DFB-Pokal und Europa League, etwa mit Siegen gegen den FC Arsenal, FC Salzburg, RB Leipzig oder zuletzt Werder Bremen. Die Hessen sind weiterhin in drei Wettbewerben vertreten, ein Sieg noch, dann stünden sie zum dritten Mal binnen vier Jahren in einem Pokalfinale, das ist aller Ehren wert und kommt ganz sicher auch nicht zufällig. In der Bundesliga aber, im wichtigen Brot-und-Butter-Geschäft, läuft es allerdings erstaunlich unrund – da mögen (zu viele) Platzverweise, unglückliche Entscheidungen, Sperren, Schlafmützigkeit und Pech die Gründe sein. Fakt ist: Eintracht Frankfurt ist, wie Mittelfeldmotor Sebastian Rode sagte, „in einen Strudel geraten“, der einen geradewegs nach unten ziehen kann.

Die Partie heute Abend (18.30 Uhr) beim FC Bayern, zu der die Frankfurter, anders als sonst, erst am Spieltag einfliegen werden, ist nicht dazu angetan, wahnsinnig viel Zuversicht zu versprühen. Trauben können kaum höher hängen als beim FC Bayern, „dem Maß aller Dinge“, wie Hütter lobt, „viele Schwachstellen haben sie nicht“. Und doch wird sein Team alles daransetzen, halbwegs ungerupft den Trip nach Fröttmaning zu überstehen und sich nach Möglichkeit auch das bislang solide Torverhältnis (minus fünf) nicht gänzlich zu verhageln.

Eintracht Frankfurt: Adi Hüter bekommt Rückendeckung

Der zuletzt in die Kritik geratene Fußballlehrer Hütter, der sich über das jüngst demonstrativ von Sportdirektor Bruno Hübner ausgesprochene Vertrauen „gefreut“, es aber auch „erwartet“ hatte, baut auf einen Lernprozess bei seinen Spielern. Der missratene Kaltstart vor Wochenfrist gegen Borussia Mönchengladbach (1:3) mit frühen Toren in den ersten sieben Minuten, die Rode drastisch als „Tritt in die Eier“ umschrieben hatte, soll ein letzter Wachrüttler gewesen sein. Hütter: „Dieses Spiel hat gezeigt, dass noch einiges fehlt.“ Hellwach müsse man sein, von der ersten Minute an, denn die Eintracht, so die Marschroute, muss „die Anfangsphase in München gut überstehen“. Schlafmützigkeit und Unkonzentriertheit wie zuletzt müsse sein Team schnellstens ablegen; er habe das Gefühl, sagte Hütter, dass die Mannschaft das begriffen habe. „Nach dem Gladbach-Spiel waren alle angefressen“, in dieser Trainingswoche habe es keinen Grund zur Klage gegeben, die Mannschaft habe sehr engagiert und sehr leidenschaftlich mitgezogen. „Wir müssen uns an den kleinen Dingen nach oben ziehen“, vermutet der 50 Jahre alte Österreicher nicht zu Unrecht. Immerhin habe man erneut eine komplette Woche intensiv taktisch arbeiten können. Eintracht Frankfurt, das hat Hübner kürzlich betont, sei nun mal ein Team, das ein ordentliches Mannschaftstraining benötige, um Automatismen und Laufwege einzustudieren.

Adi Hütter fordert einen konzentrierten Auftritt

Der Fokus sei trotz der immensen Schwere der Aufgabe „ganz klar“ auf die Bayern gerichtet, selbst wenn „dort uns keiner was zutraut“. Aber natürlich hat Adi Hütter „die Augen auch auf die kommenden Wochen gerichtet“. Da geht es für die Eintracht darum, die erforderlichen Zähler für den Klassenerhalt einzufahren, am Dienstag zu Hause gegen den SC Freiburg, am Samstag beim VfL Wolfsburg, ehe es am 3. Juni zum Nachholspiel gegen Werder Bremen geht. Es werden auch für den Trainer Adi Hütter entscheidende Spiele um seine nähere Zukunft in Frankfurt werden. Die Begegnung heute im leeren Münchner WM-Stadion ist eine, die ein Coach noch folgenlos verlieren kann – danach freilich sollten die Hessen mit dem Rücken zur Wand rasch punkten. Der Druck wird ja nicht geringer in diesen vielzitierten (Englischen) Wochen der Wahrheit. Hütter bleibt dessen ungeachtet optimistisch: „Es fehlen nur Nuancen, um die nötigen Punkte zu holen.“

Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Kapitän David Abraham, der gegen Gladbach humpelnd ausgewechselt wurde. Dominik Kohr fällt aufgrund seiner fünften Gelbe Karte ohnehin aus, Stürmer Goncalo Paciencia ist nach seiner Muskelblessur noch nicht einsatzbereit. Unabhängig vom Personal fordert Adi Hütter von seinen Schützlingen einen konzentrierten und engagierten Auftritt. „Wenn die Leistung nicht stimmt, kann es in München sehr unangenehm werden.“ Beim letzten Auftritt in München kassierten die Frankfurter nach einer mutlosen Vorstellung eine 1:5-Klatsche.

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