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Begeistert von Mentalität und Auftreten des „Zweitlieblingsklubs“ Eintracht Frankfurt: Vorstand Axel Hellmann.

Finanzen

Eintracht Frankfurt: 200 Millionen Euro Umsatz möglich

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    Ingo Durstewitz
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Die Eintracht wird den Umsatz nach der „sehr guten Saison“ auf mehr als 200 Millionen steigern.

Am Dienstagnachmittag hat sich Eintracht Frankfurt fast mit kompletter Kapelle auf ihre sechstägige Abschlussfahrt nach China gemacht. Gut zehn Stunden Flug und knapp 10 000 Kilometer später sind sie in Foshan gelandet, wo neben allerlei PR-Terminen, etwa in Hongkong, am Freitag ein Spiel gegen den VfL Wolfsburg (14 Uhr, live Sport 1) ausgetragen wird. Lediglich Evan Ndicka (Teilnahme an U20-WM), Sebastien Haller (Behandlung), Timothy Chandler (wird Vater) sowie die verletzten Sebastian Rode und Taleb Tawatha, dessen Kontrakt übrigens nicht bis 2019, sondern noch bis 2020 läuft, traten den Trip ins Reich der Mitte nicht an. Auch Marketingvorstand Axel Hellmann blieb zu Hause, und das hat unmittelbar mit dem Abschneiden der Profimannschaft zu tun. Denn der siebte Platz und die damit einhergehende Ochsentour durch Europa ab dem 25. Juli hat die Planungen nicht nur erschwert, sondern auch deutlich umfangreicher gemacht. „Wir müssen einige Dinge vorziehen.“

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Dessen ungeachtet liegt nach Auffassung von Hellmann eine „sehr, sehr gute Saison“ hinter der Eintracht, er empfindet den siebten Rang als „eine gerechte, gute und faire Platzierung“. Natürlich könne er jene verstehen, die im ersten Augenblick geknickt waren, „weil die Hand schon an der Champions League war“, andererseits entsprachen die ersten vier Spiele und die letzten sechs eher dem Niveau eines Abstiegskandidaten, die 24 dazwischen allerdings dem eines Meisterschaftsanwärters. Und die gesamte Saison wurde eingerahmt von zwei Spielen gegen Bayern München, in der Eintracht Frankfurt jeweils fünf Tore kassierte, im Supercup 0:5, im 34. Bundesligaspiel 1:5. Zudem müsse man feststellen, dass es am Ende „wieder einen Leistungseinbruch gegeben“ habe. Warum dies zum wiederholten Male so sei, darüber mache sich die Sportliche Leitung Gedanken. „Dafür werden sie gut bezahlt“. Insgesamt, so der Marketingvorstand, „kann ich mit dem siebten Platz gut leben.“

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Hellmann kann deswegen so gut leben damit, weil die Hessen ansonsten „alle Vögel abgeschossen haben, die es gibt“: Das Umsatzvolumen wurde auf noch nie erreichte 170, vielleicht sogar 180 Millionen Euro gesteigert, alles ohne Transfererlöse. 35 bis 40 Millionen stammten davon aus den europäischen Auftritten. Mit diesen 170, 180 Millionen, mit „denen wir eine Umsatzschallmauer durchbrechen“, befände sich Eintracht Frankfurt im Ranking innerhalb der Liga auf einem „fünften, sechsten Platz“ – extern bezuschusste Klubs wie RB Leipzig oder den VfL Wolfsburg klammerte Hellmann explizit aus. Mit Transfererlösen sei für die Eintracht selbst ein Umsatzvolumen von 200 Millionen Euro und mehr keine Überraschung. Dazu wurde der Zuschauerschnitt auf 49 700 erhöht, die größte Anzahl an Trikots in der Vereinsgeschichte verkauft, fuhren in Europa am meisten Fans zu den Auswärtsspielen. „Wir wachsen auf allen Feldern“, jubelt Hellmann, Logen, Business-Seats, Bandenwerbeflächen - alles wird ausverkauft sein. Dazu hat sich die Eintracht, die inzwischen 75 000 Mitglieder zählt, dank ihrer furiosen Europapokalnächte zum „Zweitlieblingsklub“ vieler Menschen gemausert, auch solch weiche Faktoren „streicheln die Frankfurter Seele, wir waren in den zurückliegenden Jahrzehnten ja nicht auf einer Welle der Anerkennung und der Erfolge unterwegs“.

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Dauerkarte für Europa

Mit 73 Millionen Euro TV-Geld kann der Klub in der neuen Saison rechnen, in der TV-Tabelle steht die Eintracht auf Platz acht, hat Berlin und Bremen überholt, Schalke ist knapp davor. „Wir sind ein kerngesunder, starker Verein“, sagt Hellmann, „aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir keinen einzigen Spieler verkaufen“. Dass die Eintracht das, wie wahrscheinlich im Fall Luka Jovic, dennoch macht, ist den Begehrlichkeiten der Topklubs geschuldet. Wer die Chance habe, acht, neun, zehn Millionen Euro zu verdienen, der sei nicht zu halten. Diese Saison werde man, so oder so, „mit einem ordentlichen Gewinn abschließen“, sagt Hellmann.

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Er verspricht zudem, auch die Qualifikationstour durch Europa ernstzunehmen. „In Poloshirt und Hawaiihemd wird keiner kommen.“ Eher wieder im eigens angefertigten Europacup-Anzug. Diese Ernsthaftigkeit, diese Symbolik habe sich auf die Mannschaft übertragen. Er glaubt zudem nicht, dass sich bei der Anhängerschaft eine gewisse Übersättigung einstellen wird, im Gegenteil: „Das Ding geht durch die Decke.“ Er geht davon aus, dass das Stadion selbst in der Ferienzeit nahezu voll sein wird. Dazu wird die Eintracht nicht nur die Zahl der Dauerkarten um 1000 auf 31 000 erhöhen, sondern zudem eine spezielle Europapokal-Dauerkarte ab Mitte Juni auflegen. Und dass sie ab Mitte September erneut in der Gruppenphase für Furore sorgen wird, davon geht Hellmann fest aus: „Ich kann mir ein Ausscheiden nicht vorstellen. Wir können nur an uns selbst scheitern.“

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