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Der neue an der Seitenlinie beim FC Augsburg: Martin Schmidt.

Gegner der Eintracht

Martin Schmidt soll den FC Augsburg retten

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Der Ex-Mainzer Martin Schmidt ist zurück auf der Bundesliga-Bühne - und hat eine Mission.

Es ist jetzt schon sieben Monate her, da hat Martin Schmidt in der „Neue Zürcher Zeitung (NZZ)“ bemerkenswert offen über sich und sein Leben parliert. Hat erzählt, wie er nach seiner Entlassung beim VfL Wolfsburg in seinen Kleiderladen nach Brig, nach Italien in die Ferien und auch oft nach Deutschland gefahren ist, schließlich hatte er noch eine Wohnung in Wolfsburg. „Ich machte, was sonst unmöglich ist: viel lesen, vier fünf, fünf Zeitungen pro Tag.“ Er wollte damit zurück in die normale Welt, und was er alles in der rastlosen als Fußballlehrer vermisst habe, merkte er, als er seine Nichte traf. „Ich hatte ein Bild von ihr als kleines Mädchen im Kopf. Jetzt ist sie eine Frau.“

Der Trainer Schmidt sinnierte auch darüber, dass es ihm gehen könnte wie damals in der Autogarage. Von einem Tag auf den anderen ist er zur Erkenntnis kommen, dass es einfach genug ist. Auch nach der Fußballzeit könne er sich vorstellen, noch was ganz anderes zu machen. „Ich habe zum Beispiel keine Kinder. Ich kann mir vorstellen, eines Tages nur Vater zu sein. Oder ich könnte Referate halten.“ Der 51-Jährige hörte sich wirklich so an, als ob er lieber heute als morgen ausbrechen würde aus der Tretmühle des Profifußballs, die meist nur von Spiel zu Spiel hastet. „Ich will aus dem Schachteldenken raus.“ Seine Kernbotschaft stand damals in der Überschrift: „Ich hatte drei Leben, ich will jetzt ein viertes, ein fünftes.“ Doch aus dem Fast-Aussteiger Martin Schmidt ist seit dem vergangenen Mittwoch wieder der Einsteiger geworden. Angeheuert als Retter des akut abstiegsgefährdeten FC Augsburg.

Martin Schmidt zurück in der Bundesliga

Im Frankfurter Stadtwald werden die Fotografen am Anfang vor allem ihn ablichten. Der Mann, der an Autos schraubte, Extremskirennen fuhr, sich siebenmal das Kreuzband riss, für einen Nacktkalender posierte, mit einem viel jüngeren Model zusammenlebte, kehrt mit dem Auswärtsspiel bei der Eintracht zurück auf die Bundesliga-Bühne. Nach Mainz und Wolfsburg kommt jetzt Augsburg als Station dazu. Viele sagen: So früh wie einst im östlichen Niedersachsen darf der 51-Jährige nicht bei den bayrischen Schwaben scheitern, sonst könnte es passieren, dass das Trainer-Karussell einen schrägen Typen wie ihn abwirft.

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Immerhin: An seinem ersten Arbeitstag in der Fuggerstadt hat der aus Naters im Oberwallis stammende Schmidt die Menschen abgeholt. Als er in roter FCA-Jacke im Stile eines Feuerwehrmannes auf den Trainingsplatz strebte, rief ihm ein älterer Fan den Ernst der Lage zu: „Wir wollen bei Frankfurt drei Points, gell!“ Schmidt nickte lächelnd, schaute in den wolkenverhangenen Himmel und entgegnete: „Und überall Sonne.“ Was an diesem Tag nicht stimmte.

Mit Mut, ohne Angst

Die Klimaverbesserung soll er besorgen. Indem er nicht so verkopfte taktische Vorgaben wie sein Vorgänger Manuel Baum erstellt, die eine Mannschaft auch überfordern können. Schmidt soll wieder emotionalen Antreiber geben, der er in seinen guten Mainzer Tagen war. Der Leidenschaft predigt, die Lust auf Fußball vorlebt.

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Eigentlich hatte Schmidt ja geglaubt, nach seiner Trennung von den Nullfünfern im Sommer 2017 - die Rheinhessen hatten sich erst kurz vor Saisonende gerettet - mit den viel, viel besseren (finanziellen) Rahmenbedingungen beim VfL Wolfsburg bereits den nächsten Schritt machen zu können. Doch es hat einfach nicht gepasst. Ende September 2017 fing er an, im Februar 2018 war schon wieder Schluss. Die ständige Fluktuation, die fehlende Identifikation wirkten wie ein tödliches Gift für seinen Ansatz. Früh reifte die Einsicht beim Schweizer Überzeugungstäter: „Ich war dort nicht der beste Schmidt, der ich sein kann.“

Stefan Reuter und die große Zäsur

Aber kann er das in Augsburg? Mit der großen Zäsur, die Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter vornahm, hat sich der FCA zwar einerseits von Ballast befreit, aber andererseits auch den Druck auf den neuen Trainer geladen. Der VfB Stuttgart könnte im Ringen um den Relegationsplatz ein gefährlicher Gegner sein, da die individuelle Qualität im Kader eher besser als schlechter erscheint. Notfalls muss Schmidt den Nervenkitzel der Relegation annehmen, um das Minimalziel zu erreichen. Aber was hat er damals im „NZZ“-Interview auch noch gesagt: „Ich werde jeden neuen Job mit Mut und Risiko und ohne Angst vor dem Scheitern angehen.“ Vielleicht hat er damals doch gewusst, dass er vorerst im Fußball bleibt.

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