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Eintracht Frankfurt hat keine Angst vorm Ausverkauf

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Von: Ingo Durstewitz

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Manager Markus Krösche sieht Eintracht Frankfurt trotz auslaufender Verträge und schwierigen Verhandlungen für die Zukunft gut gerüstet.

Die Winterferien konnte Markus Krösche dieses Mal sogar einigermaßen entspannt genießen. „Eigentlich“, hebt der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht an, „hast du in dieser Position nie Urlaub“, doch weil die Wüsten-WM ja alles so ein bisschen durcheinander gewirbelt hat, konnte sich der 42-Jährige ab Mitte Dezember mal ein paar Tage in New York mit der Familie genehmigen. „Es war gut, mal rauszukommen“, bekundet der Manager. Zumal: „Der Transfermarkt war ruhiger als sonst.“ Daran hat sich nichts geändert.

Klar, Gerüchte ranken sich immer, um den Offensivartisten Jesper Lindström etwa oder Himmelsstürmer Randal Kolo Muani, der ein furioses Turnier mit Frankreich gespielt hat und sich um ein Haar unsterblich gemacht hätte. Doch selbst bei dieser heißen und millionenschweren Personalie ist Krösche cool. Es ist, wie ist es, nämlich so: Kein Leistungsträger wird im Winter abgegeben. Auch Kolo Muani nicht. „Er bleibt“, stellt der Sportchef klar. Das gilt auch für alle anderen.

Entspannt und cool trotz vieler Gerüchte: Sportvorstand Markus Krösche. Foto: Hübner
Entspannt und cool trotz vieler Gerüchte: Sportvorstand Markus Krösche. © Jan Huebner

Borré gibt alles für Eintracht Frankfurt

Selbst ein unzufriedener Spieler wie Stürmer Rafael Borré soll nicht von Bord gehen. Berichte aus Südamerika, wonach der Berater des Profis mächtig trommelt und der Eintracht respektloses Verhalten dem Akteur gegenüber vorwirft, nimmt Krösche achselzuckend zur Kenntnis. „Ich weiß nicht, ob da etwas interpretiert wurde und ob das so gefallen ist“, sagt er leicht verwundert. Denn das Verhalten des Kolumbianers auf dem Trainingsplatz sagt etwas anderes. „Das ist konträr zu dem, was da behauptet wird.“ Borré haut sich in der Tat in jeder einzelnen Einheit rein, als gäbe es kein Morgen. Mehr Einsatz und Engagement sind nur schwerlich möglich. „Es gibt keine Anzeichen, dass er sich nicht respektiert oder unwohl fühlt“, befindet Krösche. „Im Gegenteil.“

Doch natürlich weiß der Vorstand, dass sich der 27-Jährige etwas anderes erhofft als ein paar Minuteneinsätze, zumal er in der vergangenen Saison gesetzt war und durch entscheidende Tore großen Anteil am Europa-League-Triumph für sich verbuchen kann. „Die Situation ist nicht einfach für ihn, er läuft nicht mit einem breiten Grinsen durch die Gegend“, wirft Krösche ein.

Dazu hat Borré zu wenig gespielt und zu wenig bewirken können. „Er ist aber hochprofessionell und ein wichtiger Spieler“, findet der Manager, der davon überzeugt ist: „Du kriegst das zurück, was du investierst.“ Das wäre im Fall Borré eine Menge. Andererseits blockiert halt Kolo Muani seinen Platz in der Spitze, weshalb Trainer Oliver Glasner den Südamerikaner sogar schon auf den Halbpositionen testete. Klar ist auch: Sollte eine Offerte im zweistelligen Millionenbereich hereinflattern, würde sich die Eintracht bewegen und den Spieler freigeben.

Torwart Trapp soll noch lange bei Eintracht Frankfurt bleiben

Das sieht bei Kevin Trapp freilich ganz anders aus. Die Galionsfigur im Kasten soll noch lange in Frankfurt bleiben und auch nach der Laufbahn, die noch ein paar Jährchen gehen wird, eingebunden werden. Doch die Verhandlungen über eine Ausdehnung des bis 2024 laufenden Kontrakts sind ins Stocken geraten, zuletzt herrschte dicke Luft zwischen der Berateragentur des Keepers und der Frankfurter Sportführung. Über ein etwaiges Interesse der Bayern am Schlussmann sagte Markus Krösche nämlich im „Wiesbadener Kurier“: „Eine von den Beratern fingierte Geschichte, völliger Blödsinn.“

Jetzt, in Dubai, rudert er zurück. Er sei da „falsch wiedergegeben“ worden, er könne durchaus verstehen, dass Berater Volker Struth not amused gewesen sei. „Das kann ich nachvollziehen.“ Der Agent war sogar mächtig verschnupft. Doch die Dissonanzen seien nun nichts, was sich nicht aus der Welt räumen ließe. „Volker und ich kennen uns sehr lange.“

Laut Krösche ist „die Grundeinstellung“ beider Parteien vorhanden, langfristig miteinander arbeiten zu wollen. Das sei entscheidend. „Kevin genießt extrem hohe Wertschätzung bei uns“, sagt er. „Wir haben keinen Druck, sind im Austausch, mal sehen, wie schnell es geht.“

Sow nächster ablösefreier Abgang für die SGE?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Zukunft von Djibril Sow, dessen Vertrag ebenfalls bis 2024 läuft. Will die Eintracht ihren Leistungsträger dann nicht ablösefrei verlieren, gilt im Sommer: verlängern oder verkaufen. Ob der Schweizer überhaupt dazu bereit wäre, langfristig in Frankfurt zu bleiben, darf zumindest angezweifelt werden. Schon im vergangenen Jahr schlug er eine gut dotierte Offerte aus England aus. Doch irgendwann soll halt auch für eine treue Seele und einen klugen Kopf wie Sow Zahltag sein. „Jeder Spieler hat seine persönliche Karriereplanung“, sagt Krösche allgemein.

Das gilt auch für Daichi Kamada und Evan Ndicka, die den Verein im Juli mit hoher Wahrscheinlichkeit ablösefrei verlassen werden. „Wir haben ihnen aufgezeigt, wie wir sie sehen, wo wir hin wollen, wie unser Plan mit ihnen ist und welchen Part sie übernehmen sollen“, skizziert der Sportboss. „Wie sie sich entscheiden, werden wir sehen.“ Die Aussicht auf einen Verbleib sind in etwa im Promillebereich anzusiedeln. Ultimaten, stellt Markus Krösche dar, werde es dennoch keine geben. „Klar ist aber, dass irgendwann eine Entscheidung fallen wird.“

Eintracht Frankfurt: Krösche bleibt gelassen

Doch selbst wenn einige Stammkräfte abspringen würden, so hat die Sportliche Leitung keine Angst vor dem großen Ausverkauf im Sommer. „Ich habe keine Sorge um unsere Zukunft. Wir sind extrem interessant für unsere, aber auch für externe Spieler“, sagt Krösche. Das spüre er ganz deutlich im Markt, „wir werden positiv wahrgenommen“. Und es sei ja mitnichten so, dass „wir in der Ecke sitzen und warten, was passiert“, ganz im Gegenteil. „Wir sind vorbereitet.“

Ein Faustpfand, gerade im Hinblick auf „den Kampf um Talente“, sei die Glaubwürdigkeit. „Wir geben jungen Spielern die Plattform und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.“ Keiner werde mit leeren Versprechungen gelockt, sondern erhalte eine faire Chance, sich zu zeigen und sich zu entfalten. Zudem: „Auch die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, kommt an.“

Eintracht Frankfurt habe eine „eigene Identität“ entwickelt. „Wir stehen für Mut, Aktivität und Offensive“, zählt Krösche auf. „Wir wollen Spaß machen.“ Der Sicherheitsgedanke werde eher kleingeschrieben, „wir spielen lieber 5:3 als 1:0. Der Sinn des Fußballs ist doch, Tore zu schießen.“ Diese Philosophie werde gelebt und komme gut an, gerade in Zeiten, da das fußballerische Level insgesamt, so auch bei der WM, arg „gesunken“ sei. „Viele beschränken sich nur auf das Verteidigen und Umschalten.“ Das sei nicht der Ansatz, den Eintracht Frankfurt verfolgen wolle.

Verhältnis von Eintracht Frankfurts sportlicher Führung intakt

Das Ganze wird orchestriert von Trainer Oliver Glasner, der mit seinem direkten Vorgesetzten nicht immer einer Meinung ist, stetig fordert und seinen eigenen Kopf hat – im Sinne des Erfolges. Auch Glasners Vertrag läuft bis 2024, doch Gespräche über eine Fortführung werden erst mal nicht geführt. „Wir wollen den Fokus auf die Rückserie legen, wir wollen wieder eine außergewöhnliche Saison spielen“, sagt Krösche. Danach werde man sich mit der Zukunft beschäftigen.

Grundsätzlich habe er zu Oliver Glasner ein total intaktes Verhältnis, „wir haben die gleichen Ziele, wollen das Maximum – das funktioniert sehr gut.“ Der Fußballlehrer sei ein wichtiger Baustein im Gebilde und leiste sehr gute Arbeit. Aber auch hier gelte: „Druck haben wir da jetzt nicht.“ Der kommt irgendwann, von ganz alleine.

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