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Mario Götze - der Ballstreichler

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Mario Götze ragt aus einer brillanten Eintracht-Offensive heraus, blockt dennoch alle Fragen zu einer Rückkehr ins DFB-Team ab: „Kein Thema.“

Frankfurt - Wer den Fußball mag, der sollte Mario Götze mögen, denn er, der Neuzugang von Eintracht Frankfurt, kann fast alles, was den Fußball schön macht - zwei Beispiele zu Beginn, die ansonsten in der Fülle an beispielhaften Ballaktionen beim 4:0 am Samstagabend gegen RB Leipzig unterzugehen drohen.

Mitte der zweiten Hälfte, erstens, schoss Eintracht-Torwart Kevin Trapp einen Abschlag auf Grasnarbenhöhe ins Mittelfeld hinein. Stramm, gewagt und in Richtung von Götze. Das Publikum raunte, das könne doch nicht gutgehen, so die Befürchtung. Es ging gut. Weil Mario Götze das Schwere einfach aussehen ließ, als er auf der einen Seite die Kugel und auf der anderen den Leipziger Gegner auf sich zudonnern sah. Er zuckte kurz, deutete ein Entgegenkommen an, das Abschirmen des Balles, um dann doch in einer fließenden Bewegung den Körper zu öffnen und die Kugel mitzunehmen in den Lauf. Der Leipziger rauschte vorbei, schaute verdutzt, die Fans johlten.

Der sich den Ball untertan gemacht hat: Mario Götze. Foto: Imago Images
Der sich den Ball untertan gemacht hat: Mario Götze. Foto: Imago Images © Thomas Frey/Imago

Mario Götze ragt heraus

Zweitens: Als der Druck der Gäste für den Moment recht groß war, Ecken und Freistöße in den Frankfurter Sechzehner flogen, bekam Götze den Ball am eigenen Fünfer. Und alle dachten: Hau bloß das Ding weg. Machte er nicht. Stattdessen, die Kugel runter, den Kopf hoch, zwei Schritte nach außen, ein Dribbling vorbei am Gegner, ein Pass zum rechten Verteidiger, Situation geklärt.

Mario Götze ragte aus einer starken Frankfurter Mannschaft, einer hervorragenden Eintracht-Offensive, noch ein Stück heraus. Er lief 11,5 Kilometer, die meisten aller Profis auf dem Feld, er brachte 79 Prozent seiner Pässe zu seinen Mitspielern – und darunter waren etliche Risikozuspiele. Er gewann elfmal in Zweikämpfen den Ball. Er leitete das 1:0 von Daichi Kamada mit einer Flanke ein, er schoss aufs Tor, so dass Tuta zum 3:0 abstauben konnte. Und zwischendurch streichelte er den Ball derart zart wie sonst nur Eltern ihr Neugeborenes. So prasselte hinterher viel Lob nieder auf den 30-Jährigen, verdientes Lob.

Allen voran bekam sich TV-Experte Lothar Matthäus gar nicht mehr ein: „Wie Mario Fußball gespielt hat: Freude, Lust, schlau, intelligent, sicheres Passspiel. Er hat immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Das ist der Mario, den wir uns immer wünschen und auch kennen. Ich wünsche ihm weiterhin diese Spiele, weil er uns allen Spaß macht.“ Götze stand daneben bei den Worten des ewigen Loddas, grinste, nickte dankend, er genoss.

Mario Götze setzt noch mal eins obendrauf

In der eigenen Analyse hob der für vergleichsweise kleines Geld aus Eindhoven geholte Spielmacher dann aber doch lieber die Leistungen der Kameraden hervor. „Die Charaktere in der Mannschaft, das Trainerteam, die Fans“, da komme viel zusammen, was derzeit positiv laufe für ihn und die Eintracht. „Das war eine beachtliche Vorstellung von uns, nah dran an perfekt.“

Götze setzte nach dem auch für ihn persönlich guten Auswärtsspiel in Bremen noch mal eins obendrauf. Nach unauffälligen Auftritten zu Saisonbeginn scheint er angekommen zu sein bei der Eintracht, mehr noch, er ist der Zielspieler für die Kollegen. Wissen sie nicht, wohin mit dem Ball, spielen sie Götze an. Er hebt derzeit nicht nur sein Niveau deutlich an, sondern auch das seiner Mitstreiter. Gerade im Zusammenspiel mit Daichi Kamada, dem zweiten Kreativen im offensiven Mittelfeld, flutscht es. Da wissen zwei, was der jeweils andere kann und plant, intuitiv passen sie sich die Bälle zu, technisch sauber. Beide profitieren voneinander und damit die ganze Truppe - etwa Randal Kolo Muani und Jesper Lindström, die nicht ganz so viel Passfertigkeit mitbringen, dafür aber das Tempo für die vom Trainer gewünschten Tiefenläufe. Im Angriff laufe alles „sehr harmonisch“ ab, sagte Kolo Muani, der bereits sechs Scorerpunkte in der Liga (zwei Tore, vier Vorlagen) gesammelt hat.

Doch zurück zu Mario Götze und Daichi Kamada (fünf Scorerpunkte, drei Tore, zwei Vorlagen) - dem neuen Traumduo von Eintracht Frankfurt? Oliver Glasner wollte darauf nicht eingehen, obwohl er sich selbstverständlich an der Fußballkunst seiner Kreativen erfreut haben wird. Lieber lobte der Trainer die zweite Offensivgarde, Rafael Borré und Ansgar Knauff, selbst den nicht zum Einsatz gekommenen Lucas Alario. „Es gibt Härtefälle“, so Glasner, „aber wenn ich sehe, dass Rafa reinkommt und sich sofort den Elfer schnappt“, dann gehe ihm das Herz auf.

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„Lasst Mario Mario sein“

Auch etwaige Nachfragen zu einer Rückkehr von Götze in die deutsche Nationalmannschaft, die in solch einer Form naheliegt, blockte der Frankfurter Trainer ab. „Lasst Mario Mario sein und den Teamchef seine Entscheidungen treffen. Lassen wir ihn in Ruhe.“ Netter Versuch, der bei anhaltender Topform des 30-Jährigen eher nicht aufgehen dürfte.

Götze jedenfalls wurde in verschiedensten TV-Interviews gleich mehrfach angesprochen auf einen möglichen Kontakt zu Bundestrainer Hansi Flick sowie die Ambitionen bezüglich einer Teilnahme an der Katar-WM. Seine Antwort: „Das ist für mich kein Thema. Darüber will ich auch nicht mehr reden. Ich konzentriere mich auf den Verein.“ Derzeit will Mario Götze einfach nur spielen. Für diejenigen, die den Fußball mögen, kann das nur gut sein. (Daniel Schmitt und Thomas Kilchenstein)

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