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Makoto Hasebe: Viel zu jung fürs Altenteil

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Von: Ingo Durstewitz

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Offenbar in einen Jungbrunnen gefallen: Makoto Hasebe. Foto: imago images
Offenbar in einen Jungbrunnen gefallen: Makoto Hasebe. Foto: imago images © IMAGO/HJS

Der unglaubliche Sportsmann Makoto Hasebe gibt auch mit fast 39 Lenzen bei Eintracht Frankfurt noch den Ton an.

Frankfurt am Main – Ein Hauch Niko Kovac wehte über das Areal des Waldstadions, Mittwochvormittag, 35 Grad im Schatten, und Oliver Glasner ließ seine Mannen einfach immer weiter spielen. Gnadenlos. Keine dreieinhalb Stunden, wie der frühere Eintracht-Marathonmann Kovac es gerne hatte, aber doch 135 Minuten. In der sengenden Sonne, bei brütender Hitze. „Anstrengend“, stöhnte Oldie Makoto Hasebe. „Aber für uns Profis kein Problem.“ Besser diese deutsche Hitze als die in seiner japanischen Heimat, findet der Libero. „Da ist es noch wärmer, die Luftfeuchtigkeit noch höher.“ Hasebe hat ein gutes Mittel bei diesen tropischen Temperaturen. „Ich trinke mehr als normal während des Trainings, drei, vier Flaschen Wasser.“

Für manch einen endete die intensive Einheit etwas früher, Stürmer Goncalo Paciencia wurde im Trainingsspiel nicht mehr gebraucht und durfte vorzeitig Schluss machen, was ihn nur mittelmäßig erfreute, und Randal Kolo Muani humpelte mit einem um das Becken gebundenen Tapeverband vom Feld. Ersatztorwart Diant Ramaj, ein ganz schöner Hitzeblitz im Kasten, hatte den Neuen einfach abgeräumt. Kann ja mal passieren.

Eintracht Frankfurt: Hasebe fit wie ein Turnschuh

Der 38 Jahre Hasebe federte hingegen fit wie ein Turnschuh vom Platz, doch aufgrund der außergewöhnlich heißen Witterung nimmt auch er Abstand von liebgewonnenen Gewohnheiten, das allabendliche Vollbad fällt aus, dafür geht es mit dem Nachwuchs ins Planschbecken. Gar kein Verständnis hat er für Kollegen wie Daichi Kamada oder Timothy Chandler, die die Sauna im Proficamp hochfahren und noch etwas nachschwitzen. „Das verstehe ich nicht“, sagt Hasebe lachend. Aber okay, selbst er, der weise Mann aus Nippon, muss ja auch nicht alles verstehen.

Der Routinier beklagt sich auch im hohen Fußballeralter nicht über die Plackerei in der Vorbereitung, er ist seit zwei Dekaden dabei, er weiß, wie der Hase läuft, er weiß, es gehört dazu. Es macht ihm auch nichts aus, selbst mit bald 39 nicht. Ein Phänomen, ein Wunder der Natur, irgendwie.

Für Hasebe schließt sich ein Kreis

Hasebe hat auf seine alten Tage noch eine ganze Menge vor, seine Motivation und Lust könnten ausgeprägter kaum sein. Das liegt in erster Linie an der Königsklasse, in der die Eintracht erstmals an den Start gehen wird. Für Hasebe schließt sich mit der Teilnahme ein Kreis. „Ich sage schon seit drei, vier Jahren, es ist mein Traum, mit Eintracht Frankfurt in der Champions League zu spielen.“ Der geht nun in Erfüllung. „Ich freue mich riesig.“

Er sagt das nicht einfach so, für ihn ist der höchste internationale Klubwettbewerb ein gewaltiger Ansporn, weshalb er sogar seine Trainerausbildung erst einmal ein wenig schleifen lässt. Den B-Schein hat er in der Tasche, von Oliver Glasner könne er sehr viel lernen und am Riederwald schaue er sich regelmäßig das Training der Nachwuchsteams an. „Aber jetzt konzentriere ich mich erst mal voll auf Fußball.“ Champions League und so.

Makoto Hasebe: Vielleicht noch ein Jahr?

Wer weiß, wie oft ihm das noch vergönnt sein wird. Jünger wird ja selbst der Methusalem nicht. Mit dem VfL Wolfsburg durfte der Bundesliga-Rekordspieler Asiens einst sechsmal in der Königsklasse antreten, unter anderem gegen Manchester United. Doch das liegt eine Weile zurück, satte 13 Jahre. Hasebe ist noch lange nicht satt, wer ihn im Training beobachtet, mit welch Ruhe und Klasse er auftritt, wie er seine Mitspieler coacht, immer Herr der Lage ist, der kann nur ehrfürchtig den Hut ziehen. Körperlich performt er auf höchstem Niveau. „Ich glaube, ich war mit 23 nicht so fit wie Makoto mit 38“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. Höchste Anerkennung schwingt in seiner Stimme mit.

In der Rückrunde wird er der älteste Eintracht-Feldspieler aller Zeiten sein, und vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran, wer weiß. „Ich sage ja schon seit fünf Jahren, das ist mein letztes Jahr“, sagt er lächelnd. Er würde es wohl auch jetzt wieder behaupten, aber er hält sich die Tür lieber einen Spalt breit offen. „Vielleicht ändert es sich noch mal.“

Makoto Hasebe ist Vorbild

Denn Hasebe spürt, dass er immer noch gefragt ist. Nicht in jedem Spiel, aber doch oft genug, wie im Finale, als er nach seiner Einwechslung eine blitzsaubere, famose Leistung zeigte. Alle Trainer versuchen es zwar erst mal ohne ihn, kommen aber an ihm dann doch nicht ganz vorbei. Dazu ist er zu wichtig, zu integrativ – und zu gut.

Der Vizekapitän ist mehr als nur ein Spieler, er ist der Trainer auf dem Feld, leuchtendes Vorbild für die jungen Spieler. Er nimmt die Rolle als Helfer gerne an, dem designierten Abwehrchef Tuta etwa erklärt er vieles über die korrekte Spieleröffnung. Aber er ist zu ehrgeizig, um seine Rolle nur als Unterstützer von der Bank aus zu sehen. Er wählt das Beispiel Martin Hinteregger aus der vergangenen Saison. „Hinti hatte eine schwere Zeit, da habe ich es besser gemacht und meine Qualität gezeigt“, sagt Hasebe. Das habe genau den gewünschten Effekt gehabt, nämlich den, dass auch Hinteregger wieder stärker wurde. „Ich habe ihn hochgezogen“, sagt Hasebe. Das kommt seiner Idealvorstellung ziemlich nahe. „Es herrscht ein guter Konkurrenzkampf, aber auch ein großes Miteinander.“ Genau so soll es sein, findet der alte Hase, im Januar 39, ein unglaublicher Sportsmann. (Ingo Durstewitz)

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