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Makoto Hasebe
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Makoto Hasebe in Aktion. (Archivfoto)

Interview

Kapitän Hasebe schwört Eintracht auf Endspurt ein: „Dürfen nicht alles kaputt machen“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht-Kapitän Makoto Hasebe spricht über Kritik an Trainer Adi Hütter, Erinnerungen an zwei Abtrünnige und die Vorteile des Quarantäne-Camps.

Herr Hasebe, jetzt befindet sich die Mannschaft im Quarantäne-Camp im Hotel. Nervt es schon, oder ist alles im grünen Bereich?

Nein, das nervt gar nicht. Im Gegenteil. Ich finde es sehr gut, gerade in unserer Situation. Wir haben jetzt noch zwei Spiele, da geht es um alles. Von daher ist es wichtig, dass wir alle zusammen sind und auch viel miteinander sprechen können. Kommunikation ist gerade jetzt sehr wichtig.

Ihre Frau und Tochter müssen die nächsten Tage auf Sie verzichten. Schon komisch, oder?

Ich war 15 Jahre lang mit der japanischen Nationalmannschaft gefühlt ständig unterwegs und weit weg von meiner Familie. Deswegen kennen wir diese Situationen.

Scherzhaft formuliert, hört sich das fast so an, als wären Frau und Tochter mal wieder froh, Ruhe von Ihnen zu haben.

Das wiederum hoffe ich nicht (lacht). Wir vermissen uns natürlich. Aber die Badewanne ist in den nächsten Tagen zumindest immer frei.

Stratege: Makoto Hasebe. (Archivfoto)

Zum Sportlichen: War die Mannschaft enttäuscht von ihrem Auftreten gegen Mainz (1:1) und auch, dass sie die gute Ausgangslage verspielt und die Qualifikation für die Champions League nicht mehr in der eigenen Hand hat?

Nach dem Spiel gegen Mainz war die Enttäuschung groß, klar. Aber es ist noch nicht vorbei. Wir haben es zwar nicht mehr in der eigenen Hand, aber ich denke, wir haben noch eine große Chance. Davon bin ich überzeugt.

Makoto Hasebe glaubt noch an Einzug von Eintracht Frankfurt in die Champions League

Die Leichtigkeit und der Spielwitz sind dem Team abhanden gekommen. Weshalb?

Nehmen wir das Spiel gegen Mainz. Die standen sehr, sehr tief in der eigenen Hälfte. Wir haben uns gegen solche Mannschaften schon immer schwer getan, auch in der Rückrunde. In Bremen etwa hatten wir auch 70 Prozent Ballbesitz, aber keine guten Lösungen gefunden, weshalb wir am Ende dort verloren haben. Gegen Mainz hatte ich ein ähnliches Gefühl. Man muss aber klar festhalten, dass uns in den letzten Spielen die letzte Konsequenz gefehlt hat. Das muss sich wieder ändern.

Oder belastet die Situation mit dem scheidenden Trainer, der vor vier Wochen seinen Abschied angekündigt hat. Seitdem gab es nur noch einen Sieg und vier Punkte aus vier Partien.

Ich weiß, das ist die Meinung von vielen. Ich verstehe das auch. Aber ich möchte Ihnen etwas erzählen.

Bitte sehr.

Ich habe eine solche Situation schon zweimal zuvor erlebt. 2018 mit Niko Kovac hier bei der Eintracht. Und in Wolfsburg, 2009, mit Felix Magath. Bei beiden war schon vorher klar, dass sie den Verein verlassen werden (Kovac ging zu den Bayern, Magath wechselte zu Schalke 04; Anm. d. Red.). Und was ist passiert? Mit Niko haben wir den DFB-Pokal gewonnen und mit Magath sind wir Deutscher Meister geworden. Wir haben also zweimal etwas ganz Großes erreicht. Das möchte ich mit der Eintracht jetzt ein drittes Mal schaffen. Und wenn wir uns für die Champions League qualifizieren würden, wäre das ja wie ein Titelgewinn.

Erzählen Sie diese Geschichte den Kollegen?

Habe ich noch nicht, aber ich werde auf jeden Fall mit ihnen sprechen, das ist mir sehr wichtig. Ob man ein Ziel erreicht, ist auch eine Frage des Willens. Den hatten wir 2009 und 2018. Ich denke, dass wir diese Mentalität auch in unserer aktuellen Mannschaft haben.

Makoto Hasebe: „Wir alle dienen dem Verein, wir spielen für Eintracht Frankfurt“

Hat sich im Verhältnis zum Trainer etwas verändert, oder hat sich der Trainer verändert, seit klar ist, dass er gehen wird?

Nein, es hat sich nichts verändert. Wir alle dienen dem Verein, wir spielen für Eintracht Frankfurt. Das ist die Hauptsache, nur darum geht es. Wir spielen nicht für den Trainer, den Vorstand oder den Sportdirektor, sondern für den Klub. Der Verein mit seinen Fans ist größer als alles andere.

Hat die Mannschaft registriert, dass auf den Trainer einige Kritik eingeprasselt ist?

Ich habe es nicht so genau mitbekommen, aber es natürlich ein wenig verfolgt. Der Trainer ist drei Jahre hier, hat toll gearbeitet. Wir dürfen jetzt nicht alles kaputt machen, was aufgebaut wurde. Ich verstehe alle unterschiedlichen Meinungen und Ansichten, aber darum geht es nicht mehr. Jetzt geht es nur darum, dass alle gemeinsam alles für den Klub geben.

Auf was kommt es jetzt an?

Auf zwei Dinge: Ruhe und Feuer. Mit Ruhe meine ich, dass wir als Mannschaft die Reihen schließen, ganz eng zusammenstehen und zusammenhalten müssen. Und auf dem Platz muss einfach noch mehr Feuer rein.

Zuletzt gegen Mainz spielten Sie als Libero, davor häufig im defensiven Mittelfeld. Das hat besser funktioniert. Oder täuscht der Eindruck?

Es geht aktuell nicht um meine Leistung, sondern um die der ganzen Mannschaft. Viele diskutieren über Taktik und Personal, ob wir mit einer Spitze oder zwei Stürmern agieren, wer spielt und wer nicht. Das ist aus meiner Sicht nicht wichtig, es geht um die Teamleistung. Die vergangenen vier Spiele haben wir als Mannschaft keine guten Auftritte gezeigt, nicht einzelne Spieler, sondern alle. Ich fühle mich auf der Sechs sehr wohl. Aber auch Seppl Rode und Djibi Sow sind gute Jungs, Ajdin Hrustic hat gegen Mainz ein Tor geschossen. Am Ende entscheidet der Trainer.

Eintracht Frankfurt: Makoto Hasebe verspürt keinen Druck

In diesen Diskussionen geht es auch oft um Amin Younes, der zuletzt nur Einwechselspieler war. Wie sehen Sie seine Rolle?

Amin hat diese Saison gezeigt, dass er eine hohe Qualität hat. In den letzten Wochen hatte er ein paar Probleme an den Adduktoren, gegen Mainz hat er dann das Tor sehr gut vorbereitet. Da hat man gesehen: Er kann den Unterschied machen. Amin ist ein sehr, sehr wichtiger Spieler für uns.

Martin Hinteregger hat vor kurzem gesagt, dass man die Champions League nicht mehr nur gewinnen, sondern auch verlieren könne. Ist der Druck aufs Team etwa zu groß geworden?

Ich persönlich spüre gar keinen Druck. Damals, als wir mit der Eintracht in die Relegation mussten, das war Druck. Jetzt bin ich glücklich darüber, wo wir stehen. Natürlich ist die Champions League ein Traum und wir wären enttäuscht, wenn wir es nicht schaffen. Aber: Allein dass wir um die Champions-League-Plätze kämpfen dürfen, macht mich total happy. Deswegen ist da kein Druck bei mir. Hinti kann es für sich natürlich so empfinden, jeder ist da anders.

Noch zwei Spiele also, reden Sie als erfahrener Profi nun noch mehr auf jüngere Spieler ein?

Ihr habt es ja auch geschrieben, dass wir Führungsspieler jetzt Antworten liefern müssen, auf dem Platz und daneben – so denke ich auch. Natürlich müssen die jüngeren Spieler ihre Leistungen bringen, aber wir ein bisschen mehr. Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Timmy Chandler, Seppl Rode, Filip Kostic, auch Stefan Ilsanker, und ich – wenn wir als Führungsspieler gemeinsam agieren, ziehen wir die Jüngeren mit. Das ist entscheidend.

Makoto Hasebe: Eintracht Frankfurt ist eine gute Mannschaft

Schalke 04, der Gegner am Samstag (15.30 Uhr), ist Letzter, steigt ab. Eigentlich ganz einfach, könnte gerade deswegen aber gefährlich werden.

Ja, klar. Schalke ist nicht gut drauf. Es kann sein, dass sie tief verteidigen werden. Wir müssen kreativer als zuletzt gegen Mainz sein, besser kombinieren. Wir haben in dieser Saison schon oft gezeigt, dass wir fußballerisch eine gute Mannschaft sind. Jetzt müssen wir gute Lösungen finden.

Haben Sie eigentlich Erwartungen an den neuen Trainer oder ist das aktuell völlig egal?

Nicht egal, aber ich konzentriere mich einfach auf die beiden Spiele. Der Sportvorstand ist schon da, ein Trainer wird bestimmt bald kommen. Hoffentlich ist er älter als ich (lacht).

Oder Sie machen es mit Ihren 37 Jahren einfach selbst.

Nein, nein (lacht). Ich habe ja gar keinen Trainerschein. (Interview: Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt)

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