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Luka Jovic bei Real Madrid
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Luka Jovic spielt derzeit bei Real Madrid, hier im Stadtduell gegen Atletico. (Archivfoto)

Eintracht Frankfurt

Das Stürmer-Casting läuft auf Hochtouren

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt sucht einen Nachfolger für den nach Brügge gewechselten Mittelstürmer Bas Dost und steht vor Grundsatzfragen. Die Rückkehr von Luka Jovic ist unwahrscheinlich.

  • Eintracht Frankfurt ist auf der Suche nach einem Stürmer.
  • Nach dem Abgang von Bas Dost kursieren allerlei Transfergerüchte. Trainer Adi Hütter benötigt Ersatz nach dem Abgang des Holländers.
  • Unter anderem wird über eine Rückkehr von Luka Jovic spektuliert.

Frankfurt - Noch kurz vorm Fest stand Bas Dost im ulkigen Kapuzenpulli seinen Mann und übermittelte in einem launigen Trailer gemeinsam mit den Spielkameraden Weihnachtsgrüße an die Eintracht-Familie. Bas Dost, der fliegende Holländer, scheute sich nicht einmal davor, seine Botschaft in Japanisch aufzusagen. Die nette Geschichte war zumindest für den Spieler alsbald überholt, denn der 31 Jahre alte Mittelstürmer hat sich noch am Heiligen Abend vom Acker gemacht: Sein bis 2022 laufender Vertrag in Frankfurt ist aufgelöst worden, der Hüne aus den Niederlanden schließt sich dem belgischen Meister FC Brügge an. Das ging ganz schön fix.

Eintracht Frankfurt sucht Ersatz für Bas Dost

Auch die Eintracht-Verantwortlichen wurden von der Entwicklung überrollt, doch nachdem der Wechselwunsch des Spielers unwiederbringlich hinterlegt war, stieg die Sportliche Leitung in die Verhandlungen mit den Belgiern ein. Der ausgehandelte Deal kann sich für die Eintracht sehen lassen, der FC Brügge, der schon im Sommer am Sturmtank interessiert war, zahlt eine Entschädigungssumme von mehr als vier Millionen Euro, im besten Fall und der Ausschüttung aller ausgehandelter Boni könnten fast fünf Millionen rausspringen. Zudem spart der Bundesligist das Gehalt des Riesen, das sich auf rund vier Millionen Euro per annum belief.

Kein Wunder, dass Sportvorstand Fredi Bobic von einem „lukrativen Gesamtpaket“ sprach, gerade in diesen Zeiten der Corona-Umklammerung. „Die Pandemie hat auch uns vor wirtschaftliche Herausforderungen gestellt. Die oberste Maxime in dieser Zeit ist, wirtschaftlich sinnvoll und zum Wohle von Eintracht Frankfurt zu handeln.“ Das hat der Vorstand getan. Es war die einzig richtige Entscheidung, dem Wunsch des Spielers zu entsprechen, der in 43 Pflichtspielen 15 Tore für die Frankfurter erzielte, aber die Erwartungen nie so ganz erfüllen konnte, wenngleich er sich immer untadelig verhielt und sich stets vorbildlich einbrachte, wie von seinem Coach Adi Hütter regelmäßig proklamiert.

Klar ist aber auch, dass der Verein ambitioniert ist und sich hohe Ziele gesteckt hat. Die hat er, auch wenn die Runde alles in allem bisher holprig verlief, nicht aus den Augen verloren und sich durch das 2:0 am finalen Spieltag dieses Jahres in Augsburg in Lauerstellung begeben. Um im neuen Jahr ein Wörtchen um die Vergabe der internationalen Startplätze mitsprechen zu können, muss die Eintracht die durch den Weggang von Dost entstandene Vakanz auffüllen. Daher wird sie natürlich Ersatz für den Routinier holen. Das Casting hat längst begonnen.

Die Frage wird sein, welche Strategie die Eintracht verfolgen will, welches Profil der neue Mann erfüllen soll und wann er zum Team stoßen kann. Zum ersten Spiel am kommenden Samstag gegen Leverkusen wird er jedenfalls noch nicht dabei sein, das erlauben die DFL-Statuten nicht. Selbst wenn ein Profi bereits am 2. Januar, dem ersten Tag der offiziellen Transferphase, verpflichtet wird, muss er anschließend erst zwei negative Corona-Tests vorweisen und wäre daher erst am darauffolgenden Wochenende spielberechtigt. Da auch der junge Ragnar Ache nach seiner Verletzung Anfang Januar noch nicht wird fit sein wird, muss sich Trainer Hütter für das Leverkusen-Spiel lediglich mit einem echten Angreifer, Topmann André Silva, im Kader begnügen.

Luka Jovic vor SGE-Rückkehr? Stürmer wohl zu teuer für die Eintracht

Derweil ranken sich seit Tagen Gerüchte um eine Rückkehr auf Leihbasis von Luka Jovic, der bei Real Madrid noch immer nicht richtig angekommen ist. Eine charmante Idee, die die Sportliche Führung auch prüft, doch die Chancen stehen nicht besonders gut. Das liegt in erster Linie am üppigen Gehalt des Serben, der im Jahr rund zehn Millionen Euro einstreicht.

Heißt: Für eine halbjährige Leihe stünden etwa fünf Millionen Euro an Gehalt im Raum, von denen Real einen gehörigen Teil übernehmen und Jovic wohl zusätzlich auf Geld verzichten müsste. Zur Erinnerung: Die Eintracht-Profis verzichten seit Monaten auf 20 Prozent ihrer jeweiligen Gehalts, Dost hätte daher ursprünglich im kommenden Halbjahr noch ungefähr 1,6 Millionen Euro eingestrichen. Eher unwahrscheinlich, das sich ein Jovic-Deal auf ein ähnliches Niveau drücken lässt. Es soll ja auch noch andere, finanzstärkere Interessenten für den serbischen Nationalstürmer geben.

Zumal der sportliche Wert von Luka Jovic ohnehin schwer einzuschätzen ist. Na klar, der Serbe ist ein guter Mann, in Eintracht-Sphären sowieso, aber im Grunde hat er die vergangenen eineinhalb Jahre fast nicht gespielt. Lediglich zwei Törchen stehen für ihn bei Real in der Statistik. Stattdessen fiel er vor allem durch allerlei Ärger abseits des Feldes auf. Zudem war er gerade zuletzt lange außen vor, erst an Covid-19 erkrankt und schließlich verletzt. Im letzten Vierteljahr kommt er auf 19 Spielminuten in der Liga. Dennoch hat der Madrider Trainer Zinedine Zidane den 23-Jährige noch immer nicht abgeschrieben.

Eintracht-Sportchef Fredi Bobic ist dessen ungeachtet vorbereitet, er ist mit Feuereifer dabei, eine Lösung für den Sturm zu finden. Optionen gibt es genügend, die Eintracht gilt auch europaweit nach wie vor als gute, verlässliche Adresse. Und doch schließen sich eine Reihe von Fragen an: Suchen die Hessen eine Soforthilfe für den Angriff, einen eher erfahrenen Knipser der Machart Bas Dost? Oder eher einen jüngeren Perspektivspieler, der Potenzial hat und nicht am Ende seiner Entwicklung ist? Die letzte Variante ist sicherlich die sinnvollere, weitreichendere und klügere, aber lässt sie sich auch jetzt im Winter umsetzen?

Eine Rückholaktion des verliehenen Dejan Joveljic ist indes mehr als unwahrscheinlich, hat der junge Serbe doch gerade erst beim Wolfsberger AC richtig damit begonnen, verlässlich zu treffen. Sechs Saisontore sind es bisher für ihn. Joveljic sollte ein weiteres Halbjahr zur Entwicklung in Österreichs Eliteliga auf alle Fälle zugestanden werden.

Gut beraten wären die Frankfurter, eine andere Note ins Spiel zu bringen, also einen Stürmer zu holen, der sich sinnvoll zu Toptorjäger Silva ergänzt. Die Frankfurter haben nun die ungeahnte Möglichkeit, nachzujustieren und Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren, also einen Akteur zu verpflichten, der zum alten Stil passt, einen dynamischen, schnellen Angreifer, mit dem Trainer Adi Hütter das aggressive Pressing wiederbeleben kann. Das sollte Priorität haben.

Und vielleicht wäre es auch ganz clever, jetzt einen Spieler von der Ersatzbank eines europäischen Topklubs bis Saisonende auszuleihen, wenn es sich denn finanziell stemmen ließe. Es gibt genügend qualitativ hochklassige Akteure, die mit ihrem Status bei ihren aktuellen Vereinen unzufrieden sind, aber ganz andere Ambitionen haben, etwa sich für einen Platz im EM-Kader in den jeweiligen Nationalteams zu empfehlen. Ein spannender Markt könnte da auf alle Fälle der französische sein, weil dort die TV-Vermarktung quasi zusammengebrochen ist und die Klubs in die Bredouille gebracht hat.

Für ein aktuelles Leihgeschäft spricht auch der kommende Sommer, in dem der Markt aufgrund der nach wie angespannten Finanzsituation vieler Klubs mit vielen Topspielern geflutet wird, die zu halbwegs erschwinglichen Preisen zu haben sein werden. Auch darauf gilt es, vorbereitet zu sein. (Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz)

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