1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Opfert Adi Hütter seine Erfolgsformel für Luka Jovic?

Erstellt:

Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

Kommentare

Luka Jovic, Eintracht Frankfurt
Hätte einen Treffer verdient gehabt, doch Luka Jovics Seitfallzieher wurde in letzter Sekunde abgeblockt. © Hasan Bratic/AFP

Erfolgssystem oder Doppelspitze: Für welchen Weg entscheidet sich Eintracht-Trainer Adi Hütter in den kommenden Spielen?

Frankfurt – Bald zwanzig Minuten waren vergangen am Samstagnachmittag, da hatte Luka Jovic genug, da ließ sich der Spieler von Eintracht Frankfurt in der Partie gegen den VfB Stuttgart (1:1) tief fallen, sehr tief, bis in die eigene Hälfte. Plötzlich war der Stürmer Luka Jovic der Linksverteidiger Luka Jovic. Er bedeutete seinem Abwehrkollegen Evan Ndicka kurz Platz zu machen. Hauptsache mal an den Ball kommen, egal wie, egal wo, im Notfall auch dort, wo ein Mann wie Luka Jovic eher nicht stehen sollte, 60, 70 Meter entfernt vom gegnerischen Tor. Der 23-Jährige ließ sich denn auch anspielen von Libero Martin Hinteregger, um den Ball postwendend zurück zu passen und sich wieder nach vorne zu trollen.

„Ich denke, dass es in der erste Hälfte ein Problem war mit zwei Stürmern, die Mannschaft musste sich erst einmal drauf einstellen“, sagte der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner und meinte nicht explizit jene geschilderte Szene, aber eben auch. Statt zwei Zehner hinter einer Spitze bot Eintracht-Trainer Adi Hütter diesmal nur Amin Younes als Spielmacher hinter dem Torjägerduo Andrè Silva und Luka Jovic auf. In Abwesenheit des angeschlagenen Daichi Kamada (Hexenschuss) eine logische Taktikänderung, zumal Aymen Barkok aktuell weit weg von einem Startelfeinsatz ist und nicht mal eingewechselt wurde.

Eintracht Frankfurt: Jovic und Silva hängen in der Luft

Es war aber andererseits auch eine Entscheidung des Trainers, die lange Zeit keine positive Wirkung hatte. In den ersten 45 Minuten funktionierte wenig im Frankfurter Offensivspiel. Younes, der als alleiniger Gestalter seltener auf die Flügel auswich als sonst und somit unter ständiger Bewachung des Stuttgarter Zweikampfkönigs Wataru Endo stand, vermochte es nicht, die Angriffe zu initiieren.

Jovic und Silva hingen in der Luft, wurden mühelos wegverteidigt von der VfB-Defensive. „Die erste Hälfte war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, gestand Adi Hütter, bat – verständlicherweise – aber um Geduld. Dass solch eine Systemänderung nicht reibungslos verlaufe, sei normal. Man dürfe deshalb nicht zu kritisch sein und alles daran festmachen. „Ich bin nicht unglücklich mit Luka und André. Je länger das Spiel gedauert hat, desto besser wurde es.“

Eintracht Frankfurt: Jovic steigert sich in Hälfte zwei

Tatsächlich hat der Trainer Recht mit dieser Analyse. In Abschnitt zwei sahen die Angriffsbemühungen ansehnlicher aus, auch deshalb, weil Jovic und Silva dort eingesetzt wurden, wo ihre Stärken liegen: im Strafraum. Sie holten sich die Bälle nicht mehr ganz so tief ab, wurden häufiger mit Flanken gefüttert, legten sich selbst Chancen vor. Jovic war ebenso am nicht gegebenen Abseitstor von Filip Kostic beteiligt wie am späteren 1:1 seines serbischen Landsmannes. Er setzte eine Direktabnahme über den Kasten, ein Kopfball wurde pariert, ein Seitfallzieher abgeblockt.

Klar ist aber: Die Eintracht hat ihre besten Spiele dieser Saison mit nur einer Spitze und zwei Zehnern gemacht, der Aufschwung war vorwiegend auf jene dahin veränderte Spielstatik zurückzuführen. Die Frankfurter agierten plötzlich unausrechenbarer, kaum mehr greifbar für gegnerischen Abwehrleute.

Eintracht Frankfurt: Opfert Adi Hütter sein Erfolgssystem?

Ob das Stuttgart-Spiel nun gleich eine Abkehr von der Erfolgsanordnung ist, sei mal dahin gestellt, grundsätzlich macht Adi Hütter aber sehr wohl den Eindruck, am liebsten Silva und Jovic gemeinsam stürmen lassen zu wollen. „Wenn wir wirklich etwas Großes in dieser Saison erreichen wollen, müssen wir schauen, dass wir die beiden top in Schuss bekommen, dass sie Spiele für uns entscheiden“, sagte Hütter nach dem Spiel – ein bemerkenswerter Satz.

Der Trainer sieht im Doppelsturm also eine Menge individueller Klasse vereint, von der er ungern einen Teil auf die Bank setzen würde – nachvollziehbar allemal, aber auch gewagt. Schließlich liegt die Krux im Fußball eben häufig darin, nicht nur die besten Fußballer aufzubieten, sondern die am besten funktionierende Mischung zu finden. Mal zugespitzt formuliert: Wird Adi Hütter seine Erfolgsformel für Luka Jovic opfern? Eine knifflige Frage, über die der Trainer in den kommenden Tagen gewiss grübeln wird. (Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt)

Auch interessant

Kommentare