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Zuletzt nur selten am Ball für die Eintracht: Lucas Torro.

Lucas Torro

Eintracht Frankfurt: Lucas Torro in der schwierigsten Phase seiner Karriere

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Eintracht Frankfurts Mittelfeldmann Lucas Torro über harte Schläge, seine missliche Lage und Frustbewältigung.

Der Spanier Lucas Torro hat in Frankfurt keine leichte Zeit hinter sich. Im vergangenen Jahr ereilte den Eintracht-Mittelfeldspieler ein Schicksalsschlag, sein Bruder verstarb unerwartet. Sportlich stoppte ihn eine langwierige Leistenverletzung. In dieser Spielzeit wollte der 25-Jährige voll angreifen, er spielte in der Euro-League-Quali viermal, doch in der Liga hat er nur am ersten Spieltag für zwei Minuten mittun dürfen – ansonsten saß er draußen. Eine schwierige Zeit, der er sich aber offen stellt.

Herr Torro, die bundesligafreie Zeit haben Sie genutzt, um in Ihre spanische Heimat zu reisen. Haben Sie in den paar Tagen im Kreise der Familie etwas abschalten können?
Ja, absolut. Es ist immer schön, die Familie zu treffen und Zeit mit ihr zu verbringen. Es ist auch eine willkommene Gelegenheit, um aus dem Alltag und der Routine auszubrechen und die Akkus aufzuladen.

Und das Wetter?
Top. Kalt, aber hell und freundlich, die Sonne schien, der Himmel war blau.

Besser als hier also.
Klar, aber jedes Land und jeder Ort hat seine Vorzüge.

War das Klima etwas, an das Sie sich zu Anfang gewöhnen mussten?
Nein, ich habe auch zwei Jahre im Norden Spaniens gespielt, in Oviedo und Pamplona, da ist das Klima ähnlich wie hier, nicht ganz so kalt, aber durchaus mal verregnet. Von daher ist das kein Problem.

Hat Ihnen der Kurztrip auch gut getan, um mal auf andere Gedanken zu kommen, Frankfurt und Ihre ja schon sehr missliche Lage bei der Eintracht hinter sich zu lassen?
Ja, sicher. Die Situation hier ist momentan nicht so gut, weil ich nicht oft spiele und berücksichtigt werde. Das ist die schwierigste Phase meiner gesamten Karriere. In der vergangenen Saison kam mir die Leistenoperation dazwischen, aber in diesem Jahr hat meine Situation mit einer Verletzung nichts zu tun. Es ist nicht leicht für mich, aber man muss positiv bleiben, weiter an sich arbeiten und alles tun, um das Ganze zu ändern.

Lucas Torro zur Zeit chancenlos bei Eintracht Frankfurt

Warum genau spielen Sie eigentlich keine Rolle?
Einen genauen Grund kann ich gar nicht benennen. Jeder Trainer trifft seine Entscheidungen, und es läuft ja auch gut für die Mannschaft. Ich versuche trotzdem, meiner Arbeit nachzugehen und bereit zu sein, falls meine Chance kommt. Deshalb trainiere ich weiter eifrig und warte auf meine Chance.

Hat Ihr derzeitiger Status etwas mit dem Spiel in Straßburg, dieser schlechten Leistung bei der 0:1-Niederlage, zu tun?
Nein, das glaube ich nicht. Weshalb?

Auffällig ist, dass Sie danach nur noch am ersten Spieltag zwei Minuten gegen Hoffenheim spielen durften und seitdem quasi außen vor sind.
Mag sein, aber ich glaube nicht, dass der Trainer seine Entscheidung aufgrund eines Spiels gefällt hat. Es ist eher so, dass jeder Trainer seine Kriterien hat, nach denen er seine Mannschaft aufstellt. Und das muss man akzeptieren.

Aber merkwürdig ist es ja schon: Sie haben am Anfang häufig gespielt, auch ein Tor gemacht, und auf einmal sind Sie, wenn man so will, weg vom Fenster.
Ich war sehr motiviert in der Vorbereitung, habe mich sehr gut gefühlt. Mein Gefühl war, dass ich sehr gut drauf bin, um eine großartige Saison zu spielen. Und ich war zu Beginn auch drin im Team. Ich habe gedacht, dass dies meine Saison werden könnte. Die Erwartungshaltung bei mir selbst war sehr hoch. Dass es jetzt so läuft, schmerzt schon. Aber man muss anerkennen und akzeptieren, dass die Konkurrenz größer geworden ist.

Kein Gespräch mit Adi Hütter

Und dann kam der nächste Schlag: Die Nicht-Nominierung für die Europa League.
Das war eine harte Entscheidung für mich. So eine Nichtberücksichtigung hat eine gewisse Aussagekraft. Das war unangenehm, damit muss man erst mal zurechtkommen.

Sie sagten vorhin, man müsse positiv bleiben. Das stellen wir uns gar nicht so leicht vor.
Das ist es auch nicht. Man ist ja auf sich alleine gestellt. Ich habe meine Familie nicht um mich herum, bin im Ausland. Wenn du spielst, ist alles wunderbar, Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn du nicht spielst, dann ist es nicht das Gelbe vom Ei, dann fühlt man sich nicht 100-prozentig wohl – obwohl sich hier jeder Mühe gibt. Und man muss eine extreme Eigenmotivation finden, um immer weiterzumachen und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass man vielleicht doch mal wieder die Chance bekommt.

Haben Sie mal das Gespräch mit dem Trainer gesucht und gefragt, woran es liegt?
Nein. Wie gesagt: Ich respektiere die taktischen Entscheidungen des Trainers, er hat seine Vorstellungen, und ich bin einer von vielen in der Mannschaft. Trotzdem möchte ich wieder mein Sandkörnchen zum Erfolg beitragen. Aus einer anderen Situation heraus als letztes Jahr, aber ich gebe nicht auf.

Haben Sie sich einen Zeitpunkt gesetzt, an dem Sie sagen: ,Okay, es macht keinen Sinn mehr, ich suche mir was anderes?‘
Der Verein baut auf mich, diesen Eindruck habe ich, auch wenn die aktuelle Situation nicht perfekt ist. Über die Zukunft kann ich nicht viel sagen. Ich weiß nicht, ob ich mehr Einsätze bekomme oder nicht. Ich möchte hier bei der Eintracht meinen Weg finden, sie ist mein erster Ansprechpartner.

Aber wenn Sie weiterhin nicht spielen sollten?
Dann muss man schauen, aber damit beschäftige ich mich aktuell nicht, ich möchte hier performen. Wenn es nicht klappen sollte und ich weiterhin keine Einsatzzeit bekomme, dann ist es wohl nicht verboten, sich Gedanken zu machen.

Lucas Torro fühlt sich wie das fünfte Rad am Wagen

Auf Ihrer Position spielen unter anderem Gelson Fernandes, Djibril Sow oder Sebastian Rode, alles Spieler, die eine andere Dynamik mitbringen. Glauben Sie, dass das eines Ihrer Hauptprobleme ist?
Jeder hat seine Eigenschaften und seine Charakteristika. Jeder hat sein eigenes Profil, ich auch. Ich bin natürlich eher ein positionsgebundener Spieler, also keiner, der überall auf dem Feld zu finden ist. Jeder Trainer hat seine Auswahlkriterien, und wenn er mehr Dynamik im Spiel möchte, dann baut er mehr auf solche Spieler, klar. Ich muss mich anpassen, aber ich bin wie ich bin. Ich bin trotzdem der Spieler, den Eintracht Frankfurt damals geholt hat.

Fühlen Sie sich zurzeit wie das fünfte Rad am Wagen?
Aktuell ja, leider. Wenn alle fit sind, ist es schwer für mich, es überhaupt in den Kader zu schaffen. Aber das ist die aktuelle Situation. Ich muss daran arbeiten, sie zu verändern.

Sie machen dennoch keinen Stunk, im Gegenteil, Sie unterstützen die Kollegen, was sehr löblich ist. Ist das eine Charaktereigenschaft, ein Wesenszug?
Ich bin ein ruhiger, nachdenklicher Typ, aber ich möchte hier auch nicht den Eindruck erwecken, als sei mir meine Situation egal. Es schmerzt schon, und zwar nicht wenig. Denn ich bin Fußballer durch und durch, ich möchte spielen. Aber ich bin keiner, der kritisiert, der austeilt oder Entscheidungen infrage stellt, das entspricht nicht meinem Wesen. Was ich beeinflussen kann, ist meine Trainingsarbeit, ich muss auch ein reines Gewissen mir selbst gegenüber haben. Wenn ich mich jetzt hängenlasse und die Chance bekommen würde, könnte ich meine Leistung bestimmt nicht abrufen.

Luka Jovic muss man Zeit geben

Wie bewerten Sie die Leistungen Ihrer Mannschaftskameraden?
Sehr positiv. Die Basis des Teams ist geblieben, wir haben uns in der Breite verstärkt. Wir können rotieren. Das ist sehr wichtig, weil wir viele Spiele haben. Auf Strecke wird es sich auszahlen, dass wir eine gute Ersatzbank haben. Deshalb hoffe ich auch, dass uns das erspart bleibt, was wir letztes Jahr erleben mussten, nämlich, dass uns zum Ende der Saison die Körner ausgehen. Die Eintracht als Verein ist enorm gewachsen, wir möchten diesen Fahrtwind weiter mitnehmen.

Verfolgen Sie aus der Entfernung die Entwicklung der drei Topstürmer, die den Verein verlassen haben? So richtig glücklich ist keiner geworden.
Wissen Sie, was man bei dieser Bewertung ins Auge fassen muss? Wir hatten eine sehr geschlossene Kabine, das heißt, dass wir uns alle sehr gut verstanden haben, zwischen uns hat kein Blatt Papier gepasst. Das hat man, glaube ich, auch auf dem Platz gesehen, sonst hätten wir dort nicht so auftreten können. Und wenn du dann wechselst, alleine bist, dich im Ausland anpassen musst, dann kann es natürlich sein, dass du erst mal eine Zeit brauchst.Luka Jovic ist noch sehr jung, hat viel Talent, ihm muss man Zeit geben. Gerade im ersten Jahr. Seb Haller spielt jetzt in der Premier League, das ist auch noch mal was anderes. Ich denke aber schon, dass sie sich durchsetzen werden, weil sie Qualität haben.

Sie sind vor eineinhalb Jahren auch den Schritt ins Ausland gegangen. War es trotz der schwierigen Situation im Moment dennoch der richtige Schritt oder würden Sie es so nicht mehr machen?
Im Leben trifft man immer Entscheidungen, man weiß nie, was passiert und wie es kommt. Ich hatte die Möglichkeit, innerhalb der spanischen Liga zu wechseln, aber ich wollte nach Frankfurt kommen. Und dann muss man das durchziehen. Hätte, wenn und aber hilft nicht, das bringt einen keinen Schritt weiter.

Interview: Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Übersetzung: Stephane Gödde

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