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Eintracht-Neuzugang Luca Pellegrini: Der ganz andere Filip Kostic

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Von: Daniel Schmitt

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Erst der dritte Italiener bei der Eintracht - vielleicht wird’s ja diesmal eine Erfolgsgeschichte: Luca Pellegrini.
Erst der dritte Italiener bei der Eintracht - vielleicht wird’s ja diesmal eine Erfolgsgeschichte: Luca Pellegrini. © Jan Huebner

Der Italiener soll auf links den Verlust des Starspielers abfedern. Obwohl er nur für ein Jahr als Leihspieler für die Eintracht auflaufen soll, sei die Saison für ihn „kein Urlaubsjahr“.

Frankfurt - Mit Italienern verbindet Eintracht Frankfurt wenig Gutes, höchstens noch mit jenen, die leckere Pasta und vollmundige Weine auf ihrer Karte anbieten. Aber fußballspielende Italiener? Nein, nein, das war bisher wahrlich keine Erfolgsgeschichte beim Klub aus dem Herzen Europas. Es gab da mal den in Gießen geborenen Giovanni Speranza, der aus der eigenen Jugend entwuchs und zweimal in der zweiten Liga für die Frankfurter spielen durfte (Saison 2001/02) sowie, noch früher, Marco Rossi.

Der heutige Nationaltrainer der ungarischen Auswahl, dort relativ erfolgreich, verteidigte in der Saison 1996/97 immerhin 15-mal für die Eintracht - damals relativ erfolglos. Unter dem „sehr sympathischen Trainer Dragoslav Stepanovic“ habe er zwar fleißig geschuftet, erinnerte sich Rossi einst, im Gegenzug bescheinigte „Stepi“ dem Abwehrmann „eine sehr gute Technik“. Tiefe Spuren aber hinterließ Marco Rossi im Stadtwald keine.

Luca Pellegrini heuert bei Eintracht Frankfurt an

In diesen Tagen heuerte dort der dritte Italiener im Eintracht-Dress an, verbunden mit der Hoffnung, dass er, Luca Pellegrini, mehr Positives fürs Frankfurter Fußballspiel beisteuern wird als seine italienischen Vorgänger. Der Mann für die linke Seite, 23, war Teil der Verhandlungsmasse um Starspieler Filip Kostic, der sich bekanntlich Juventus Turin anschloss, während Pellegrini für eine Saison auf Leihbasis den umgekehrten Weg einschlägt.

„Filip hat in Frankfurt eine sehr erfolgreiche Zeit erlebt“, lässt Pellegrini bei seiner Vorstellungs-Pressekonferenz am Donnerstag übersetzen. Und er, der Neuzugang, werde nun eben versuchen daran anzuknüpfen. „Das hier ist kein Urlaubsjahr für mich“, sagt Pellegrini.

Viel Lob vom Sportchef für Eintracht-Neuzugang Luca Pellegrini

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche schwärmte dann auch prompt gegenüber dem Kicker von seiner aktuellsten Errungenschaft auf dem Transfermarkt. Pellegrini habe nämlich eine „extrem hohe Geschwindigkeit“, sei technisch gut und könne sowohl die defensive wie die offensive Rolle auf links bearbeiten. „Luca“, so Krösche, „interpretiert die Rolle anders als Filip, weil er spielerisch andere Fähigkeiten hat. Filip war gradlinig, ging bis zur Grundlinie durch und flankte. Luca kombiniert mehr, zieht auch mal nach innen oder spielt einen tiefen Ball ins Zentrum.“ Außerdem schieße er „super Standards.“ Erstaunlich viel Lob also, an dem sich Pellegrini nun wird messen lassen müssen.

Der erste Eindruck im neuen Umfeld sei jedenfalls positiv, berichtet der Italiener, der sich „in kürzester Zeit“ für die Eintracht und gegen andere Interessenten entschieden habe. In Frankfurt sei er schließlich „sehr gastfreundlich“ empfangen worden, vor allem von Franco Lionti, ebenfalls Italiener, Zeugwart und noch so viel mehr. Seit vielen, vielen Jahren die gute Seele des Teams. Lionti, „eine Institution“, habe ihm, Pellegrini längst auch ein bisschen die Stadt gezeigt. Nett.

Ernsthaft erwartet bei der Eintracht nun wohl niemand, dass Pellegrini künftig und vor allem sofort den Kostic gibt, also das Eintracht-Spiel absolut dominiert und sehr häufig gar alleine trägt. Sehr wohl aber ist der einmalige Nationalspieler als Stammkraft für die linke Seite eingeplant - vermutlich bereits nach nur einer Trainingswoche am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) im Bundesligaheimspiel gegen den 1. FC Köln. Christopher Lenz jedenfalls nutzte zuletzt seine Chancen in den Spielen gegen Real Madrid und Hertha BSC nicht.

Eintracht-Neuzugang Luca Pellegrini: Abwehr vor Angriff

„Ja“, er arbeite mit dem Trainer daran, dass ein Einsatz gegen Köln möglich wird. „Mein Ziel und meine Aufgabe ist es, immer bereit zu sein.“ Selbst wenn Coach Oliver Glasner einen Torwart brauche, „dann würde ich das auch spielen.“ Luca Pellegrini schmunzelt in diesem Moment, dann lacht er, und überhaupt macht er bei seinem ersten Auftritt vor der Frankfurter Presse einen guten, weil lockeren und freundlichen Eindruck.

Die Eintracht wird ihr Spiel anpassen müssen auf den Zugang, der längst nicht mit so viel Offensivdrang unterwegs ist, wie Filip Kostic es war. Pellegrini, der früher in der Jugend zwar noch als Stürmer auflief, hat sich später zu einem manierlichen Verteidiger entwickelt, der, ganz die italienische Fußballschule, über ein sauberes Passspiel und ein ausgeprägtes taktisches Verständnis verfügt. „Ich bin daran gewöhnt, eher defensiv zu spielen, sagt der Spieler, „aber bringe auch Eigenschaften für die offensive Position auf links mit.“ Er wird beide Fähigkeiten benötigen, sollte Glasner weiterhin im 3-4-2-1-System agieren lassen.

Frankfurt ist erste Auslandsstation für Eintracht-Neuzugang Luca Pellegrini

Frankfurt ist die erste Auslandsstation für Pellegrini, der bei der AS Roma zum Profi entwickelt, von Juventus für 22 Millionen Euro gekauft und in der Folge zweimal verliehen wurde, an Genua CFC und Cagliari Calcio. In der vergangenen Saison spielte er zwar häufiger für die Alte Dame, gesetzte Stammkraft aber war er nie. Zudem musste sich der „fröhliche und hilfsbereite“ Pellegrini, wie er sich selbst charakterisiert, zeit seiner Karriere ständig mit Verletzungen herumärgern. Ein Kreuzbandriss, ein Kniescheibenbruch, autsch. „Ich hatte nicht so viel Glück in meiner Karriere“, sagt er, die vergangene Saison sei jedoch eine recht verletzungsfreie gewesen. „Ich habe mein Gleichgewicht gefunden und bin vollkommen fit.“

Nun also der nächste Anlauf, das erste Mal im Ausland, wieder eine Leihe. Er sei darüber sehr glücklich, diesen Schritt zu gehen und „diese Erfahrung zu erleben“, sagt Pellegrini, der trotz der begrenzten Zeit bei der Eintracht, ein Jahr, nicht darüber nachdenken wolle, was im Sommer 2023 passiere. „Ich möchte mich einfach auf diese Saison konzentrieren.“ Er habe sich sofort wohlgefühlt in der Stadt am Main, wenngleich Luca Pellegrini doch bei einem Punkt so seine Bedenken hat: „Ich hoffe, dass mir das Essen nicht fehlen wird.“ Eine leckere Pasta, ein vollmundiger Wein - das sollte doch irgendwie möglich sein. Damit es im dritten Anlauf was wird mit den Italienern und Eintracht Frankfurt. (Daniel Schmitt)

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