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Eintracht Frankfurt liegt auf der Lauer

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Von: Ingo Durstewitz

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Jubelstimmung: Eintracht Frankfurt feiert. (Archivbild)
Jubelstimmung: Eintracht Frankfurt feiert. (Archivbild) © Federico Gambarini/dpa

Eintracht Frankfurt kratzt an den Europapokalplätzen. Die Entwicklung kommt nicht zufällig, auch wenn die Lage Anfang November eine andere war. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main - Gar keine Frage: Der Aufschwung von Eintracht Frankfurt in der Beletage der deutschen Balltreterei ist absolut bemerkenswert. Vor gut sechs Wochen noch parkte der hessische Traditionsverein im Keller des Klassements, Platz 15, neun Punkte, eingeklemmt zwischen dem VfL Bochum auf 14 und Augsburg auf dem Relegationsrang, ebenfalls neun Zähler. Die Aussichten für die Eintracht: trüb bis traurig.

Die FR attestierte dem Team nach dem höchst schmeichelhaften 1:1 gegen RB Leipzig, einen „bedenklichen, besorgniserregenden“ Auftritt hingelegt zu haben. „Die Mannschaft ist verunsichert bis ins Mark, das ganze Gebilde ist schief, nichts passt zusammen, niemand weiß, wie die Eintracht Fußball spielen will. Das Offensivspiel ist quasi nicht existent, es ist ein einziges Geholper und Gestolper.“

Eintracht Frankfurt: Schlimmer geht immer

Ein hartes, doch damals zutreffendes Zeugnis. Aber schlimmer geht immer: Es folgte die Partie beim Prügelknaben Greuther Fürth, irgendwie ergaunerte sich die Eintracht trotz einer miesen Leistung einen 2:1-Sieg – doch gefühlt war sie am Tiefpunkt angekommen. Das war Anfang November.

Nun, kurz vor Weihnachten, hat sich die Eintracht durch einen Zwischenspurt mit fünf Siegen aus sechs Partien herangepirscht an die Europapokalplätze, liegt nur drei Punkte hinter dem ersten Champions-League-Rang. Das ist eine erstaunliche, ja fast schon wundersame Entwicklung. Trotzdem kein Zufall.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner mit dem Prinzip „Trial and Error“

Vielleicht ist es einfach so, dass sich die neue Mannschaft erst kennenlernen und auch der Trainer den richtigen, gangbaren Weg finden musste. Denn auch Oliver Glasner hat einiges verändern wollen, als er in Frankfurt antrat, was nachvollziehbar ist. Jeder Trainer hat seine eigenen Ideen, seine Philosophie, und die versucht er dann mit dem Personal abzugleichen. Natürlich läuft da einiges nach dem Prinzip ‚Trial and Error‘, also Versuch und Irrtum, ab: Die einige Zeit praktizierte Viererkette hat der kluge 47-Jährige längst wieder eingemottet, auch die Aufstellungsrotationen abgestellt.

Ein Beispiel: Gegen Stuttgart am vierten Spieltag standen noch Jens Petter Hauge, Christopher Lenz, Sam Lammers, Ajdin Hrustic und Erik Durm in der Anfangself, sie sitzen jetzt auf der Bank oder der Tribüne. Glasner hat sich auf eine Taktik und eine Stammformation festgelegt, die nur in Nuancen (Martin Hinteregger für Makoto Hasebe, Danny da Costa für Timothy Chandler) noch verändert wird. Mit durchschlagendem Erfolg.

Eintracht Frankfurt: So langsam versteht die Mannschaft den Coach

Die Mannschaft kapiert immer mehr, was der akribisch tüftelnde Coach von ihr fordert, die Abläufe stimmen, Automatismen greifen, Neuzugänge wie Rafael Borré und Jesper Lindström sind angekommen und sehr viel stärker geworden. Nicht alle, aber viele Tore fallen nach bestimmten Mustern, die der Fußballsachverständige Glasner immer wieder üben und per Video vorführen lässt. Der Sieg in Mönchengladbach bietet gleich mehrere Paradebeispiele: Das 1:1 nach einer entschlossenen Pressingaktion und einer flachen Hereingabe erzielt, das 2:1 nach einem Pass von der Grundlinie zurück in den Rücken der Abwehr, das 3:2 nach feiner Kombination durch die Mitte. Diese Variabilität hat sich die Eintracht unter Glasner erarbeitet, sie ist unberechenbarer geworden: Die Abwehrmänner bereiten Treffer vor oder erzielen sie, das Mittelfeld ist torgefährlicher. Und auch die Wucht, das Wilde ist zurück.

Ob das reicht, um tatsächlich wieder die europäischen Startplätze zu attackieren? Das lässt sich noch nicht seriös vorhersagen, aber zumindest ist die Stabilität gegeben; die herausragende Mentalität, der bemerkenswerte Teamspirit und der eiserne Wille – das sind Faustpfänder.

Und: Um einen internationalen Rang zu erreichen, braucht es meistens auch Schwergewichte, die schwächeln und plötzlich mal leichter werden. RB Leipzig könnte das sein, ganz sicher aber der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach mit dem Ex Adi Hütter. Die Eintracht hat sich auf die Lauer gelegt. (Ingo Durstewitz)

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