DFB Pokal

Eintracht Frankfurt: Letzte Ausfahrt Fröttmaning?

  • Thomas Kilchenstein
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Ohne große Hoffnung, aber mit viel Freude will Eintracht Frankfurt im Halbfinale gegen den FC Bayern München für eine Sensation sorgen. Filip Kostic fehlt rotgesperrt.

  • Eintracht Frankfurt steht im Halbfinale des DFB-Pokals
  • Die Mannschaft von Adi Hütter tritt bei Bayern München an
  • Mehr als krasser Außenseiter sind die Hessen nicht

Am Montagabend hat sich der Trainer Adi Hütter von Eintracht Frankfurt pflichtbewusst das Zweitligaspiel zwischen dem Hamburger SV und Holstein Kiel (3:3) angeschaut, mehr aus Interesse als aus beruflichen Gründen wegen eines möglichen Relegationsspiels gegen den Dritten der zweiten Liga. Aber zwischendurch hat Adi Hütter ein wenig auf der Fernbedienung herumgezappt und, schwupps, war er bei einem anderen Spiel: dem Pokalfinale von 2018. Dort ist er dann hängen geblieben. „Emotional war das schon sehr ergreifend“, berichtete der 50 Jahre alte Fußballlehrer am gestrigen Dienstag, gerade die Schlussphase hatte es ihm angetan, verständlicherweise, Elfmeter für die Bayern Ja oder Nein, dann Eckball, dann Gacinovics Lauf für die Ewigkeit, dann Freude pur ... „einfach zum Genießen“.

Eintracht Frankfurt muss auf Filip Kostic verzichten

Tja, das waren andere Zeiten, und dafür, dass Eintracht Frankfurt am 4. Juli in Berlin erneut ein solches Fest wird feiern können, müsste schon viel zusammenkommen, sehr viel: Ein Impfstoff müsste gefunden worden sein, erstens, und zweitens: Bayern München müsste im Halbfinale bezwungen worden sein. Vermutlich ist das Serum sogar leichter zu finden als einen Weg, diese „Übermannschaft“ (Sportdirektor Bruno Hübner) in die Knie zu zwingen, noch dazu in Fröttmaning, noch dazu ohne den mit Abstand besten Frankfurter Feldspieler Filip Kostic.

Der Linksfuß, „ein absoluter Schlüsselspieler“ (Hütter), ist wegen seines Platzverweises beim 2:0-Sieg im Viertelfinale gegen Werder Bremen für vier Spiele gesperrt worden, er dürfte auch in den ersten drei Partien der neuen Pokalrunde nicht mitspielen. Für Eintracht Frankfurt ist das ein herber Verlust, der Serbe ist seit Wochen der Einzige, der mit Tempo und Wucht den Flügel beackert, er ist der beste Frankfurter Vorbereiter (17 Assists in 46 Pflichtspielen) und derjenige, der ligaweit die meisten Flanken schlägt. Er ist im Frankfurter Spiel nicht zu ersetzen, einerlei, wen Adi Hütter heute Abend (20.45 Uhr/live in ARD und Sky) an seiner statt nominiert, ob Timothy Chandler, Mijat Gacinovic, Erik Durm, Dany da Costa, Daichi Kamada oder gar Martin Hinteregger.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter gibt sich tapfer 

Es ist ein ungleiches Kräftemessen im Münchner Norden. Im Grunde könnte sich Eintracht Frankfurt den Flug am Spieltag auch schenken, finden die meisten, zumal der Tross erst am Donnerstag nach Frankfurt zurückkehrt und am Freitag schon wieder nach Berlin zum fälligen Bundesligaspiel gegen die erstarkte Hertha abhebt. Und aller Sorgen ledig sind die Hessen im Brot- und Buttergeschäft ja auch noch nicht.

Trotzdem kann Adi Hütter nicht von vorneherein die Flinte ins Korn werfen, also sagt er tapfer, man wolle das „Unmögliche möglich machen“, die Mannschaft freue sich auf dieses Spiel und irgendwie sei „jede Mannschaft in gewissen Momenten zu knacken“, auch Bayern München. Selbst wenn dazu mindestens ein eigener „Sahnetag“ (Sebastian Rode) vonnöten ist und ein paar „schwere Eigenfehler weniger“, wie Hütter befand. Denn natürlich hat sich der Coach nicht nur das Finale von 2018 angesehen, sondern auch die letzte Partie, das 2:5 von vor knapp drei Wochen, und hat gewisse Schwächen der Bayern bei Standards registriert. „Immerhin haben wir in zwei Spielen in dieser Saison sieben Tore gegen Bayern geschossen“, sagt der Österreicher. „Du must dran glauben, dass es möglich ist.“

Eintracht Frankfurt ist eine Pokalmannschaft

Einen gewissen Respekt als Pokalmannschaft, da gibt es kein Vertun, hat sich Eintracht Frankfurt in der Tat erworben. Binnen vier Jahren dreimal im Halbfinale dieses Wettbewerbs zu stehen, zweimal ins Endspiel einzuziehen und es einmal zu gewinnen, ist sicher kein Zufall. Eintracht Frankfurt mag diese Spiele, in denen es drauf ankommt, hopp oder topp, das hat sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. „Wir sind einen langen Weg gegangen“, erinnert Hütter an die Pokalspiele gegen Waldhof Mannheim (5:3), FC St. Pauli (2:1), RB Leipzig (3:1) und Werder Bremen (2:0), etwa 5,5 Millionen Euro hat der Pokal den Hessen in die Kassen gespült und sollten sie erneut das Finale in Berlin erreichen, kämen weitere knapp 3,5 Millionen Euro hinzu. Interessant wäre es allemal geworden, wenn das Halbfinale vor Zuschauern in Frankfurt und mit Filip Kostic hätte gespielt werden können.

David Abraham kehrt ins Team zurück

Personell kann Adi Hütter - bis auf Kostic sowie die angeschlagenen Goncalo Paciencia und Gelson Fernandes – aus dem Vollen schöpfen. Ins Team zurück wird Kapitän David Abraham kehren. Der 33 Jahre alte Innenverteidiger hat sich dieser Tage auch via Sky zu seiner Zukunft geäußert und gesagt, „definitiv“ seine Karriere bei der Eintracht beenden zu wollen. Danach werde er nicht mehr professionell Fußball spielen. Sein Kontrakt in Frankfurt läuft noch bis 2021, er werde sicher noch bis zur Winterpause in Frankfurt verteidigen, womöglich gar bis zum Vertragsende.

Seinen ursprünglichen Plan, wegen seines in Argentinien lebenden Sohnes bereits in diesem Sommer nach Südamerika zurückzugehen, hat er wegen der schweren letzten Wochen inklusive Corona-Pandemie und erheblicher wirtschaftlicher Probleme in Argentinien zurückgestellt. „Für mich ist es das Beste, in Frankfurt zu bleiben“, sagte Abraham. Für den Innenverteidiger ist Frankfurt ein zweites Zuhause geworden. In Argentinien könnte er sich allenfalls noch vorstellen, aus Spaß in unterklassigen Ligen Fußball zu spielen.

FC Bayern München - Eintracht Frankfurt: Die voraussichtlichen Aufstellungen

Bayern München: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Davies – Kimmich, Goretzka – Coman, Müller, Gnabry – Lewandowski. 

Eintracht Frankfurt: Trapp - Abraham, Hasebe, Hinteregger - Toure, Chandler - Gacinovic, Rode, Kohr - Kamada - Silva. 

Bei Eintracht Frankfurt fehlen: Kostic (Rotsperre), Paciencia (Trainingsrückstand), Fernandes (Sehnenverletzung)

Von Thomas Kilchenstein

Eintracht Frankfurt unterliegt im Halbfinale des DFB-Pokals dem FC Bayern München mit 1:2. So haben sich die einzelnen Eintracht-Spieler geschlagen - das Klassenbuch.

Rubriklistenbild: © AFP

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