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Mach es noch einmal, Mijat: Eintracht-Profi Gacinovic

Eintracht vor dem Bundesligafinale

Und schon wieder ein Endspiel gegen Bayern München - Erinnerungen werden wach

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Eintracht Frankfurt fährt am letzten Spieltag nach München - und erinnert sich an Berlin.

Selbstverständlich ist der Frankfurter Trainer nach dem jüngsten Rückschlag gegen Mainz 05 gefragt worden, warum Eintracht Frankfurt ausgerechnet beim Abonnementsmeister Bayern München am Samstag den einen, fürs internationale Geschäft wohl notwendige Punkt holen werde. Adi Hütters Antwort war ebenso schlicht wie richtig: „Weil wir ihn brauchen.“ Ach, wenn es doch immer nur so einfach wäre.

Andererseits: Manchmal ist es in der Tat kinderleicht, einen Treffer gegen die Bayern zu schießen, man schiebt den Ball halt ins Tor, und zuweilen ist ja nicht mal ein Torwart drin. Mijat Gacinovic kann da eine schöne Geschichte erzählen, ein Jahr ist es her, als er viel grüne Wiese vor und nur einen bemitleidenswerten Mats Hummels hinter sich hatte. „Das war definitiv der beste Moment meiner Karriere“, sagte er später der FR, nachdem er das 3:1 im Pokalfinale eben gegen diese Bayern erzielt hatte, an jenem „legendärischen“ (Ex-Torwart Lukas Hradecky) 19. Mai 2018 in Berlin.

Mijat Gacinovic fehlt noch ein Tor in der Bundesliga

In der neuen Bundesligasaison ist der schmächtige Serbe dann aber nicht durch besondere Torgefahr auffällig geworden, in 28 Spielen erzielte der offensive Mittelfeldspieler exakt null Tore, war an mickrigen zwei Treffern beteiligt, und unlängst klagte er sich selbst an: „Alle treffen, nur ich nicht.“ Inzwischen hat der 24-Jährige eine, wie es scheint, veritable Phobie gegen das Toreschießen entwickelt: Nähert er sich dem Eckigen, hält er fieberhaft-hektisch Ausschau nach Mitspielern, zuweilen auch schlechter postierten, die er anspielen kann, nur um nicht selbst abschließen zu müssen. Oder er bricht mutterseelenallein einen Sprint ab, um ein vermeintliches Foulspiel zu reklamieren.

So furchtbar viele Gelegenheiten wird der bienenfleißige Gacinovic vermutlich nicht bekommen, um in München ein Tor zu erzielen, die wenigen sollten die Hessen nutzen, wenn sie ihre bisherige sehr gute Saison veredeln wollen, wie allenthalben betont wird. Sie werden den Bayern, wie auch immer, Paroli bieten, werden unangenehm und nicklig sein müssen und hoffen, nicht allzu schnell in Rückstand zu geraten.

Niko Kovac kennt Eintracht Frankfurt aus dem Effeff

Respekt immerhin haben sich die Frankfurter im Laufe der Saison erarbeitet, die Bajuwaren werden sie sicher nicht unterschätzen, dafür wird Niko Kovac sorgen, der die Frankfurter aus dem Effeff kennt. Die Favoritenrolle ist klar verteilt, was ja kein Nachteil sein muss, wenn man Verteidiger Simon Falette zuhört: „Heute“, sagte er nach dem Mainz-Spiel, „waren wir der Favorit und haben verloren, nächste Woche ist Bayern der Favorit, dann können wir gewinnen.“ Zur Einordnung: Der letzte Frankfurter Bundesligasieg datiert vom 6. April, bald sechs Wochen ist das her, und da mussten auf Schalke 99 Minuten gespielt werden.

Sechs Spiele im Sommer

Pikant ist: Wieder ist ein Spiel gegen den FC Bayern von entscheidender Bedeutung, es ist wieder ein Endspiel, 2018 war es das Pokalfinale, diesmal das Saisonfinale. Im vergangenen Jahr rettete der Sensationscoup im Mai eine Saison, und nun? Die Saison ist, was die internationalen Auftritte angeht, überragend verlaufen, die Eintracht hat sich beeindruckend in Europa verkauft, hat unglaublich viel an Prestige gewonnen und enorme Aufmerksamkeit erhalten. Die Strahlkraft der Frankfurter ist gewaltig, die Eintracht hat sich viele Sympathien erworben und war lange das Aushängeschild der Bundesliga in Europa.

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Wenn sie jetzt in der Liga auf einem Platz acht landen würde, wäre das - angesichts der Erwartungshaltung, mit der der Klub in die Saison gegangen ist - sicher in Ordnung. Jeder hätte das vor Rundenbeginn unterschrieben. Nach dem Verlauf dieser so mitreißenden Spielzeit und den oft genug bärenstarken Vorstellungen der Eintracht, die seit dem siebten Spieltag ununterbrochen auf einem Platz für Europa rangierte, vom 27. bis zum 32. Spieltag sogar auf einem Champions-League-Platz, wäre ein achter Tabellenplatz doch mit einem schalen Beigeschmack behaftet. Denn leicht, sehr leicht, wäre so viel mehr drin gewesen, man denke nur an die letzten drei Heimspiele, in denen lediglich ein Zähler geholt wurde. Unglücklicherweise hätten in den letzten fünf Jahren 54 Zähler stets locker fürs internationale Geschäft gereicht, Platz acht belegten Teams, die zwischen 44 und 49 Punkte errungen hatten.

Eintracht Frankfurt drohen drei Quali-Spiele bei Platz Sieben

Sollte Eintracht Frankfurt indes noch Siebter werden, müsste man drei Qualifikationsrunden für die Europa League spielen, insgesamt sechs Spiele im Sommer. Das erste wäre bereits am 25. Juli, was die Saisonvorbereitung ziemlich durcheinander wirbeln würde. Denn eigentlich ist ein Trainingslager zwischen dem 24. Juli und dem 4. August in Windischgarsten in Österreich geplant. Aber womöglich kommt ja alles ganz anders. Wie man die Bayern schlägt, ist seit einem Jahr hinlänglich bekannt - selbst wenn Gacinovic nicht treffen sollte. „Bruda, schlag den Ball lang“, Ante Rebic ist bereit.

Rode in der Schweiz

Sebastian Rode hat sich am Montag in einer Klinik in der Schweiz seiner Knieoperation unterzogen. Die OP sei gut verlaufen, verkündete der defensive Mittelfeldspieler in den Sozialen Netzwerken. „Mir geht’s soweit ganz gut“, schrieb er der FR am Dienstag. Der 28-Jährige laboriert an einem Knorpelschaden, bereits dem dritten in seiner Karriere. In dieser Saison absolvierte Rode seit der Winterpause 20 Pflichtspiele für die Eintracht. Er ist von Borussia Dortmund lediglich ausgeliehen. Ob die Hessen ihn fest verpflichten, steht noch nicht fest, das hängt auch vom Verlauf seiner Genesung ab. „Ich werde wieder hart für mein Comeback schuften“, versprach er. (kil)

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