Eiskalt aus elf Metern: Rodrigo Zalazar, Leihgabe von Eintracht Frankfurt, fällt auf.
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Eiskalt aus elf Metern: Rodrigo Zalazar, Leihgabe von Eintracht Frankfurt, fällt auf.

SGE

Eintracht Frankfurt: Leihspieler überzeugt in der 2. Liga

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Leihspieler Rodrigo Zalazar drängt sich beim FC St. Pauli mit so guten Leistungen auf, dass er bald für seinen Stammverein Eintracht Frankfurt interessant werden könnte.

  • Eintracht Frankfurt gab Rodrigo Zalazar per Leihe ab.
  • Beim FC St. Pauli überzeugt Zalazar und könnte für SGE wieder interessant werden.
  • Offensivspieler trifft kurz vor Schluss per Elfmeter zum Ausgleich.

Frankfurt - Als der FC St Pauli am Samstag in der Schlussphase am Darmstädter Böllenfalltor drauf und dran war, den knappen Rückstand noch wettzumachen, schnappte sich wieder einmal Rodrigo Zalazar den Ball. Auf halbrechter Position, 30, 40 Meter vor dem gegnerischen Kasten, seinen Kopf nach vorne gerichtet, einen Buckel machend, und los: Der 21-Jährige umdribbelte den ersten Darmstädter, rannte locker am zweiten vorbei, war längst am Strafraumeck angekommen, nahm es mit einem dritten erfolgreich auf, um dann an der Flanke zu scheitern. Der Ball prallte ab, der Versuch verpuffte, Zalazar lag am Boden.

Eintracht Frankfurt: Zalazar trifft per Elfmeter

Keine zwei Minuten später riss sich der 21-Jährige sein Trikot vom Leib, rannte seinen Hamburger Mitspielern in die Arme und jubelte. 2:2 in der Nachspielzeit, Torschütze vom Elfmeterpunkt, na logisch: Rodrigo Zalazar. „Er ist ein Eisvogel“, lobte Pauli-Trainer Timo Schultz die Nerven seines Mittelfeldspielers, der nicht nur in Darmstadt, sondern schon eine Woche zuvor gegen Nürnberg per Strafstoß getroffen hatte.

Überhaupt erlebt der von Eintracht Frankfurt bis Saisonende nach Hamburg verliehene Zalazar beim Kiezklub eine gute Zeit. In allen fünf Zweitligaspielen stand er bisher auf dem Rasen, viermal von Beginn an, und überzeugte seinen Trainer mit einer wilden Spielweise. „Rodrigo fällt positiv auf, weil er sich überall auf dem Platz herumtreibt. Das ist seine Stärke, er hat einen unbändigen Willen, eine gute Technik, eine hohe Dynamik“, beantwortete Schultz die FR-Frage nach der Entwicklung seines jungen Spielers, schränkte aber ein: „Als Trainer muss man ab und zu mal weggucken, weil er überall rumläuft.“

In der Tat: Auch in Darmstadt war Zalazar mal links vorne, mal rechts hinten zu finden. Kam er an den Ball, rannte er drauf los. Ein Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Spieler, der lernen sollte, früher abzuspielen. Schultz weiß das, wolle Zalazar, nur Rodri von seinen Kameraden gerufen, aber auf keinen Fall bremsen. „Ich glaube, dass er eine Zukunft hat. Dieses Jahr ist sie bei uns, wie es danach aussieht, wird die Entwicklung zeigen.“

Eintracht Frankfurt: „Herz am rechten Fleck“

Im Januar 2019 hatte Zalazar für Uruguay bei der U-20-Südamerikameisterschaft stark gespielt und fiel dadurch dem Frankfurter Kaderplaner Ben Manga auf. Die Hessen warben um Zalazar, der beim FC Malaga fußballerisch ausgebildet wurde, aber nie ein Profispiel für den Klub aus Spanien bestritt, und verpflichteten ihn. Rodrigo passe gut ins Konzept, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic damals, „denn er hat bereits bei seinen vorherigen Stationen sein Können unter Beweis gestellt.“

Bei Eintracht-Trainer Adi Hütter blieb er jedoch außen vor, wurde schnell nach seiner Ankunft am Main weiter nach Polen zu Korona Kielce verliehen, für die er vergangene Runde nur auf neun Kurzeinsätze kam, ehe in diesem Sommer St. Pauli zuschlug. „Er hat das Herz am rechten Fleck“, bescheinigt Trainer Schultz seinem Profi, der alle Standardsituationen einschließlich der Elfmeter schießen darf, eine gute Einstellung.

In Europa unterwegs

Fünf Eintracht-Leihspieler kicken zurzeit bei anderen Klubs. Neben Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli) sind das Torwart Frederik Rönnow und Stürmer Goncalo Paciencia, die beide bei Schalke 04 unter Vertrag stehen, sowie die Talente Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Nils Stendera (Lok Leipzig). Während Stendera beim Viertligisten zwar sechsmal zum Einsatz kam, aber nur einmal von Beginn starten durfte, tritt Joveljic für die Österreicher sogar in der Europa League an. Unlängst holte er beim 1:1 seines Klubs gegen ZSKA Moskau den Elfmeter heraus. In der österreichischen Liga traf er bisher zweimal.

Bemerkenswert deshalb, weil er bisher den Anschein machte, als würde es Zalazar genau daran mangeln – zumindest abseits des Platzes. So verkündete der im spanischen Albacete geborene Fußballer zum Ärger der Frankfurter Bosse seinen Wechsel zur Eintracht in den Sozialen Netzwerken quasi selbst. Später postete er zudem anlässlich seines 20. Geburtstags ein Foto aus dem KZ Auschwitz samt unpassender Party-Smilies.

Bei der Eintracht steht Zalazar, dessen Vater José Luis 29-mal für Uruguays Nationalteam am Ball war, noch bis 2023 unter Vertrag. Ob er im kommenden Sommer einen weiteren Anlauf in Frankfurt wagen darf, hängt von seiner Entwicklung ab. Ein passabler Zweitligakicker ist Zalazar allemal, aber ob’s aber auch für die Bundesliga reicht? Die von Trainer Hütter geforderten Eigenschaften eines zentralen Mittelfeldmannes bringt er jedenfalls grundsätzlich mit. Zalazar ist ausdauernd, recht rasch unterwegs, technisch begabt, hat Zug zum Tor. Auch das Wilde im Spiel würde der Eintracht nicht schaden. Und ein wenig Zeit zur Reife hat er ja noch. (von Daniel Schmitt)

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