Rückrunden-Bilanz

Eintracht Frankfurt mit langem Atem

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt hat dieses Mal eine viel bessere Rückrunde als gewohnt gespielt - das hat seine Gründe.

  • Eintracht Frankfurt ist in der Sommerpause
  • Trotz Mehrfachbelastung lief die Rückrunde ordentlich
  • In der kommenden Saison will man zurück ins internationale Geschäft

Ehe sich die Vielspieler von Eintracht Frankfurt vor zehn Tagen urlaubshalber in die halbe Welt verstreuten, hat Vorstand Fredi Bobic noch einmal ein wahres Füllhorn an Lob über den Kickern ausgeschüttet. Nach 54 Spielen binnen zwölf Monaten, einer unerwarteten Zwangspause, zwei dicken Krisen und einem versöhnlichen Ende hat der Macher den Profis gratuliert. „Ich bin total stolz darauf bin, wie sie diese Saison gemeistert haben. Sie haben es geschafft, den Fokus über so einen langen Zeitraum in jedem Spiel, in jedem Training und vor allem auch in der Corona-Zeit zu halten.“

Man habe, trotz einiger Dellen, gezeigt, dass „wir mit unserer Qualität“ mit jedem Gegner mithalten können. Das war natürlich auch ein kleiner Seitenhieb auf all jene Kritiker, die Kaderplanung und personelle Ausstattung für die gerade abgelaufene Saison nicht für besonders gelungen hielten.

Eintracht Frankfurt: Die Rückrunde war gut

Bei allen Wacklern und aller mangelnder Konstanz muss man eines festhalten: Eintracht Frankfurt spielte eine sehr gute Rückrunde, holte da erstaunliche 27 Zähler. Mehr Punkte in der zweiten Saisonhälfte gab es in den letzten zehn Jahren nur in der Runde 2011/12, da sammelten die Hessen stolze 30 Punkte ein - sie spielten da aber auch in der zweiten Liga. In der vorvergangenen Saison (mit der Büffelherde) holten die Frankfurter in der Rückrunde ebenfalls 27 Zähler, so viele wie in der Hinrunde.

Das Besondere an der Saison 2019/2020 ist aber, dass die Eintracht trotz der Mehrfachbelastung in DFB-Pokal und Europa League eine so viel bessere zweite Hälfte hinbekommen hat - am 17. Spieltag und einer wahren Niederlagenserie zuvor standen lediglich 18 Punkte zu Buche; im neuen Jahr packten die Hessen neun Punkte mehr drauf.

Eintracht Frankfurt: Den Fluch der schlechten zweiten Saisonhälfte besiegt

Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil Eintracht Frankfurt bekannt dafür ist, in der zweiten Hälfte in aller Regel abzubauen und schwächer abzuschneiden. In den letzten zehn Jahren holte man - außer in der jetzt abgelaufenen Saison - lediglich in 2015/16 (plus zwei) und 2013/14 (plus sechs) mehr Punkte in der Rückserie als in der Hinrunde.

Zwei ganz große Einbrüche gab es zudem, und zwar 2016/17, seinerzeit standen nach der Hinrunde bereits 29 Punkte auf der Habenseite, aus den Spielen 18 bis 34 reichte es dann unter dem Trainer Niko Kovac lediglich zu 13 weiteren. In der Rückrundentabelle lag die Eintracht folglich ganz hinten auf Rang 18, noch hinter Darmstadt 98. Am Ende landete sie mit 42 Punkten auf dem elften Tabellenplatz, nach 17 Partien grüßte sie von Rang sechs.

Und schließlich gab es da noch die berüchtigte Spielzeit 2010/11, als in der „Rückrunde der Schande“ nur ganze acht Pünktchen aufs Konto geschaufelt werden konnten - stolze 18 weniger als in der Hinserie. Der Abstieg war also logisch.

Eintracht Frankfurt: Körperlich topfit

Die meisten Punkte im zweiten Teil einer Saison holte Eintracht Frankfurt allerdings unter Trainer Felix Magath. 1999/2000 war es, und die Hessen standen nach dem ersten Teil der Runde mit sage und schreibe neun Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Dann starteten die Frankfurter eine unglaubliche Aufholjagd, sie verloren nur noch viermal, klaubten mit Magath in 17 Spielen 30 Zähler zusammen und blieben, auch wegen eines 2:1-Erfolgs am letzten Spieltag gegen den SSV Ulm, erstklassig. Damals, vor 20 Jahren, hatte die Eintracht aber lediglich 36 Pflichtspiele zu bestreiten, sie schied bereits in der zweiten Pokalrunde aus. In der aktuellen Saison hatte sie bekanntlich 54 Spiele in den Knochen, so viel wie noch nie in ihrer 121-jährigen Geschichte.

Vielleicht liegt das gute Abschneiden in dieser Halbserie auch an der körperlichen Konstitution. Die Frankfurter hatten kaum Verletzte zu beklagen, und das bei den vielen Spielen, die Trainingssteuerung hat also funktioniert. Coach Adi Hütter gibt das Lob an seine Crew weiter, Reha-, Konditions- und Athletiktrainer hätten einen herausragenden Job gemacht, die medizinische Abteilung sowieso.

Eintracht Frankfurt verlängert den Vertrag mit dem Mannschaftsarzt

Auch deshalb hat die Eintracht nun die Zusammenarbeit mit Mannschaftsarzt Florian Pfab um zwei weitere Jahre bis 2022 ausgedehnt. Der 44-Jährige hat sich in der Vergangenheit den Ruf erworben, speziell gegen Muskelverletzungen vorbeugend zu arbeiten. Zudem kommt in Andreas Beck eine absolute Fachkraft von Borussia Dortmund und übernimmt den neu geschaffenen Posten des Leiters Athletik, Prävention und Rehabilitation. „Ich sehe uns im medizinischen Bereich mittlerweile so aufgestellt, wie ich es mir vorstelle“, sagt Fredi Bobic.

Und die Saison, so kurios das klingt, ist noch gar nicht zu Ende. Am 5. oder 6. August steigt das Rückspiel in der Europa League gegen den FC Basel. Zwar hat die Eintracht das Hinspiel, das erste, das wegen der Corona-Krise ohne Publikum gespielt wurde, 0:3 verloren, doch die Frankfurter Entourage hat noch einiges vor. „Abschenken werden wir das keineswegs“, sagt Bobic, selbst wenn die Mannschaft mit dem ersten Training erst am 27. Juli beginnen und die Vorbereitung auf die Partie entsprechend kurz sein wird. In der Schweiz geht die Saison bis zum 2. August mit allein sechs Englischen Wochen am Stück.

„Vielleicht sind sie ja etwas müde“, orakelt der Sportchef und betont: „Natürlich sagt jeder, dass wir nach dem 0:3 im Hinspiel keine Chance mehr haben, aber da bin ich mir nicht so sicher. Letztendlich wird es an uns liegen, wie wir in die Vorbereitung starten. Wir werden diesen Wettbewerb und diese Partie in den Vorbereitungsprozess eingliedern und versuchen, gegen Basel zu gewinnen, die Sensation zu schaffen und eine Runde weiterzukommen.“ Leicht wird das nicht.

Viertel-, Halbfinals und das Finale werden bekanntlich in nur je einer Partie in Nordrhein-Westfalen ausgetragen, da sei vieles möglich. „Sollte der europäische Wettbewerb wegfallen, ist es für uns vielleicht ganz gut, unter der Woche mal gut trainieren und sauber arbeiten zu können. Der Trainer kann seine Mannschaft dann weiterentwickeln. Das könnte ein Vorteil sein.“ Um einen neuen Angriff auf Europa zu starten. „Wir wollen“, sagt Trainer Adi Hütter, „wieder ins internationale Geschäft.“

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