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Glücklicherweise ist der im Tausch mit Ante Rebic gekommene André Silva gerade rechtzeitig in Form gekommen.

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Eintracht Frankfurt-Kommentar: Weg mit dem Kater

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Eintracht Frankfurt genießt die Erfolge in den Pokalspielen - und muss doch aufpassen, in der Liga nicht abzurutschen.

Schon vor dem recht unspektakulär eingetüteten Halbfinaleinzug im DFB-Pokal hat Adi Hütter eine kleine Zwischenbilanz des bisherigen Abschneidens seiner erneut viel beanspruchten Mannschaft gezogen. In Europa und im nationalen Pokalwettbewerb, folgerte der Eintracht-Trainer, habe sein Team deutlich sichtbare Spuren hinterlassen, „insgesamt kann ich nur ein Kompliment aussprechen“. Das ist absolut richtig.

Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison schon jetzt mehr erreicht, als dem Ensemble gemeinhin zugetraut worden war, schließlich ist der Kader vor dieser Spielzeit arg gerupft und zerpflückt worden, allein der kollektive Abgang der drei Topstürmer wog und wiegt noch immer schwer. So viel Klasse, so viel Power und so viele Tore lassen sich nicht mir nichts, dir nichts ersetzen, zumal der als Art Königstransfer geholte Bas Dost gar nicht auf die Beine kommt und weiterhin unpässlich ist. Beim baumlangen Niederländer sind Körper und Geist aus der Balance geraten. Das ist schlecht für ihn und schlecht für die Eintracht. Glücklicherweise hat sich der im Tausch mit Ante Rebic gekommene André Silva akklimatisiert und gezeigt, dass eine Menge Potenzial in ihm schlummert. Er ist gerade rechtzeitig in Form gekommen.

Die Eintracht hat ihr Spiel modifiziert, sie tritt lange nicht mehr so wuchtig und offensiv wie früher auf, aber sie ist, zumindest in den Highlightspielen, ein ekliger und sperriger Opponent, der über Widerstandsfähigkeit und Siegeswillen verfügt. Die K.o.-Duelle liegen ihr einfach, da kann, auch im Zusammenspiel mit dem Anhang, etwas Außergewöhnliches entstehen. Drei Halbfinalteilnahmen in den vergangenen vier Jahren im Pokal und eine weitere in der Europa League sind eher kein Zufall. Auch deshalb ist die Eintracht nur noch einen Sieg von Berlin entfernt, auch deshalb spielt sie gegen den FC Basel um den Einzug in die Runde der letzten Acht in der Europa League. Chapeau.

Die Frankfurter haben über die Extrawettbewerbe die Saison bereits im späten Winter 2020 gerettet und veredelt. Dass ein ganz großer Coup gelingt, ist natürlich nicht ausgeschlossen, aber scheint auch nicht über die Maßen wahrscheinlich. Im DFB-Pokal fehlt in Filip Kostic der mit Abstand beste Spieler, ohne den die Mannschaft nicht mal die Hälfte wert ist, zudem sind ja auch noch die nach dem Aus von Ex-Eintracht-Coach Niko Kovac wieder ziemlich goliathesken Bayern dabei.

Und auf internationalem Terrain müssten in sechs Duellen noch drei Kontrahenten aus dem Weg geräumt werden, um zum Endspielort nach Danzig zu gelangen – auch angesichts der Schwergewichte mit klangvollen Namen wie Manchester United, Inter Mailand oder FC Sevilla ein äußerst schwieriges Unterfangen. Und doch sind es diese Partien, diese Glanzlichter, die einen großen Reiz ausüben, die für Kitzel und ein bisschen Magie sorgen.

Und genau deshalb müssen die Frankfurter nun aufpassen, dass der Fokus nicht verrutscht und sie im Ligaalltag nicht weiter abrutschen. Denn da war zuletzt häufiger ein eklatanter Spannungsabfall zu beobachten. Den kann sich die Eintracht aber ganz und gar nicht leisten, gerade im Hinblick auf die kommenden drei Gegner nicht: Leverkusen, Gladbach, Bayern. Da müssen die Hessen hellwach, bissig und griffig sein – sonst können die rauschenden Feste mit einem fiesen Kater enden.

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