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Almamy Toure (l.) kämpft gegen Kevin Zohi um den Ball.

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Frankfurter Wucht

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Der Weg von Eintracht Frankfurt führt schnurstracks nach oben. Der Einzug in die Europa League wird dem Klub ordentlich Rückenwind für die Bundesliga geben. Ein Kommentar.

Die Saison in der Europa League hat noch gar nicht begonnen, da hat Eintracht Frankfurt schon ein Ausrufezeichen gesetzt, ein erstes Highlight gezündet: Was an diesem milden Donnerstagabend im Frankfurter Stadion geboten wurde, war schon außergewöhnlich, war an Dramatik und Spektakel kaum zu überbieten. Und in dieser Gemengelage entwickelte sich das, was Vorstand Axel Hellmann als „Geist des Klubs“ bezeichnete: Das Zusammenspiel zwischen Fans oben und Spielern unten funktionierte wieder einmal, ließ die Arena im Stadtwald erzittern, der Funke sprang wechselseitig über.

Es war ein echter Gladiatorenkampf, angepeitscht von einer leidenschaftlich mitgehenden Anhängerschaft. Und es war eine kaum für möglich gehaltene Steigerung zu den ohnehin schon magischen Europapokalnächten in der vergangen Saison. Gerade in diesen besonderen Spielen entfaltet der Klub eine ganz spezielle Wucht, eine Dynamik, legt eine Mentalität an den Tag, der schwer standzuhalten ist. „Zu Hause sind wir unschlagbar“, übertrieb Torwart Kevin Trapp in einer emotionalen Reaktion. Zumindest kann im Stadtwald der Wille dieser Mannschaft Berge versetzen.

Eintracht Frankfurt und Europa: Keine Selbstverständlichkeit

Dass Eintracht Frankfurt nun zum zweiten Mal hintereinander europäisch spielt, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Fredi Bobic, der Eintracht-Boss, hat schon Recht, wenn er das erneute Erreichen des für die Hessen so lukrativen Wettbewerbs mit dem Gewinn des Doubles vergleicht. Für Eintracht Frankfurt, vor drei Jahren mit einem Bein in der zweiten Liga, das darf man ja nie vergessen, ist das eine außergewöhnliche Leistung. Und wirkt mindestens so stark in den Klub hinein wie erneut zu erwartende wirtschaftliche Segnungen. Die vergangene Europareise, die bis ins Halbfinale führte, hat den Hessen Einnahmen von rund 40 Millionen Euro beschert, wahrlich kein Pappenstiel.

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Dieser glückliche Abschluss der Ochsentour im Sommer durch Europa mit sechs zusätzlichen Pflichtspielen wird die Mannschaft, wird dem Klub enormen Rückenwind für die Bundesliga geben. Allein das Wissen um mindestens sechs weitere Festtage bis Weihnachten beflügelt alle, die es mit Eintracht Frankfurt halten. Dass im Stadion kein Platz frei bleiben wird, war vorher klar - und diese Lust auf internationale Auftritte ist noch lange nicht befriedigt, sie scheint vielmehr immer größer zu werden.

Eintracht Frankfurt wird durch die neuen internationalen Erfolge mittlerweile anders wahrgenommen, die Strahlkraft der Vereins auch über die Grenzen der Stadt hinaus ist so stark wie lange nicht. Der Weg, den dieser Klub seit zwei Jahren bestreitet, führt schnurstracks nach oben. Grenzen wurden verschoben, Herausforderungen wachsen, ebenso Ambitionen. Aber das sind Probleme, die man sich als Eintracht Frankfurt durchaus wünschen kann.

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