Anhänger in Frankfurt haben gezeigt, dass beides gehen kann: Ein Fußballspiel schauen und sich so verhalten, dass davon keine Ansteckungsgefahr ausgeht.
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Anhänger in Frankfurt haben gezeigt, dass beides gehen kann: Ein Fußballspiel schauen und sich so verhalten, dass davon keine Ansteckungsgefahr ausgeht.

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Fans von Eintracht Frankfurt haben mehr Vertrauen verdient

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Hinter dem Fanverbot für Eintracht Frankfurt steckt viel Symbolpolitik. Diejenigen, die sich vorbildlich an ein Hygienekonzept gehalten haben, werden jetzt bestraft. Ein Kommentar.

  • Immer mehr Corona-Infektionen in Frankfurt: Stadt verbietet wieder Zuschauer bei Spielen von Eintracht Frankfurt
  • Fans von Eintracht Frankfurt haben in den vergangenen Wochen bewiesen, dass sie sich an die Regeln halten
  • Verbot von Fans bei Spielen von Eintracht Frankfurt sorgt bei vielen für Verdruss

Frankfurt - Eigentlich wäre das eine Quizfrage für Günter Jauch. Wo kommen in Corona-Zeiten in einer Metropole wie Frankfurt mehr Menschen dicht an dicht zusammen? In einer Straßenbahn zu Stoßzeiten? In einer Apfelweinkneipe in Sachsenhausen? Vor der Kleinmarkthalle am Samstagnachmittag? Oder im Fußballstadion zur selben Zeit im Frankfurter Stadtwald? Wer all diese Orte mal aufgesucht hat, überlegt nicht lange: Nichts fühlte sich sicherer an als die Arena. Das vom Gesundheitsamt genehmigte Konzept ist nicht nur schlüssig, sondern es wird auch befolgt. Zu den ersten Bundesliga-Heimspielen von Eintracht Frankfurt kamen Menschen, die sich den Stadionbesuch gut überlegt haben – inklusive persönlicher Risikobetrachtung ob der eigenen Gesundheit.

Fans erzeugen bei Heimspielen von Eintracht Frankfurt in Ansätzen ein Erlebnis, das Freude vermittelt

Um dann in Eigenverantwortung für sich zu sagen: Ja, ich bin gewillt mitzumachen und meinen Teil dazu beizutragen, dass ein Bundesligaspiel sich nicht wie ein steriles Produkt, sondern ein halbwegs emotionales Erlebnis anfühlt. Bei Eintracht Frankfurt haben 6500 beziehungsweise 8000 Fans gereicht, um gegen Bielefeld und Hoffenheim zumindest in Ansätzen wieder ein Erlebnis zu erzeugen, dass trotz Abstandswahrung gemeinsam Freude vermittelt. Mal ganz abgesehen davon, dass der Spaß am Leben gerade wegen sich ständig überbietender Negativnachrichten in der Corona-Krise ohnehin wieder viel zu kurz kommt, haben nicht nur Anhänger in Frankfurt gezeigt, dass beides gehen kann: ein Fußballspiel schauen und sich so verhalten, dass davon keine Ansteckungsgefahr ausgeht.

Dazu haben die fleißigen Mitarbeiter bei Eintracht Frankfurt beigetragen, die das Konzept erarbeitet haben und die in überwältigender Mehrzahl anständigen Zuschauer, die die vorgegebenen Regeln artig befolgten. Sogar draußen in der Schlange vor dem Fanshop hielten nicht nur alle 1,5 Meter Abstand, sondern trugen auch noch eine Maske. So diszipliniert geht es leider in Einkaufscentern und Restaurants, an Szenetreffs oder bei Familienfeiern in der Mainmetropole nicht überall zu. Trotzdem hat die Stadt Frankfurt jetzt in einem Bündel von Maßnahmen handstreichartig entschieden, dass keine Zuschauer mehr bei Profi-Veranstaltungen erlaubt sind.

Keine Zuschauer mehr bei Eintracht Frankfurt – das sorgt für Verdruss

Obwohl die Uniklinik bestätigt hat, dass der Stadionbesuch bislang keine Ansteckungen zu verantworten hat; obwohl nur jeder fünfte Platz belegt ist; obwohl von der Anreise bis zum Einlass alles entzerrt ist; obwohl alles unter freiem Himmel stattfindet. Dahinter steckt viel Symbolpolitik - und es sind ebenso falsche wie fatale Signale. Einfach nur aus Vorsorge etwas zu verbieten, was bei näherem Hinsehen nicht verboten werden muss, verringert die Akzeptanz der kommunalen Entscheider. Bei vielen Frankfurter Stadionbesuchern, die sich streng an die Regeln gehalten haben, um das Zuschauerkonzept von Eintracht Frankfurt zum Erfolg werden zu lassen, herrscht jetzt Verdruss. Zu Recht. Weil es jammerschade ist, dass Vertrauen entzogen wird, wo die Beteiligten mit ihrem Verhalten mehr Vertrauen verdient hätten.

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