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Adi Hütter und Eintracht Frankfurt haben noch viel Arbeit vor sich.

Nach SGE-Sieg gegen Tallinn

Unüberhörbares Knirschen bei Eintracht Frankfurt

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Nach Tallinn ist vor Vaduz: SGE-Trainer Adi Hütter nimmt bei seiner Mannschaft „noch Sand im Getriebe“ wahr - das bringt ihn aber nicht aus der Ruhe.

Einig waren sie sich bei Eintracht Frankfurt nach dem Weiterkommen in die nächste Runde der Europa-League-Qualifikation jedenfalls schon mal. Einig darüber, dass sie fast alle miteinander völlig ahnungslos sind. „Ich weiß absolut gar nichts“, sagte der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic. „Ich kann dazu nichts sagen“, ergänzte Abwehrchef Makoto Hasebe, während Flügelsprinter Danny da Costa immerhin bekundete: „Ich weiß nicht viel.“ Die Fußballer vom FC Vaduz sind für die Frankfurter unbekannt, noch nie hat sie jemand spielen sehen, geschweige denn schon Erfahrung in einem direkten Duell sammeln können. Wobei, einer schon, und dann auch noch der wichtigste Angestellte des Bundesligisten: Trainer Adi Hütter.

SGE-Gegner Vaduz spielt in der zweiten Liga

„Natürlich kenne ich Vaduz, weil sie ja noch in der ersten Schweizer Liga gespielt haben, als ich in der Schweiz gearbeitet habe“, sagte der 49-Jährige: „Ich glaube, wir haben viermal dort gespielt und kein einziges Mal gewonnen.“ Stimmt genau. Nach drei Unentschieden mit den Young Boys hatte Hütter in seinem bisher letzten Vergleich sogar eine 0:1-Niederlage mit Bern beim Klub aus Liechtenstein, der aufgrund der Konkurrenzlosigkeit im eigenen kleinen Fürstentum am Schweizer Ligabetrieb teilnimmt, hinnehmen müssen. Das war im Mai 2017, kurze Zeit später stieg Vaduz in die zweite Liga der Eidgenossen ab und seitdem nicht mehr wieder auf. Nach zwei Spieltagen hat der Klub drei Zähler in Liga zwei gesammelt.

Für Adi Hütter sind die zwei Duelle gegen die Liechtensteiner (8. und 15. August), die sich überraschend nach einer 0:1-Hinspielniederlage nun in der Verlängerung mit 2:0 gegen die favorisierten Ungarn des FC Fehérvár durchsetzten, sehr angenehme. Von seinem österreichischen Geburtsort Hohenems im Vorarlberg ist die Spielstätte des FC Vaduz, das im Europacup knapp 6000 Menschen fassende Rheinparkstadion, nur eine halbe Autostunde über die Landesgrenzen hinweg entfernt.

Eintracht Frankfurt wieder im Trainingslager

„Es ist schön, fast in der Heimat zu spielen“, sagte Hütter, „Wir haben zwar eher mit Fehérvár gerechnet, nicht mit Vaduz, aber auch der Sieg von Tallinn gegen Nis war ja überraschend. Wir werden uns den Gegner genau anschauen und uns entsprechend vorbereiten.“ Der lange selbst in der Schweiz kickende Vaduz-Trainer Mario Frick ist mit Hütter gut bekannt, den erfahrenen FC-Spielmacher Milan Gajic, 32, trainierte der Eintracht-Trainer sogar einst selbst in Bern.

Noch in der Nacht auf Freitag, also direkt nach dem Heimspiel gegen Tallinn (2:1), flogen die Frankfurter von Mannheim nach Linz und wurde dann hastig weiter ins Trainingslager nach Windischgarsten kutschiert. Es sollte möglichst keine Trainingszeit verloren gehen. Noch bis Sonntag weilen die Hessen in Oberösterreich, ehe es wieder zurück nach Frankfurt geht, um am Mittwoch die nächste Europacup-Reise nach Vaduz anzutreten. „Das Weiterkommen war die Vorgabe. Aber natürlich ist uns nicht alles leicht von der Hand gegangen. Es ist noch Luft nach oben. Da ist teils Sand im Getriebe“, sagte Hütter geradeheraus, was er ehrlicherweise aber auch kaum hätte verheimlichen können. Das Knirschen war deutlich zu vernehmen.

Noch keine Entscheidung bei Kevin Trapp

Zum einen leisteten sich seine Profis zu viele individuelle Fehler, allen voran Almamy Touré, der nicht nur beim Gegentreffer zum 1:1 schlecht aussah, sondern auch später haarsträubende Fehlpässe einstreute. Zum anderen wirkte die komplette Teamstruktur noch nicht gefestigt. Gleich mehrfach bedeutete Hütter seinen Mannen mit Handbewegungen, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen doch bitte rasch zu verkleinern. Die Stürmer sollten enger an die Mittelfeldspieler heranrücken, ebenso die Abwehrkräfte. Auch forderte der Coach dazu auf, bei Ballgewinnen als gesamtes Team umzuschalten.

Boss Bobic war ebenfalls nicht ganz zufrieden. „Wir müssen noch einiges besser machen“, sagte der Sportvorstand, der seinem Trainer dafür in den nächsten Tagen und Wochen noch den einen oder anderen neuen Profi zur Verfügung stellen will. Nach den Verpflichtungen von Abwehrmann Martin Hinteregger (Bobic: „Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. Ich will es nicht gutheißen, wenn man sich einen hinter die Binde kippt“) und Mittelfeldantreiber Sebastian Rode arbeitet er auch an einer Rückkehr von Kevin Trapp.

Lesen Sie hier über die emotionalen Minuten nach dem Spiel gegen Tallinn

Der Kontakt zum deutschen Nationalkeeper sei vorhanden, „die letzten Gespräche waren sehr gut“, so Bobic. Aber: „Für uns gibt es eine Deadline, bis wann eine Entscheidung fallen muss. Kevin weiß Bescheid.“ Den Zeitpunkt nannte der 47-Jährige nicht, in allzu weiter Ferne dürfte er aber nicht liegen. Spätestens zur entscheidenden Playoffrunde der Europacup-Qualifikation – denn intern gehen sie bei der Eintracht fest davon aus, Vaduz auszuschalten –, will die Eintracht ihren neuen Ballfänger verpflichtet haben. Gegen mögliche Kontrahenten wie die Wolverhampton Wanderers, Espanyol Barcelona, PSV Eindhoven oder Sparta Prag wollen sie in Frankfurt eher nicht mit den Ersatzleuten Felix Wiedwald und Jan Zimmermann in die Duelle gehen. Das wäre ein hohes Risiko, wohl zu hoch.

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Äußerlich zeigt sich Hütter dennoch gelassen. Zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung, „können wir noch gar nicht dort sein, wo wir uns sehen möchten“. Heißt: Es muss weiter fleißig trainiert werden.

Wen das alles gar nicht mehr betrifft, ist Jetro Willems. Der 25-jährige Holländer, einsetzbar als Linksverteidiger oder im zentralen Mittelfeld, wird für ein Jahr zum englischen Erstligisten Newcastle United verliehen, wie am Freitag bekannt wurde. Die Magpies besitzen im Anschluss eine Kaufoption. Bei der Eintracht spielte Willems, 2017 von der PSV Eindhoven gekommen, zuletzt keine Rolle mehr in den Planungen von Trainer Hütter.

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