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In Belgien überzeugend: Eintracht-Leihgabe Daichi Kamada.

Eintracht-Kader

Perspektive in Frankfurt? Die Zukunft der Leihspieler

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Wie die Frankfurter Eintracht mit Leihspielern wie Daichi Kamada und Nicolai Müller verfahren könnte.

Eigentlich sollte Danny Blum ja mal zum „besten Einwechselspieler der Bundesliga“ geformt werden. „Wenn wir es schaffen, ihn für 20 Minuten hinzubekommen, haben wir einiges erreicht“, sagte der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner unter der Sonne Alicantes. Das war der etwas merkwürdig anmutende Masterplan der Eintracht-Verantwortlichen vor rund eineinhalb Jahren. Sie haben es dann aber nicht geschafft, den nicht immer so frischen und spritzigen Danny Blum aufs richtige Gleis zu setzen.

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Der pfeilschnelle Offensivspieler wurde verliehen, nach Las Palmas, doch auch unter der Sonne Gran Canarias floppte der 28-Jährige. Nach Frankfurt kommt der eigenwillige Frankenthaler allerdings nicht zurück, er hat sich jetzt dem Zweitligisten VfL Bochum angeschlossen, im Ruhrgebiet unterschrieb er für zwei Jahre und wird einen neuen Anlauf nehmen, seine stockende Karriere zu beschleunigen. Eine gute Entscheidung. Bei der Eintracht hätte er ohnehin keine Chance mehr gehabt, die Mannschaft hat sich für einen wie Blum zu schnell entwickelt.

Aber wie sieht es mit den anderen Spielern aus, die auszogen, um ihr Glück auf Leihbasis zu versuchen und, theoretisch, am 1. Juli wieder im Stadtwald aufschlagen werden?

Was ist mit Nicolai Müller?

Nicolai Müller war im Winter nach Hannover gewechselt, wo der Rechtsaußen aber den freien Fall nicht bremsen konnte. Die Niedersachsen stiegen letztlich kläglich ab, als Vorletzter mit nur 21 Punkten, sieben davon holten sie übrigens in den letzten fünf Spielen, als sie schon so gut wie weg vom Fenster waren. Müller hat somit sogar das Kunststück geschafft, zweimal hintereinander, erst mit dem HSV, jetzt mit den 96ern, abzusteigen.

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Tiefe Spuren hat der 31-Jährige an der Leine nicht hinterlassen, er kam auf 14 Einsätze, elf von Beginn an, hat drei Tore gemacht, eines am letzten Spieltag beim 1:2 in Düsseldorf, deren zwei gegen den 1. FC Nürnberg, beim 2:0-Sieg avancierte er zum Matchwinner. Das war Anfang Februar, und die Hoffnung lebte, ehe sie doch recht schnell erlosch.

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In Frankfurt wird es der Flügelstürmer, dessen Kontrakt noch ein Jahr läuft, schwer haben, er kam schon in der Hinrunde nur sporadisch zum Einsatz, in der Bundesliga siebenmal, immerhin mit zwei Toren, in der Europa League war er viermal am Start. Doch die Dynamik, die ihn einst auszeichnete, ist auch aufgrund seines Kreuzbandrisses vor zwei Jahren auf der Strecke geblieben. Müller wirkt nicht mehr so flink und forsch. Attribute, die für das Eintracht-Spiel aber nicht unerheblich sind. Ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht? Eher nicht.

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Bei Daichi Kamada könnte das anders aussehen. Der feingliedrige Offensivspieler war in Belgien bei VV St. Truiden Stammspieler und Stützpfeiler. Der Japaner, 22, wusste als hängende Spitze zu überzeugen, traf in der regulären Saison zwölfmal, auch gegen Spitzenteams wie Standard Lüttich, FC Brügge oder den RSC Anderlecht. In den Playoffs war er an acht Toren beteiligt, machte drei selbst und legte für fünf weitere auf.

Cavar floppt in Osijek

Aber die belgische Liga ist natürlich nicht im Ansatz mit der deutschen zu vergleichen, und da war der introvertierte Mann aus Nippon ganz weit weg von der Frankfurter Mannschaft, die Bundesliga schien eine, eher zwei Nummern zu groß. Sicherlich kommt er mit mehr Selbstbewusstsein zurück, die Spielpraxis und die Erfolgserlebnisse werden ihm gut getan haben. Vielleicht wird Coach Adi Hütter ihm noch mal eine Chance geben, ihn sich genau anschauen.

Um eine Chance zu haben, müsste sich Kamada, bis 2021 unter Vertrag, schon gewaltig gesteigert haben und anders auftreten, nicht mehr so juvenil. Vor einem Jahr konnte der verspielte Techniker nicht überzeugen, da landete er in der Trainingsgruppe zwei. Kann er jetzt durchstarten? Nicht unmöglich, aber alles andere als garantiert.

Und dann gibt es ja noch den zierlichen Marijan Cavar, den Ex-Trainer Niko Kovac als „sehr, sehr talentiert“ bezeichnete. „Wir haben mit ihm einen richtig guten Fang gemacht.“ Das ganze Talent reichte aber nicht mal aus, um beim kroatischen Vertreter NK Osijek zu spielen. In den letzten zehn Partien kam der 21-Jährige, in Frankfurt bis 2021 gebunden, gar nicht mehr zum Einsatz, schaffte es nur einmal in den Kader und wurde einmal gar zur zweiten Mannschaft versetzt. Das sind, nun ja, keine besonders guten Referenzen, um in der Bundesliga durchzustarten. Der Bosnier hat in Frankfurt keine Zukunft, die Eintracht wird alles daran setzen, den Mittelfeldspieler abzugeben.

Ähnlich sieht es bei Felix Wiedwald aus, der in Duisburg Spielpraxis sammeln konnte, aber mit Zweitliga-Aufsteiger MSV sang- und klanglos wieder abstieg. Der 29-Jährige hielt allenfalls solide, aber mehr auch nicht, als großer Rückhalt entpuppte er sich nicht. In 16 Pflichtspielen kassierte er 32 Tore. Kein Ruhmesblatt, auch wenn das natürlich nicht nur dem Keeper anzulasten ist. Bei der Eintracht hat er eher keine Zukunft mehr, war in der Torhüterhierarchie an Position vier, noch hinter Jan Zimmermann, abgerutscht. Ist nun auch nicht gerade als Stimmungskanone bekannt. Da stehen die Zeichen trotz eines gültigen Arbeitsvertrages bis 2021 klar auf Trennung – wenn sich ein Abnehmer findet.

Das gilt auch für Noel Knothe, den 20-Jährigen, der im vergangenen halben Jahr in Pipinsried verteidigte. Pipin ... was? „Ich wusste zuerst nicht genau, wo das liegt“, sagte er ehrlicherweise. Er lernte das kleine Pfarrdorf, 500 Einwohner stark, im oberbayerischen Landkreis Dachau kennen und schätzen, riss aber keine Bäume aus. Zwölf Einsätze in der Regionalliga Bayern, kein Tor, eine Gelb-Rote Karte. Pipinsried stieg als Tabellenletzter sang- und klanglos ab, Knothe kommt zurück. Perspektive in Frankfurt? Gleich null.

Neues vom Datenklau

Eintracht Frankfurt sieht sich in der „Datenklau-Affäre“ um die vermeintliche Spionage bei Konkurrent RB Leipzig mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Wie das Unternehmen ISB, das die betroffene Scouting-Plattform betreibt, dem Bayrischen Rundfunk bestätigte, könnte das Ausmaß des Datendiebstahls größer sein als bisher angenommen. Vor allem die Annahme, dass ein inzwischen entlassener U17-Trainer der Eintracht allein verantwortlich für den unberechtigten Zugriff auf die Datenbank war, wird von ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost bezweifelt: „In Anbetracht der Vielzahl der Zugriffe ist es schwer vorstellbar, dass hier eine einzelne Person tätig war.“ Über 5600 Abrufe seien allein aus der Geschäftsstelle am Riederwald erfasst worden, darunter auch solche auf Profile hochkarätiger Profitalente außerhalb des Juniorenbereichs. Einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Spielerverpflichtungen sahen beide Klubs  allerdings nicht. Die ISB hat Klage gegen die Eintracht eingereicht. (sid)

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