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Kevin-Prince Boateng gewann mit der Eintracht den DFB-Pokal.

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Eintracht Frankfurt: Kehrt Kevin-Prince Boateng wirklich zurück?

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Eintracht Frankfurt arbeitet an der spektakulären Rückkehr von Kevin-Prince Boateng – und kommt dabei gut voran. Auch Vallejo ist weiter ein Thema.

Frankfurt - Im Oktober 2018 hielten die Fotografen im Frankfurter Stadion auf einem Bild zwei Gefühlswallungen fest, wie sie konträrer kaum sein könnten. Einerseits fingen sie einen heulenden Fußballprofi ein, einen gestandenen Mann, der einfach nicht mehr anders kann, als seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, der die schier unendlichen Glückshormone in seinem Körper nicht anders zu verarbeiten weiß, als sie in dicken Tränen über sein Gesicht kullern zu lassen. Andererseits einen breit grinsenden Fußballprofi, der voller Glückseligkeit über beide Wangen strahlt, ungehemmt wie ein zufriedenes Kind. Beide Fußballer, der weinende und der lachende, waren an diesem Oktobertag ein und dieselbe Person: Kevin-Prince Boateng.

Vor dem Europa-League-Spiel der Eintracht gegen Lazio Rom hatte der 32-Jährige seinen Moment. Unweit des Fanblocks bekam Boateng von Sportvorstand Fredi Bobic eine Aufnahme überreicht, die ihn im Berliner Olympiastadion kurz nach dem DFB-Pokalsieg zeigt. Er strahlte in die Kurve beim Anblick des weinenden Boatengs. „Du wirst immer ein Teil der Eintracht-Familie bleiben“, sagte Bobic zu Boateng, der ins Mikro erwiderte: „Ihr seid die geilsten Fans, für die ich je gespielt habe.“ Die Anhänger erhoben sich, applaudierten. Ein außergewöhnlicher Moment.

Vor allem deshalb, weil ihn etwas mehr als ein Jahr zuvor niemand kommen sah. Als Boateng im August 2017 zur Eintracht kam, fragten viele: Was soll das denn? Der Rest ist Eintracht-Geschichte. Boateng schwang sich trotz körperlicher Defizite zum Anführer der Mannschaft auf, holte mit dieser den Pokal, erlangte spätestens auf dem Römer-Balkon Kultstatus, und verschwand auf dem Höhepunkt seines Frankfurter Wirkens nach Italien zu Sassuolo Calcio. Happy End also? Pustekuchen.

Kevin-Prince Boateng will Sassuolo verlassen

Am Montag hatten mehrere Medien berichtet, dass die Eintracht an der Rückkehr des exzentrischen Profis mit den Bling-Bling-Ohrringen und der Zweitkarriere als Rapper arbeitet. Diese Berichte decken sich mit FR*-Infos. Boateng, den es nur wenige Monate in Italien hielt, ehe er sich für die Rückrunde zum FC Barcelona ausleihen ließ (drei Ligaeinsätze), will Sassuolo verlassen. Schon vor Wochen verkündete deren Präsident, dass er nicht mit einem Verbleib des gebürtigen Berliners rechne. Zurzeit trainiert Boateng zwar noch bei den Italienern, auch Besiktas Istanbul soll Interesse zeigen, dem Vernehmen nach ist aber die Eintracht sein liebstes Ziel. Der Prince möchte zurück in sein Königreich. Ein Wunsch, der auf Gegenseitigkeit beruht.

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Zwar will die Eintracht „keine Stellungnahme zu den Gerüchten abgeben“, so Mediendirektor Jan Strasheim gestern, die Verhandlungen laufen im Hintergrund aber auf Hochtouren. Vor allem geht es den Hessen darum, ihren Ex-Spieler ablösefrei zu verpflichten, genauso wie sie ihn vor einem Jahr kostenlos an Sassuolo abgegeben hatten. Boateng steht bei den Italienern aber noch bis 2021 unter Vertrag, so dass diese sehr wohl auf eine Zahlung pochen könnten. Da ist Verhandlungsgeschick gefragt. Daher wird Boateng auch nicht heute um 11 Uhr in der Chartermaschine nach Estland sitzen, wenn sich 19 Profis, die Trainer und das Funktionsteam der Eintracht auf den Weg zum Europa-League-Qualispiel nach Tallinn machen. Er könnte, wenn alles glatt läuft, aber im am Freitag beginnenden Trainingslager in Österreich dazustoßen.

Eintracht Frankfurt will noch einen dicken Fisch an Land ziehen

Trainer Adi Hütter würde das gefallen. Zwar passt Boateng vordergründig nicht in das vom Trainer auf ein hohes Laufpensum ausgerichtete Pressingsystem, langfristig aber will er dieses sowieso verfeinern. Deshalb wollte Hütter schon Max Kruse unbedingt in seinen Reihen haben, einen ähnlichen fußballerischen Freigeist wie Boateng. Beide stoßen gerne vorne in die Spitze hinein, lassen sich aber ebenso häufig in die Tiefen des Mittelfelds zurückfallen. Beide rennen weder viel noch schnell, haben dafür aber feine Füßchen für besondere Momente.

„Wir wollen dafür sorgen, dass die Eintracht-Gemeinde große Freude an uns hat“, sagte Bobic vor wenigen Tagen. Neben dem Transfer von Boateng bereitet er weitere vor. Diese sollen, so hört man, namhafte Spieler betreffen. Die Eintracht ist guter Dinge, einen dicken Fisch – sportlich wie finanziell – als Ersatz für die abgewanderten Luka Jovic und Sebastien Haller an Land ziehen zu können. Der gehandelte Dortmunder Maximilian Philipp wäre da eher ein mittelgroßer. Der 25-Jährige darf den BVB zwar verlassen, auch der Wechsel nach Wolfsburg ist geplatzt, die Eintracht würde ihn aber ungern für knapp 20 Millionen Euro aus seinen Vertrag herauskaufen. Sie favorisiert ein Leihgeschäft. Ohnehin ist Philipp keiner, der Tore en masse garantiert, er würde als zusätzliche Stürmerverpflichtung wohl erst dann richtig interessant werden, sollte Ante Rebic die Eintracht verlassen. Für den Kroaten liegt aber kein Angebot vor.

SGE hat großes Interesses an Jesus Vallejo

Ebenfalls noch kein Angebot, dafür aber ihr großes Interesse haben die Frankfurter bei Real Madrid für Jesus Vallejo hinterlegt. Sollte eine Verpflichtung des spanischen Innenverteidigers den finanziellen Vorstellungen der Eintracht entsprechen und auch Vallejo den Deal wollen, werden die Hessen zuschlagen. Denn, das wissen sie in Frankfurt, der 22-Jährige wäre ein Spieler, der das Niveau des Teams sofort steigern würde. 

Zumal sich die Verhandlungen um Martin Hinteregger hinziehen*. Der Österreicher hat ja gerade erklärt, dass er sich einen Verbleib in Augsburg doch vorstellen könne und keineswegs in die Rolle eines Streikprofis manövriert werden möchte. Dabei hat er sicher nicht gelogen, aber wohl doch ein wenig geblufft. Noch immer ist Eintracht Frankfurt sein Ziel Nummer eins, ähnlich wie bei Kevin-Prince Boateng.

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