Die Entdeckung der zurückliegenden Saison: Daichi Kamada.
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Die Entdeckung der zurückliegenden Saison: Daichi Kamada.

Kaderplanung der SGE

Eintracht Frankfurt: Verhandlungen mit Kamada im Stocken - Bewegung bei Ante Rebic

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Die Vertragsverlängerung mit Kamada gestaltet sich gerade schwierig. Bei Rebic und Silva ist langer Atem gefragt.

Vor gut einem Jahr verkündete der italienische Transferexperte Gianluca Di Marzio den Wechsel von Daichi Kamada zum Serie-A-Starter FC Genua als so gut wie perfekt. Kamada, so der renommierte TV-Journalist Ende Juli, weile zum Medizincheck in der Hafenstadt, die letzten Modalitäten seien geklärt. Alles sei nur eine Frage von wenigen Tagen. Es kam, man weiß es heute, anders.

Nun ist es nicht so, dass Di Marzio Fehlinformationen verbreitet hätte, der Reporter ist bestens verdrahtet, verkündete etwa den Wechsel von Pep Guardiola nach München weiland exklusiv. Und auch beim japanischen Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht lag er richtig, der Transfer war im Grunde eingetütet – doch dann hakte es an der von Genua vorgesehenen Zahlungsmodalität der Ablösesumme in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro. Die Eintracht-Verantwortlichen akzeptierten nicht, der Transfer geriet ins Stocken. Kamada trainierte weiter in Frankfurt, und Coach Adi Hütter gefiel, was er sah. Eines Tages im Trainingslager wurde Hütter bei Sportvorstand Bobic vorstellig und bat: „Fredi, lass’ ihn uns behalten.“ Das Ende der Geschichte ist bekannt. Der 23-Jährige startete durch, und Hütter jubilierte jüngst: „Für mich ist er die positivste Erscheinung in dieser Saison.“

Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic bei Daichi Kamada zuversichtlich

Die Eintracht, das ist bekannt, würde den Vertrag gerne verlängern, alle Eckdaten sind ausgearbeitet. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das im Juli beenden können und Daichi einen längerfristigen Vertrag hier unterschreibt“, sagte Sportchef Fredi Bobic unlängst. Doch so reibungslos scheint das nicht vonstattenzugehen, wie kürzlich die „Bild“ richtigerweise berichtete. Der japanische Berater des Spielers, Roberto Tukada, spielt nämlich auf Zeit und pokert um mehr Geld, während Kamadas anderer Agent, der mit der Eintracht gut bekannte Thomas Kroth, seinem Schützling zu einem Verbleib rät. Kamada ist das beste Pferd im Stall von Vermittler Tukada. Eine verzwickte Situation, denn Kamada ist nur noch ein Jahr an die Eintracht gebunden, was bedeutet, dass sie den Regisseur jetzt verkaufen müsste, um nicht 2021 leer auszugehen.

Der Markt ist durch die Corona-Krise aber derzeit sehr träge und die Vereine finanziell bedrängt, weshalb kaum damit zu rechnen ist, dass der Mann aus Nippon jetzt zu Konditionen wechseln würde, die der Prä-Epidemie-Zeit entsprochen hätten.

Andererseits hat der Kreativkopf auf diesem Niveau erst eine Saison absolviert, da wäre es ratsam, diese Leistungen erst einmal zu bestätigen und im vertrauten Umfeld (und mit dem väterlichen Freund Makoto Hasebe an der Seite) zu bleiben. Es besteht zudem weiterhin die Möglichkeit, in das Vertragswerk bestimmte Ausstiegsklauseln oder nachfolgende Partizipationen einzubauen.

Eintracht Frankfurt: Bewegung im Fall von Ante Rebic

Die Frage ist zudem, ob die Eintracht sich finanziell noch mal entscheidend bewegen wird, das neue Vertragsangebot beinhaltet schließlich schon eine signifikante Gehaltssteigerung, das den guten Leistungen der Offensivkraft Rechnung trägt. Klar ist, dass die Eintracht ihre eigene Finanzlage sehr genau im Blick haben muss, die Umsatzerwartung für das kommende Geschäftsjahr ist auf 140 Millionen Euro taxiert und somit halbiert worden. Da würde es befremdlich wirken, auf eine ausgearbeitete, gute Offerte einfach noch mal, sagen wir, 750 000 Euro draufzusatteln. Ein Kompromiss und ein Verbleib ist aber nach wie vor wahrscheinlicher als der Abgang des Leistungsträgers.

Bewegung kommt überdies auch in die Personalie Ante Rebic, der zurzeit beim AC Mailand groß aufspielt. Das berichtet zumindest – Achtung – Transferguru Gianluca Di Marzio. Laut seinen Infos will Milan den bis 2021 ausgeliehenen Kroaten jetzt fest verpflichten und wäre bereit, 25 Millionen Euro zu zahlen. An der Geschichte gibt es aber mehrere Haken: Zum einen müsste der Nationalspieler mit dem mit ihm auf Leihbasis getauschten Eintracht-Stürmer André Silva quasi verrechnet werden, was sich momentan schwierig darstellt, obwohl beide nach anfänglichen Problemen die Erwartungen erfüllt haben.

Richtig ist, dass es keine bindene Kaufoptionen gibt, aber sehr wohl ein Commitment. Für die Eintracht birgt die Konstellation das Problem, dass sie die Hälfte der Ablösesumme an Rebics vorhergehenden Verein, den AC Florenz, abdrücken muss. In der ursprünglichen Planung waren die Frankfurter von 30 Millionen Euro ausgegangen, von denen 15 in der eigenen Tasche landen würden. André Silva war zur Zeit des Geschäfts mit etwa 22 Millionen Euro veranschlagt, was bedeuten würde, dass die Eintracht sieben Millionen Euro obendrauf packen müsste. Ob beide Zahlen in der Absolutheit noch Gültigkeit haben (derzeitiger Marktwert bei beiden: 24 Millionen), darf bezweifelt werden. Doch auf ein Nullsummenspiel wird es für die Eintracht – Stand jetzt – nicht hinauslaufen. Da ist langer Atem und Verhandlungsgeschick gefragt. Fredi Bobic wird alsbald die Verhandlungen mit den Milan-Eigentümern aufnehmen – Ausgang offen.

Ausgeschlossen ist, dass beide Spieler zu ihren Ex-Vereinen zurückkehren. André Silva ist bei Milan nicht wohlgelitten, und Rebic schwebt mittlerweile in ganz andere Sphären. An der Konstellation wird sich wohl auch nichts ändern, wenn Ralf Rangnick zur Allmacht in Mailand aufsteigen würde. Zwar eckten beide zu gemeinsamen Leipziger Zeiten an, doch Rebics Potenzial hatte Rangnick erkannt: „Dass es sich um ein Ausnahmetalent handelt, das war uns damals schon klar.“

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