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Mit Djibril Sow und André Silva wollte sich die SGE Qualität in den Kader holen. Bis jetzt sind die beiden Neuzugänge aber den Beweis schuldig geblieben, Eintracht Frankfurt entscheidend weiterhelfen zu können. 

SGE in der Analyse

Silva, Sow und Touré enttäuschen: So morsch ist der Eintracht-Kader 

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    Thomas Kilchenstein
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Wer Eintracht Frankfurt spielen sieht, erkennt: Im Kader gibt es große Baustellen. Lichtblicke sind rar. Fürchten muss die SGE in der Bundesliga niemand. 

Frankfurt – In dieser verdrehten Bundesligabegegnung der Eintracht gegen den 1. FC Köln ereignete sich nach 25 Minuten eine Spielszene mit Seltenheitswert: Daichi Kamada, so etwas wie der kreative Kopf im stromlinienförmigen Frankfurter Gebilde, steckte da den Ball steil in die Spitze durch, es war ein blitzgescheiter Pass, und man hätte sich leicht ausmalen können, was passiert wäre, wenn Luka Jovic oder Ante Rebic die Adressaten des Zuspiels gewesen wären. Doch die Angreifer tragen das Ex vorneweg, sind verflossene, und der aktuelle Stürmer Goncalo Paciencia war schlichtweg nicht flink genug auf den Beinen, um den Pass zu erlaufen, der Kölner Torwart Timo Horn legte sich quer und fing die Kugel ab. Chance vertan.

Nun kann man dem Portugiesen Paciencia ja nicht vorwerfen, dass er nicht genügend Dampf in den Füßen hat, er hat andere Vorzüge, eine gute Technik und ein prima Kopfballspiel, sieben Tore hat er schon gemacht, das ist so schlecht nicht. Und doch ist das fehlende Tempo im letzten Drittel ein Problem im Eintracht-Spiel. Weder Bas Dost noch André Silva oder eben Paciencia sind Sprintertypen, im Gegenteil, sie brauchen Pässe in den Fuß, um die Bälle verarbeiten zu können.

Eintracht Frankfurt: André Silva ist eine einzige Enttäuschung

Dadurch fehlt der Tiefgang, eine andere Komponente, die Möglichkeit, die Angreifer auch mal vertikal in Szene zu setzen. So sind die Angriffe stets ähnlich angelegt, das Spiel wird breit gemacht und über die Außen vorgetragen, keine andere Mannschaft flankt so häufig wie die Eintracht. Das macht sie aber auch leicht ausrechenbar. Das Offensivspiel ist schon lange entschlüsselt.

Dass die fehlende Dynamik ein großes Manko des derzeitigen Kaders ist, hat Trainer Adi Hütter schon lange festgestellt. Anfangs hoffte der Fußballlehrer, dieses Vakuum durch einen anderen Spielstil kompensieren zu können. Er hat aber nicht gedacht, dass sich die Mannschaft, auf Strecke gesehen, so schwer damit tun würde. Schon vor Monaten hatte die Sportliche Führung angekündigt, die Ausrichtung modifizieren wollen. 

Die Analyse aus der vergangenen Saison und den Runden zuvor hatte nämlich ergeben, dass die zuvor praktizierte brachiale und kräftezehrende Art des Fußballs auf Dauer nicht durchzuhalten sein wird. Die Hoffnung war, durch technisch beschlagene Akteure wie André Silva an spielerischer Klasse und Finesse zu gewinnen. „Er ist ein toller Spieler, der eine andere Note einbringen wird“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. In Wahrheit ist Silva bislang eine einzige Enttäuschung. Die Idee, das Spiel anders auszurichten, ist bislang als gescheitert zu betrachten.

Eintracht verzweifelt: SGE-Verbindungsspieler wie Sow oder Kohr zünden nicht

Durch das fehlende Tempo in vorderster Linie haben es auch die Mittelfeldspieler schwer, Akzente zu setzen, weil vorne die Anspielstationen fehlen. So sind sie gezwungen, oft quer oder zurück zu spielen. Zudem sind die Akteure fußballerisch nicht stark genug, gegen Köln zog Coach Hütter gar den Strategen Makoto Hasebe ins Mittelfeld, „weil wir im zentralen Mittelfeld nicht genug Ruhe am Ball hatten“.

Hinzu kommt, dass wichtige Verbindungsspieler wie Djibril Sow oder Dominik Kohr nicht so funktionieren wie sie es müssten, um dem Team wirklich helfen zu können. Und sonst? Gelson Fernandes ist ein reiner Zerstörer, Lucas Torro verletzt, Jonathan de Guzman außen vor und Mijat Gacinovic ist eben Mijat Gacinovic: bienenfleißig, unerbittlich attackierend, aber auch arg fehlerbehaftet. Bleiben der offensive Kamada, der aber letzte Saison noch in Belgien aktiv war und ein Spiel nicht alleine lenken kann, und Sebastian Rode, der ordentlich agiert, aber nicht in Bestform und immer wieder angeschlagen ist.

Eintracht Frankfurt verbreitet kaum Angst und Schrecken 

Der Mannschaft fehlt Stabilität und Kompaktheit, sie hat nichts, worauf sie sich zurückziehen kann, wenn es nicht läuft. Sie ist auch nicht in der Lage, mal eine Führung über die Zeit zu retten, einen Sieg mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. In Mainz, gegen Guimaraes und nun gegen Köln reichte ein Vorsprung nicht mal zu einem Punkt, gegen die Rheinländer nicht mal ein 2:0. Alles ist vom Einsturz bedroht, sobald etwas Ungeplantes passiert.

Und auch die Abwehr wankt bedenklich, allen voran Almamy Touré ist in derzeit ein ausgemachtes Sicherheitsrisiko. In den letzten drei Heimspielen kassierte die Eintracht im Schnitt drei Tore, zwei gegen Hertha, drei gegen Guimaraes, vier gegen Köln. Das sind allesamt höchst biedere Mannschaft, die für gewöhnlich nur wenig Angst und Schrecken verbreiten. Mit dieser Anfälligkeit, so viel ist klar, wird es auch schwer, in Paderborn zu bestehen – Schlusslicht hin oder her.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Ein großer Faktor für die aktuelle Krise bei Eintracht Frankfurt ist die Müdigkeit. Der straffe Spielplan hat die Mannschaft deutlich Kraft gekostet. Trainer Adi Hütter hätte gern eine längere Winterpause, muss aber mit dem arbeiten, was er bekommt. 

Die DFL hat übrigens die Bundesliga-Spieltage 22 bis 28 terminiert. Eintracht Frankfurt spielt im Zeitraum von Anfang Februar bis April nur ein Mal samstags.

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