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441 Bundesligaspiele und 109 Tore: Jürgen Grabowski im Eintracht-Museum.

SGE-Legende Jürgen Grabowski

Jürgen Grabowski wird 75 - eine Hommage an Mr. Eintracht

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„Der größte Künstler, den dieser Verein je hervorgebracht hat“: Zum 75,. Geburtstag von Eintracht-Frankfurt-Legende Jürgen Grabowski.

Am vergangenen Samstag war Jürgen Grabowski wieder in seinem Stadion, die große Geburtstagssause zum 120-jährigen Bestehen von Eintracht Frankfurt hat sich „der größte Künstler, den dieser Verein je hervorgebracht hatte“ (Karl-Heinz Körbel), selbstverständlich nicht entgehen lassen. Die zweistündige Retrospektive hat ihm gefallen, kein Zweifel, vielleicht hätte man den 70er- und 80er-Jahren ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken können, fand er, aber geschenkt.

Grabowski – die Eintracht-Legende

Die 70er-Jahre, das waren seine Jahre, in die der zweimalige Gewinn des DFB-Pokals 1974 und 1975, der WM-Titel, und vor allem die Metamorphose vom dribbelstarken Rechtsaußen zu einem brillanten Mittelfeldregisseur in einer Mannschaft fielen, die furiosen Fußball gespielt und am Ende seiner Karriere noch den Uefa-Pokal geholt hat, natürlich im eigenen Stadion. Dann ist Jürgen Grabowski nach Hause gefahren, nach Taunusstein, und hat spätabends noch den Fernseher angemacht: Im HR lief eine Sondersendung, „Grabowski – die Eintracht-Legende“, auch die hat ihm sehr gefallen. Es war eine Hommage an den besten Spieler der Hessen, an „Mr. Eintracht“, an einen der ganz Großen des deutschen Fußballs, an einen bescheiden gebliebenen Mann, der Zeit seiner Karriere nur für zwei Klubs gespielt hat, für den SV Biebrich und für Eintracht Frankfurt. 441 Bundesligaspiele hat er zwischen 1965 und 1980 bestritten, nie war er ausgewechselt worden, wie die Deutsche Presse-Agentur ermittelt hat, 109 Tore hat er dabei erzielt. Keiner in der langen Reihe großartiger Frankfurter Spieler hat so lange eine Ära geprägt wie Grabowski.

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Grabowski trug die Nummer acht

Dabei hatte der gebürtige Wiesbadener noch das erste Probetraining anno 1965 verpasst. „Ich bin in Wiesbaden mit dem Auto losgefahren und nie in Frankfurt angekommen“, erzählt der passionierte Golfspieler. Er hatte sich komplett verfahren. Das hat ihm, den damals unbekannten Kicker, schwer im Magen gelegen. „Was denken die bloß von mir.“ Trotzdem hat ihn der damalige Trainer Elek Schwartz, der auf Techniker stand, im ersten Bundesligaspiel am 14. August 1965 gegen den Hamburger SV (2:0) für die Startelf nominiert, Grabowski trug die Nummer acht. Für ihn war der Sprung aus der Hessen- in die Bundesliga kein Problem. 1000 Mark hatte er seinerzeit im Monat erhalten, zudem ein Handgeld von 12 000 Mark, und davon hat sich der schnelle Autos liebende Grabi gleich einen Spitfire geleistet.

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Morgen vor 45 Jahren: Jürgen Grabowski wird an seinem 30. Geburtstag Fußball-Weltmeister.

Am 7. Juli wird der „ganz feine Mensch“ (Kölns Ikone Wolfgang Overath) 75 Jahre alt. Grabowski wird den Geburtstag, anders als seinen 50. und 70., im kleineren Rahmen feiern, und wieder wird er enttäuscht sein über seine Geschenke zum Ehrentag. Aber das ist er seit 45 Jahren gewohnt: An das Präsent vom 7. Juli 1974 kam seither keines heran, kein Wunder: An diesem Tag wurde Deutschland das zweite Mal Weltmeister. 2:1 gegen Holland, mit der Frankfurter Flügelzange, rechts der Grabi, links der Holz. Und dieser Bernd Hölzenbein, einst auch kein ganz Schlechter, hat nicht die Scheu, im besten Hessisch öffentlich zu sagen: „Der Grabi war besser wie ich.“

Als der Schiedsrichter das Endspiel von München abpfiff, da hat Grabowski gedacht: „Ich? Weltmeister? Jetzt gehört dir die Welt.“ Dabei war die WM in Deutschland für den Grabi eine ganz schöne Achterbahnfahrt. Anfangs Stammspieler, wurde er nach dem 0:1 gegen die DDR zu einem der Sündenböcke erkoren und auf die Tribüne verbannt. Erst im Spiel gegen die Schweden im Viertelfinale wurde er eingewechselt, ein paar Minuten später erzielte er auf Vorlage von Hölzenbein das 3:2. „Mein wichtigstes Tor“, sagt er heute: „Da hat der liebe Gott ein bisschen nachgeholfen.“ Mit diesem Treffer war er wieder im Team, machte die Wasserschlacht gegen Polen in Frankfurt mit und dann das Finale. Nach dem Titel erklärte er nach 44 Länderspielen seinen Rücktritt und kehrte trotz vieler Bittgänge des damaligen Bundestrainers Helmut Schön nie zurück.

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Grabowski stand für den besonderen Fußball, den die Eintracht in den 70er- und frühen 80er-Jahren gespielt hat, er stand auch für das Divenhafte, das Außergewöhnliche, stand für die Ästhetik, das Elegante des Spiels. Jürgen Grabowski – das ist und bleibt das Aushängeschild der Eintracht. Noch heute, knapp 40 Jahre nach seinem erzwungenen Abschied mit knapp 36 von der Fußballbühne, wird vor jedem Heimspiel und vor jedem Pokalfinale mit Frankfurter Beteiligung die Hymne „Schwarz-weiß wie Schnee“ gespielt, von der Metal-Band Tankard um Sänger Gerre: „Wir haben die Eintracht im Endspiel gesehn’, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen, mit dem Jürgen Grabowski.“ Darauf ist der Grabi ein bisschen stolz. Gerre hat er dafür einst auch einen sechsseitigen Dankesbrief geschrieben.

Grabowski war kurzzeitig SGE-Trainer

Grabowski, der kurzzeitig als Trainer bei der Eintracht aushalf und im Verwaltungsrat saß, ist weiterhin regelmäßiger, sehr interessierter Gast im Stadion. Ein bisschen erinnert ihn die heutige Eintracht an die seiner aktiven Zeit, „sensationell“ sei die vergangene Saison verlaufen, „die Mannschaft hat richtig tollen Fußball gespielt, kein Ballgeschiebe hintenrum, sondern schnell nach vorne“. Das ist es, was ein Weltmeister sehen möchte. Aber er weiß auch: „So ein Jahr zu wiederholen, das ist schwer.“ Er bedauert das, weil vielleicht eine neue Ära hätte entstehen können: Wenn das Team zusammen geblieben wäre, „und noch ein, zwei starke dazukämen, dann wäre die Eintracht zusammen mit dem FC Bayern und Dortmund Titelfavorit.“

Aber solche Wünsche gehen halt in diesen Zeiten nicht mehr so leicht in Erfüllung, auch nicht zum 75. Geburtstag von Jürgen Grabowski.

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