Eintracht_201020
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Wo hakt’s? Eintracht-Trainer Adi Hütter beim 1:1 in Köln.

SGE

Eintracht Frankfurt ist (noch) nicht abgezockt genug

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt spielt ordentlichen Fußball, ist ungeschlagen, sollte aber noch mutiger werden und konsequenter agieren. Die nötige Erfahrung sollte das Team eigentlich haben.

  • Eintracht Frankfurt ist die bessere Elf gegen den 1. FC Köln – zu einem Sieg reicht es aber nicht
  • Der SGE fehlt der Killerinstinkt
  • Zwei Erkenntnisse für Eintracht Frankfurt nach dem Unentschieden gegen den 1. FC Köln

Frankfurt/Köln - Graue Haare sind bei Eintracht Frankfurt ehrlicherweise bisher nur am Seitenrand zu entdecken. Nicht bei Bruno Hübner, versteht sich, dem immer noch so vital ausschauenden Fast-Sechziger, seines Zeichens auch Sportdirektor beim hessischen Bundesligisten. Stattdessen aber durchaus beim fußballlehrenden Personal, dem Cheftrainer Adi Hütter und – vor allem – dessen silberbelocktem Assistenten Armin Reutershahn. Aber auf dem Spielfeld, nein, da sind die kickenden Angestellten des Klubs durchweg grauhaarlos unterwegs. Weshalb sich das für sie in nicht allzu ferner Ferne ändern könnte, verrät ein Blick auf die bloßen Zahlen, auf den Altersschnitt.

Kein Team ist so alt wie das von Eintracht Frankfurt

Da sind die Frankfurter Fußballer ligaweit die Ältesten, kein anderer Verein schickte an den ersten vier Spieltagen dieser Saison eine reifere Truppe aufs Feld. 29,5 Jahre alt war Eintracht Frankfurt im Schnitt gegen Bielefeld, 29,4 in Berlin, 29,2 gegen Hoffenheim, und am Sonntag beim 1:1 in Köln gar 29,6. Alter Schwede. Zur besseren Einordnung: Die Jüngsten der Liga aus Stuttgart gewannen am Samstag mit einer Bubi-Truppe von durchschnittlich nur 24,7 Jahren in Berlin.

Obwohl Eintracht Frankfurt also im Rheinland mit Torwart Kevin Trapp (30), Libero Makoto Hasebe (36, der älteste Profi der Liga), Kapitän David Abraham (34), Mittelfeldspieler Sebastian Rode (30) und Angreifer Bas Dost (31) gleich fünf Ü-30-Profis aufboten, fehlte zum dritten Sieg am Stück vor allem eines: Abgezockheit. Gleichermaßen erstaunlich wie zutreffend.

Eintracht Frankfurt die bessere Elf gegen den 1. FC Köln

Denn Eintracht Frankfurt war beim angeschlagenen 1. Fußball-Club Köln von der ersten Minute an die bessere Elf. Sie attackierte ihren krisengeschüttelten Gegner früh in dessen Hälfte, erzwang damit eine Reihe von leichten Ballverlusten bei den Domstädtern, was zur klaren Spielkontrolle führte. 60 Prozent Ballbesitz hatten die Gäste nach 90 Minuten, sie schossen 17 Mal auf des Gegners Kasten (Köln nur neunmal), waren fast durchgehend der Herr im fremden Haus. Dennoch reichte die Leistung nur zum Unentschieden. Warum?

Eintracht Frankfurt fehlt gegen Köln der Killerinstinkt

Der letzte Tick an Konsequenz im Abschluss, der Killerinstinkt – bitte nicht wörtlich zu nehmen, lediglich im Fußballjargon einzuordnen – fehlte den Hessen. Daichi Kamada verpasste eine doppelte Einschussmöglichkeit, auch Neuzugang Amin Younes hätte treffen können. Zu allem Überfluss verloren die Frankfurter dann einmal im Kollektiv die Lust am Verteidigen und kassierten bei der gefühlt ersten ernstzunehmen Kölner Attacke prompt einen Gegentreffer.

Steven Zuber trabte auf links hinterher, Sebastian Rode wich dem Zweikampf aus, ehe Almamy Touré in der Mitte dem Kölner Torschützen Ondrej Duda einigermaßen gelassen bei der Arbeit zusah. Eine Fehlerkette, die selbst gegen arg limitierte Kölner Krisenkicker fatale Folgen hatte: Eintracht Frankfurt nahm zwei Punkte weniger als möglich mit auf den Heimweg.

Zwei Erkenntnisse für Eintracht Frankfurt nach dem Unentschieden gegen Köln

So gibt es nach dem zweiten Frankfurter Unentschieden dieser Saison auch zwei Erkenntnisse. Zum einen kann Eintracht Frankfurt besser Fußballspielen als viele andere Mannschaften der Bundesliga – genannt seien als Beispiele zuallererst die drei Sieglostruppen aus Mainz, Gelsenkirchen und Köln, dazu zählen aber wohl auch solch Wackelkandidaten wie Bielefeld, Bremen oder Augsburg.

Zum anderen hat Eintracht Frankfurt dennoch ihre Schwierigkeiten eben jene vermeintlich schwächeren Kontrahenten zu bespielen. Schon beim Ligaauftakt gegen Aufsteiger Bielefeld bestimmten die Hessen fußballerisch die Partie, waren besser, münzten diese Überlegenheit aber nicht in einen Dreier um. Zu oft wurde noch der risikolose Rückpass gesucht, zu selten der direkte Weg zum Tor. Ähnliches gab es auch am Sonntag in Köln zu sehen.

Gegen Berlin und Hoffenheim kombiniert sich Eintracht Frankfurt vors Tor

Wenn sich mal ein Frankfurter fürs Vabanquespiel entschied, dann am ehesten der geschmeidige Spielmacher Kamada, obgleich er dadurch auch den einen oder anderen ärgerlichen Ballverlust in sein Spiel einstreute. Nicht umsonst heißt es aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Deutlich besser kombiniert sich Eintracht Frankfurt dagegen in Berlin und gegen Hoffenheim bis vors Tor durch, gegen zwei Teams also, die ebenfalls gerne nach vorne agieren und damit auch die eine oder andere Lücke in der Rückwärtsbewegung offenbaren.

Nun geht es für Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München

Alles in allem aber sind acht Punkte nach vier Spielen für Eintracht Frankfurt natürlich ein achtbarer Zwischenerfolg. Platz vier hinter den Ligabesten aus Leipzig, Dortmund und München hätten wohl fast alle Frankfurter Verantwortlichen sowie die Fans vor dem Saisonstart gerne genommen, wenngleich am kommenden Samstag wenig drin sein dürfte.

Dann wartet die schwierigste Aufgabe der ganzen Saison auf die Eintracht, jene bei der besten Mannschaft Europas aus München. 2000 gab es in der bayerischen Landeshauptstadt den bisher letzten Frankfurter Sieg, 2007 gelang immerhin mal ein Punktgewinn. Lang ist’s her.

Zur Einordnung: Adi Hütter, der Coach, beendete damals gerade seine Spielerkarriere in Salzburg, wohlgemerkt noch gänzlich ohne graues Haar.

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