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Tore schießen ist doch ganz einfach: Eintracht-Verteidiger David Abraham und Martin Hinteregger.

Europa League

Eintracht Frankfurt: Die Innenverteidiger auf Torejagd

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    Thomas Kilchenstein
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Zwei Eintracht-Verteidiger treffen nach zufällig einstudierten Standards.

Frankfurt - Vor dem vorentscheidendenSpiel gegen Standard Lüttich hat Martin Hinteregger seinen Kapitän zur Seite genommen und ein bisschen gegen ihn gestichelt. Wann, hatte der Österreicher listig gefragt, habe er, David Abraham, eigentlich letztmals ein Tor erzielt? Natürlich wusste Hinteregger genau, dass der 33 Jahre alte Argentinier eine ganze Menge kann, schnell laufen zum Beispiel, auch köpfen, dazu ist er von ausnehmend freundlichem Wesen. 

Nur eines kann er weniger gut: Tore schießen. Seit 2015 spielt David Abraham schon bei Eintracht Frankfurt, ein mickriges Törchen, im September 2016 beim FC Ingolstadt war das, hat er in der ganzen Zeit und bei immerhin 137 Spielen lediglich zustande gebracht. Viel zu wenig eigentlich, selbst für einen Verteidiger. Dann werde es mal Zeit, hatte Hinteregger noch gesagt. „Dass er es gleich so umsetzt, habe ich nicht gedacht“, sagte Hinteregger nach dem wichtigen 2:1 (1:0)-Erfolg der Hessen im dritten Europa League-Spiel gegen Standard Lüttich.

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Es war kein besonders schönes Tor, auch kein schweres, aus ein, zwei Metern musste Abraham die „überragende“ (Vorstand Fredi Bobic) Freistoßflanke von Daichi Kamada nur noch über die Linie drücken, aber man muss halt an der richtigen Stelle stehen. Und es hat schon Situationen in der Vergangenheit gegeben, da hat Abraham genau aus dieser Position eben nicht getroffen. Es war vor allem ein wichtiges Tor, ein 1:0 ist immer auch eine Befreiung, Ballast fällt ab, ein 1:0 öffnet ein Spiel. Und David Abraham, der sich wie ein Schneekönig gefreut hat über seinen Treffer, ist dieses Tor von Herzen gegönnt worden: „Es freut uns ungemein, dass David als unser Kapitän mal wieder ein Tor gemacht hat“, freute sich Sebastian Rode stellvertretend für alle im Team mit seinem Spielführer, der zuletzt „heftige Kritik“ hatte einstecken müssen, wie Trainer Adi Hütter etwas übertrieben formulierte. So heftig war die Kritik tatsächlich nicht, allerdings hinkte der zuletzt sehr verletzungsanfällige Abraham seiner Normalform hinterher. „David ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft“, sagte der Coach.

Zur Pointe gehört zudem: Das zweite Tor an diesem Abend erzielte ebenfalls ein Verteidiger, und zwar - Martin Hinteregger, der einen Eckball, erneut getreten von Kamada, wuchtig ins Tor köpfte. Und in diesen Treffer hatte der Mentalitätsspieler all seinen Willen, seine Leidenschaft gelegt, er habe gesehen, dass „vorne ein kleiner Spieler stand, was untypisch“ sei, „dann habe ich meine Chance gesehen“. Für Hinteregger, den Hütter als „sehr guten Bundesligaspieler, der in sehr vielen Vereine spielen könnte“, adelte, ist das Torschießen keine Seltenheit. Schon am ersten Spieltag hatte er den 1:0-Siegtreffer gegen die TSG Hoffenheim erzielt, für die Eintracht in seinem knappen Jahr vier, zuletzt traf er in der Nationalelf beim 3:1 gegen Israel. Der Publikumsliebling, der jüngst im Magazin „11 Freunde“ explizit die Frankfurter Fans nach dem Aus im Halbfinale gegen den FC Chelsea lobte („Hätten sie mich nicht so aufgefangen, wäre ich nach dem verschossenen Elfer sicherlich in ein Loch gefallen“), hat sich persönlich ein Ziel gesetzt, wie viele Tore er in dieser Saison schießen möchte: „so bis drei bis fünf“.

Eintracht Frankfurt: Verteidiger waren zur Stelle

Es war also gut, dass dieses Mal die Verteidiger zur Stelle und für die Stürmer in die Bresche gesprungen waren. Zwei der drei Angreifer, nämlich Bas Dost und André Silva, hatten verletzungshalber passen müssen, Goncalo Paciencia war lange Zeit auf sich allein gestellt. „Es ist wichtig, dass wir eine Mannschaft haben, die nicht von ihren Stürmen abhängig, sondern die flexibel ist“, sagte Hütter. Trotzdem hat die Angriffsreihe in der Liga bereits elf der 14 Frankfurter Tore erzielt.

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Weil also im Sturm am Donnerstagabend eher Flaute herrschte, musste die Eintracht über ihre einstudierten Standards den Weg zum Erfolg suchen und finden. Witzigerweise war es reiner Zufall, dass die Hessen über die ruhenden Bälle zum Sieg kamen. „Einstudiert war das 1;0 nicht“, räumte Rode freimütig ein, man probiere im Training unterschiedliche Varianten, „aber im Endeffekt brauchst du dann immer auch Glück“: Auch der zweite Treffer war nicht am Reißbrett entworfen., „das war reine Improvisation“, so Hinteregger, die Laufwege in dieser Szene seien nicht abgesprochen worden, „mal läuft der, mal läuft der“.

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Erstaunlicherweise klappte dieses Stegreifspiel an diesem Abend, „an dem wir nicht das erhoffte Feuerwerk abgebrannt haben“ (Hinteregger), nahezu perfekt – ohne Stürmertor und nur dem puren Impuls folgend. Aber Steigerungen sind noch drin, findet Hinteregger: „Wenn jetzt Makoto Hasebe auch noch torgefährlich wird, dann können sich die Gegner warm anziehen.“ Der Libero hat eine ähnliche Torquote wie Abraham: Sein letztes Tor hat der Japaner am 5. Februar 2017 erzielt, per Elfmeter beim 2:0 gegen den SV Darmstadt 98.

Am Sonntag trifft Eintracht Frankfurt in der Bundesliga auf Borussia Mönchengladbach. Verfolgen Sie das Spiel in unserem Live-Ticker. 

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