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Sebastian Rode

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Für immer ein Adler: Sebastian Rode kehrt zurück 

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Sebastian Rode kehrt zurück nach Frankfurt und hofft, dass ihn seine O-Beine in den nächsten fünf Jahren durch die Bundesligastadien tragen.

Er hat schon im weltberühmten Estadio Bernabeu von Real Madrid gespielt, auch in der Arena von Manchester City. Er hat es mal in einem Spiel abwechselnd mit den Superstars Neymar und Lionel Messi vom FC Barcelona aufgenommen. Er hat für die beiden deutschen Vorzeigeklubs Bayern München und Borussia Dortmund gekickt. Ganz klar, Sebastian Rode hat die weiten Weiten des Fußballgeschäfts miterlebt. Und dennoch ist er im Innern stets der bescheidene Bursche von früher geblieben. Der von damals, als er 2010 aus Offenbach nach Frankfurt wechselte. Aufgewachsen am Rande des Odenwaldes, nicht abgehoben, nahbar, bodenständig, schlicht ein netter Kerl, den sie alle nur Seppl nennen. 

Auch gestern kurz nach dem Abschluss der morgendlichen Übungseinheit der Eintracht im Trainingslager von Windischgarsten nahm sich der 28-Jährige ausgiebig Zeit für die nach Österreich mitgereisten Fans des Bundesligisten. Er grinste in die Selfie-Kameras, bekritzelte Trikots, scherzte, lachte, scherzte wieder, lachte wieder. Sympathisch.

Vertrag bis ins „Rentenalter“

Nachdem sich die Klubbosse von Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund Anfang der Woche erstmals zusammen an einen Tisch gesetzt hatten, um über einen möglichen Vereinswechsel von Rode zu sprechen, wurde der Deal am Samstag schließlich verkündet. Die Eintracht muss eine Ablöse von rund dreieinhalb Millionen Euro an den BVB überweisen, zudem sind dem Vernehmen nach Bonuszahlung vereinbart worden, die den Betrag auf bis zu fünf Millionen Euro steigern könnten. Seinerseits unterschrieb Rode bei den Frankfurtern einen Fünfjahresvertrag. Eine überraschend langfristige Vereinbarung, denn dann wäre er schon 33, ein hohes Fußballeralter. Nicht unwahrscheinlich ist also, dass Rode seine Bundesligakarriere bei jenem Klub beenden wird, bei dem er sie auch begonnen hatte.

Die lange Laufzeit des Kontrakts sei „ein Vertrauensbeweis des Vereins“, sagt Rode, „es wäre natürlich schön, wenn ich den Vertrag erfüllen kann. Danach wird nicht mehr so viel kommen.“ Er wolle in diesen fünf Jahren noch mal all seine Kräfte des Körpers mobilisieren. Denn der hat zweifelsohne gelitten in der Vergangenheit, hat schon einige Schmerzen ertragen müssen – vor allem die Knie bereiten ihm Zeit seiner Karriere stets Ärger.

Großer Schrecken nach Knorpelschaden

Anfang Mai war es, da zog sich Sebastian Rode während des Europa-League-Halbfinales beim FC Chelsea bereits seinen dritten Knorpelschaden in den Knien zu. Dazu kommt noch ein Kreuzbandriss. Sofort schwirrte auch diesmal eine lange Ausfallzeit durch den Kopf des Blondschopfs, mindestens ein halbes Jahr so die ersten Befürchtungen. „Die Enttäuschung war damals riesengroß“, sagte Rode. Manch einer spekulierte gar über ein Karriereende. Doch nichts da.

Zweieinhalb Monate später ist Rode zurück auf dem Rasen. Er absolvierte am Samstag die Trainingseinheit mit dem Team ebenso beschwerdefrei wie jene am Sonntag. Nur beim abendlichen Testkick gegen den FC Wels setzte er lieber aus. „Ich habe in der Reha gut gearbeitet und fühle mich gut. Es ist mit dem Trainer so abgesprochen, dass wir mich langsam aufbauen wollen“, sagt Rode, der nach der Einheit auf dem Platz als einziger Profi auch noch eine kurze Etappe auf dem Ergometer hinlegte. In den Trainingsduellen kann von langsamen Herantasten augenscheinlich dagegen keine Rede sein, da haut sich der Wadenbeißer wie eh und je voll rein. „Das ist halt mein Spiel“, sagte Rode, zuckt mit den Schultern und erklärt: „Wenn ich das nicht mehr so machen würde, nehme ich mir meine Stärke.“ Da ist sicher was dran.

Mix aus Bissigkeit und spielerischem Vermögen

Im vergangenen halben Jahr, als Rode ja schon vom BVB an die Eintracht verliehen worden war, überzeugte er gerade mit diesem Mix aus Bissigkeit und spielerischem Vermögen seine Kritiker. Denn nicht wenige hatten nach der Verpflichtung im Januar geunkt, dass Rode ja eigentlich nichts mehr tauge. Zu verletzungsanfällig, zu wenig Einsatzzeiten in Dortmund, keine rosige Zukunft.

20 meist starke Pflichtspiele für die Hessen und ein wichtiges Tor im Europapokal gegen Benfica Lissabon später kann festgehalten werden: alles Quatsch. Das findet auch der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic: „Wir haben alle gesehen, welche Wertigkeit Sebastian in unserem Spiel hat. Nach seiner Verpflichtung im vergangenen Winter hat unser Spiel an wichtigen Komponenten gewonnen.“ Das Hauen und Stechen im Eintracht-Mittelfeld, natürlich nur im übertragenen Sinne gemeint, hat sich durch die Verpflichtung von Rode jedenfalls erhöht. Trainer Adi Hütter stehen künftig die beiden Abräumer vor der Abwehr, der formstarke Lucas Torro und der verlässliche Gelson Fernandes, zur Verfügung. Weiter vorne als Verbindungsglied zum Angriff kann er zwischen den Neuzugängen Dominik Kohr, Djibril Sow (noch verletzt) und Rode, sowie Mijat Gacinovic und Jonathan de Guzman wählen. Womöglich kommt ja sogar noch Kevin-Prince Boateng, den die Eintracht will, der laut italienischen Medien nun aber auch ein Angebot vom AC Florenz vorliegen hat. Zudem stehen auch die chancenlosen Marc Stendera und Jetro Willems noch parat. „Ich stelle mich diesem Konkurrenzkampf und will an die Leistung der Rückrunde anknüpfen“, sagt Rode. Gelingt ihm das, wird er ziemlich sicher auch spielen.

Ziel: Fit für den Bundesligastart 

Wann der Rechtsfuß vom Übungsplatz allerdings auf das Spielfeld übergehen wird, ist noch nicht ganz geklärt. Er könne ja sowieso frühestens in einer möglichen nächsten Qualifikationsrunde zur Europa League auflaufen, das wäre am 7. August. Daher wolle er sich keinen Druck machen. Viel eher scheint aber eine Rückkehr zum Bundesligastart Mitte August eine realistische Variante. „Das ist schon ein schönes Ziel. Aber wir müssen abwarten, wie das Knie reagiert“, sagt Rode, ehe er zum Abschluss den anwesenden Reportern und sich selbst noch einen Lacher verschafft.

Ob er sich erklären könne, warum es immer seine Knie erwische, wird er gefragt. Rode schaute nach unten, überlegte kurz, schüttelte mit beiden Oberschenkeln hin und her – und antwortete trocken: „Also, diese O-Beine hier sind sicher nicht gerade förderlich.“ Dann schreitet er von dannen und grinst in die Selfie-Kameras der Fans. Sympathisch, dieser Seppl.

Von Daniel Schmitt

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